Pedal statt Blaulicht: Fahrradstaffel der Polizei startet

Pedal statt Blaulicht: Fahrradstaffel der Polizei startet

Mit einer speziellen Fahrradstaffel will die Berliner Polizei für mehr Sicherheit im Straßenverkehr sorgen. Sowohl Radfahrer als auch Autofahrer sollen zu rücksichtsvollerem Verhalten angehalten werden, sagte Polizeipräsident Klaus Kandt am Mittwoch. Zu der Staffel gehören 20 Polizisten mit 20 weißen Trekkingrädern und zwei sogenannten Pedelecs mit zusätzlichem Elektroantrieb.

Fahrradstaffel der Polizei

© dpa

Die Berliner Polizei ist jetzt auch per Fahrrad unterwegs. Foto: R. Weihrauch

Die Polizeistreifen auf Rädern sind seit Mittwoch zwischen dem Alexanderplatz und dem Regierungsviertel im Einsatz. Die Polizisten tragen bei der Arbeit einen Fahrradhelm, Funktionskleidung mit der Aufschrift «Polizei» und haben ihre Ausrüstung wie Funkgerät, Pistole und Handfesseln dabei. Die 15 Männer und 5 Frauen seien weniger nach ihrer Sportlichkeit als nach ihren kommunikativen Fähigkeiten ausgewählt worden, sagte Kandt.
Radfahrstreifen der verschiedenen Polizeiwachen in Berlin gab es bisher schon, sie wurden aber nicht ständig eingesetzt. In Köln, Hamburg und Münster machte die Polizei bereits gute Erfahrungen mit derartigen Einsätzen. In Berlin will die Polizei nach einer dreijährigen Pilotphase sehen, ob das Projekt weitergeführt und auf andere Stadtteile ausgeweitet werden kann.
Die Räder in Berlin kosteten insgesamt 33 000 Euro, die Bekleidung 39 000 Euro. Der Senat und der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft schossen je 35 000 Euro für die Ausrüstung zu.
Die Rad-Streifen sollen in verschiedenen Schichten das ganze Jahr von morgens bis abends unterwegs sein. Bei Temperaturen unter minus fünf Grad im Winter gibt es allerdings keine Einsätze. Spezielle Signale haben die Polizisten nicht. «Wir haben darauf verzichtet, Blaulicht auf die Helme zu montieren», sagte Kandt. Die üblichen Rufe «Halt, Polizei» müssten ausreichen.
Verkehrsstaatssekretär Christian Gaebler (SPD) sagte, die Polizei müsse auch auf die Verdoppelung des Radfahrverkehrs in den letzten zehn Jahren reagieren. «Jetzt wird die Polizei den Radfahrern eher auf Augenhöhe begegnen.»
Innenstaatssekretär Bernd Krömer (CDU) sprach von «Prävention und Repression» angesichts von 3,9 Millionen Ordnungswidrigkeiten. «Wir wollen auch das Sicherheitsgefühl der Fußgänger gegenüber rüpelhaften Radfahrern verstärken.»
Der Vertreter der Versicherungswirtschaft, Siegfried Brockmann, stellte fest, 54 Prozent der Unfälle würden von Radfahrern mitverursacht. Mit einer wissenschaftlichen Untersuchung wolle man den Einsatz der Fahrradstaffel genauer analysieren. Verglichen würden die Bezirke Mitte und Neukölln vor und nach Einführung der Radstaffel. Im Mittelpunkt stehen dabei die Entwicklungen der Unfallzahlen, die Einstellungen von Radfahrern, Autofahrern und Fußgängern und deren Verhalten.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 16. Juli 2014 14:41 Uhr

Weitere Meldungen