Historischer Hafen

Ausschnitt aus dem „Vogelschauplan“ von 1688 von Johann Bernhard Schulz Im Vordergrund Alt-Cölln mit Rathaus und Petrikirche (links) und heutiger Roßstraßenbrücke nach Neu-Cölln (rechts), im Mittelgrund der Mühlendamm mit Fischerbrücke und Fischmarkt, die gestaute Spree mit dem Abzweig Spreekanal, im Hintergrund Alt-Berlin mit Nikolaikirche, Molkenmarkt, Amt Mühlenhof, Stralauer Straße und Tor mit Oberbaum. Auf der Alt-Cöllner Uferseite ist zur Orientierung der ungefähre Standort der QR-Station Historischer Hafen markiert.

Ausschnitt aus dem „Vogelschauplan“ von Johann Bernhard Schulz, 1688 mit Standortmarkierung

Auf der obigen Abbildung ist zwischen den Ufern Alt-Berlins (oben), Alt- und Neu-Cöllns (links und rechts) eine große Wasserfläche, der Historische Hafen, zu erkennen. Hier, an der Kreuzung wichtiger Fernhandelswege zu Lande und zu Wasser, konnten sich die Städte Berlin und Cölln zu führenden Handelsplätzen in der Mark Brandenburg entwickeln. In ihrer Blütezeit, von 1358 bis 1518, waren beide Städte Mitglieder der Hanse. Ihr gemeinsamer Hafen war dort, wo sich heute die Schleuse befindet.

Am Anfang war der Mühlendamm

Am Spreeübergang (links oben) war der Oberlauf des Flusses durch einen Damm gestaut, der den Betrieb von Wassermühlen möglich, aber die Weiterfahrt von Schiffen unmöglich machte. Deshalb mussten hier sämtliche Schiffe umgeladen werden. Die am Mühlendamm gestauten Wassermassen bildeten das Hafenbecken, den sogenannten Spreekessel. Dieser Hafen war im Verlauf der jeweiligen Stadtbefestigungen durch Barrieren aus Pfählen mit einem schmalen Durchlass geschützt und konnte nachts mit einem beweglichen Baumstamm – dem Oberbaum – für den Schiffsverkehr gesperrt werden (rechts oben).

Das Niederlegen und Absetzen von Waren

Im Zuge der mittelalterlichen Stadtbefestigung Alt-Cöllns wurde der Cöllner Stadtgraben ausgehoben, der Alt-Cölln zu einer Spreeinsel machte. Als Umfahrt der Mühlen war der Graben jedoch nur bedingt geeignet, da er sehr schmal und nur mit einer Eintorschleuse im Bereich der heutigen Schleusenbrücke ausgestattet war. Die Waren wurden also weiterhin beidseitig des Mühlendamms niedergelegt und verzollt, umgeladen oder abgesetzt. Die Hafenverwaltung erfolgte durch das Amt Mühlenhof (heute Alte Münze).

Der Fischmarkt und die Fischerbrücke

Am Alt-Cöllner Ufer steht „Der Neue Fischmarckt“ geschrieben. Er fand auf der Fischerbrücke statt, die in der Mitte des Mühlendamms beginnend stadtauswärts in eine Kaianlage überging. An dieser Stelle soll mit dem Fluten der barocken Festungsgräben und dem daraus resultierenden Absinken des Wasserspiegels eine Insel aufgetaucht sein, die anschließend bebaut wurde (siehe QR-Station Inselgebäude und Hafenkastanie).

Der Mühlendamm wird zur Brücke

Mit dem Bau einer modernen Kammerschleuse in der Nähe des Schlosses war nun wieder ein durchgehender Schiffsverkehr – nun aber auf dem Spreekanal möglich. Damit verlagerte sich der am Mühlendamm konzentrierte Schiffsverkehr auf die entgegengesetzte Seite der Spreeinsel: Noch vor 1600 wurde im Bereich des heutigen Schinkelplatzes ein Hafenbecken ausgehoben sowie ein Zoll- und ein Lagerhaus gebaut. Trotz aller Um- und Ausbauten blieb der Stadtkanal ein Nadelöhr für die Schifffahrt. Erst ab 1848 war es möglich, die Stadtmitte über andere Kanäle zu umfahren und es entstanden zahlreiche neue Häfen an den Rändern der Stadt. Aber auch der Mühlendamm wurde für große Schiffe passierbar gemacht. Flussabwärts wurde bis 1894 eine 110 Meter lange Einkammerschleuse errichtet, die 1942 durch die heute noch existierende, spreeaufwärts gelegene Doppelschleuse ersetzt wurde.

Die Anlegestelle an der Inselbrücke

Mit der geplanten Verlegung des Wehrs vom Mühlendamm in den Bereich der alten Fischerbrücke gehen die letzten Schiffsliegeplätze an der Spreeinsel verloren. Nur am gegenüberliegenden Märkischen Ufer erinnert der Verein Berlin-Brandenburgische Schifffahrtsgesellschaft e.V. an den Ort, an dem bereits in der frühen Neuzeit Waren entladen wurden. Auf einem der historischen Kähne des Vereins gibt es eine Ausstellung zur historischen Binnenschifffahrt sowie Vorträge und Veranstaltungen. Zur Erinnerung an die Bedeutung des Historischen Hafens organisiert der Verein ein jährliches An- und Abdampfen der historischen Kähne, das am Anleger unterhalb der Inselbrücke beginnt und endet.

Text: Christina Kautz

Literatur:
  • Escher, Felix, Prof. Dr., Berlin-Cölln als Hafen- und Handelsstadt im Mittelalter und in der frühen Neuzeit.
    In: Geschichtswerkstatt Spree-Insel, Helmut Engel (Hg.). Potsdam, 1998
  • Maennig, Barbara, Dr. und Maennig, Wolfgang, Dr., Der Historische Hafen Berlin in Malerei und Grafik.
    Berlin, 2021
  • Staroste, Hubert, Dr., Berliner Hafen- und Kanalanlagen. Berliner Denkmaltag, 2004
    https://www.berlin.de/landesdenkmalamt/veranstaltungen/berliner-denkmaltag/2004-619600.php (18.12.2023)