Wir haben in letzter Zeit viele Anfragen von Bürger*innen erhalten, die sich für das Ergebnis des Interessenbekundungsverfahrens (IBV) zum Betrieb der Galerie Nord interessieren. Das Verfahren wurde im Juni veröffentlicht und nun steht das Ergebnis fest: Der Zuschlag geht an den Verein parallelgesellschaft e.V.
Ziel des IBVs war es, einen Teil der Ausstellungsflächen der Galerie Nord zur entgeltfreien Nutzung und für den Ausstellungsbetrieb anzubieten. Als Fachbereich für Kunst, Kultur und Geschichte legen wir großen Wert darauf, alle Verfahren transparent, offen und fair zu gestalten. Das ist für uns eine Selbstverständlichkeit. Mit dieser Erklärung möchten wir auf die Fragen eingehen, die uns erreicht haben, und betonen, dass wir auch weiterhin im engen Austausch mit allen Akteur*innen der Kunst- und Kulturszene in Mitte und darüber hinaus bleiben wollen.
Kunst- und Ausstellungsorte wie die kommunale Galerie Nord prägen seit vielen Jahrzehnten das kulturelle Leben in Moabit. Sie sind Orte der Begegnung, der Auseinandersetzung und des Austauschs – getragen von der Überzeugung, dass Kunstorte in öffentlicher Trägerschaft für alle zugänglich sein müssen. Der Fachbereich Kunst, Kultur und Geschichte im Bezirksamt Mitte ist sich der Bedeutung dieser Arbeit bewusst und setzt sich dafür ein, dass sie in der kommunalen Galerie Nord auf einer rechtlich einwandfreien, transparenten und zukunftsfähigen Grundlage weitergeführt wird.
Die Vergabe öffentlicher Fördermittel im Kulturbereich hat gemäß der Landeshaushaltsordnung (LHO) regelmäßig, transparent und diskriminierungsfrei zu erfolgen – frei von politischer Einflussnahme und im Sinne der gebotenen Staatsferne. Diese Fördergrundsätze gelten auch auf bezirklicher Ebene. Der Gleichbehandlungsanspruch aller Bürger*innen verpflichtet die Verwaltung, Chancengleichheit zu gewährleisten.
Die Kooperation mit dem Kunstverein Tiergarten e.V. bestand über 21 Jahre auf Basis jährlich erneuerter Projektförderungen. Eine dauerhafte institutionelle Förderung liegt außerhalb des Kompetenzbereichs des Bezirks Mitte. Zugleich ist es Aufgabe öffentlicher Kulturförderung, Räume regelmäßig für neue Ideen und künstlerische Stimmen zu öffnen. Die aktuelle öffentliche Ausschreibung für den künftigen Betrieb der Galerie Nord folgt genau diesem Prinzip. Die hohe Zahl der eingegangenen Bewerbungen bestätigt den Bedarf an offenen, transparenten Förderstrukturen.
Der Kunstverein Tiergarten hat die Galerie Nord über viele Jahre erfolgreich geprägt und wertvolle Netzwerke geschaffen. Dieses Engagement verdient Dank und große Anerkennung. Zugleich gibt es keinen Anspruch auf eine dauerhafte kostenfreie Nutzung der kommunalen Räume oder eine fortgesetzte Förderung ohne Ausschreibungsverfahren. Die Entscheidung über den künftigen Betrieb beruht auf dem Votum einer unabhängigen Fachjury, die auf Vorschlag Berliner Kunstinstitutionen, Verbände und lokaler Akteure berufen wurde. Die Jury hat mit großer Sorgfalt und Fachkompetenz entschieden und eine eindeutige Empfehlung ausgesprochen.
Mit ihrem überzeugenden Konzept konnte sich das Künstler*innenkollektiv parallelgesellschaft e.V. im Verfahren durchsetzen. parallelgesellschaft e.V. versteht sich als intersektionales, postdeutsches Künstler*innenkollektiv und kooperierte zuletzt mit dem Theater Hebbel am Ufer, dem Center for Literature und der 13. Berlin Biennale. Für parallelgesellschaft ist Sprache der Ausgangspunkt ihrer künstlerischen Praxis, die Räume als politisch und sozial begreift. Auch Ausstellungsräume entstehen im Dialog und wachsen mit den Communitys, die sie nutzen. Das Ergebnis sind Orte, die viele Stimmen tragen – auch widersprüchliche.
Wir gratulieren herzlich und freuen uns auf die zukünftige Zusammenarbeit. Zugleich danken wir dem Kunstverein Tiergarten e.V. für mehr als zwei Jahrzehnte engagierter Arbeit und wünschen ihm weiterhin viel Erfolg.
Die Galerie Nord gehört zum Verbund Kommunaler Galerien des Bezirks Mitte. Hierzu gehören fünf über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Kunstorte mit eigenen Profilen und einem vielfältigen Programm zeitgenössischer Kunst: der Bärenzwinger, die Galerie Nord, die Galerie Wedding – Raum für zeitgenössische Kunst, der Kunst Raum Mitte und die Klosterruine Berlin. Die bezirklichen Ausstellungsräume sind Mitglieder im Verbund der Kommunalen Galerien Berlins und verstehen sich als offene Plattformen für zeitgenössische Kunst, Austausch und Diskurs.
Der Fachbereich sucht fortlaufend und erprobt neue Modelle, wie die bezirklichen Kunstorte bespielt, unterhalten und weiterentwickelt werden können, um ein möglichst breites, diverses und lokales Publikum zu erreichen. Das Sachgebiet Zeitgenössische Kunst befindet sich derzeit in einem Prozess der Neugestaltung – ein Aufbruch, der auch an anderen Orten sichtbar wird.
Für die Galerie Nord beginnt nun ein neues Kapitel – getragen von einem zukunftsweisenden Konzept, das fest im Moabiter Kiez verankert bleibt. Im Zuge der räumlichen Neuordnung entsteht außerdem der neue kommunale Ausstellungsort „Galerie Nord | Studio“ (AT), dessen Open Call derzeit ausgeschrieben ist (Frist: 8. Dezember 2025).
Kunst- und Kulturförderung sind ein öffentliches Gut. Ihre gerechte und nachvollziehbare Vergabe ist Voraussetzung für gesellschaftliche Vielfalt, kulturelle Teilhabe und die Entwicklung neuer künstlerischer Positionen. Der Fachbereich Kunst, Kultur und Geschichte steht weiterhin im Dialog mit allen Akteur*innen der Berliner Kulturszene und verpflichtet sich zu Transparenz, Offenheit und Fairness in allen Verfahren.
Wir danken dem Kunstverein Tiergarten e.V., allen Kuratorinnen, künstlerischen Leiterinnen, Künstlern und Künstlerinnen, dem technischen Aufbauteam und den Exhibition Guides herzlich für die geleistete Arbeit, ihr Engagement und ihre Leidenschaft, mit der sie über viele Jahre das kulturelle Leben in Moabit bereichert haben.
Der Fachbereich Kunst, Kultur und Geschichte im Bezirksamt Mitte