Sprachförderung im Tandem Bibliothek und Kita

Das Projekt

EInladungskarte mit Fuchs und Papagei
Bild: TaBiKi

Sprachförderung im Tandem Bibliothek und Kita
„… und raus bist du!“ heißt ein Projekt zur frühkindlichen Sprachförderung, das die Stadtbibliothek Spandau in den Jahren 2016 bis 2018 durchführt. Beteiligt sind die Hauptjugendbibliothek, die Stadtteilbibliotheken Falkenhagener Feld und Heerstraße sowie 10 kooperierende Kitas. Dieses Projekt im Rahmen des Förderprogramms „Bibliotheken im Stadtteil (BIST)“ wird mit Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.

Tatsächlich ergibt sich in Spandau auf Grund der sozio-demographischen Entwicklung der letzten Jahre ein besonderer Handlungsbedarf. Viele Kinder brauchen die Chance, dem Teufelskreis aus Armut und geringen Bildungschancen zu durchbrechen. Der erste Schritt hierzu muss die Unterstützung beim Spracherwerb sein.

Die einzelnen Einrichtungen der Stadtbibliothek Spandau arbeiten bereits eng mit Kitas und Tagesmüttern/-vätern zusammen. Die Kindergruppen besuchen regelmäßig unsere Einrichtungen, bekommen eine Geschichten vorgelesen und leihen Bücher aus. Durch den forcierten Krippenausbau ist in den Kitas die Anzahl der Kinder unter 3 Jahren gestiegen. Dies und die große Altersmischung in den Gruppen führen dazu, dass wir unsere bisherigen Konzepte ergänzen und ausbauen müssen, um den Ansprüchen der immer jüngeren Kinder gerecht zu werden.

Gleichzeitig machen wir in der Arbeit mit den Schulkindern immer wieder die Erfahrung, dass grundlegende sprachliche Fertigkeiten in den Bereichen Wortschatz und Grammatik fehlen und ihnen so der Zugang zu einer qualifizierten Schullaufbahn erschwert wird.
Es liegt nahe, hier anzusetzen, bestehende Partnerschaften zu nutzen und auszubauen und qualifizierte Angebote zur Sprachförderung zu entwickeln und kontinuierlich durchzuführen. Die Bibliothek mit ihrer Medienkompetenz und ihrem großen Medienangebot soll in diesem Projekt nicht nur ein Kooperationspartner unter vielen sein, sondern ein zentraler Träger und Vernetzer von Kompetenzen. Damit kommt sie ihrer wichtigen bildungspolitischen Aufgabe im Bezirk nach.
Durch die gezielte und regelmäßige sprachliche Förderung der Kinder mit einem speziell zu diesem Zwecke entwickelten Programm soll die altersentsprechende Sprachkompetenz der Kinder nachweislich verbessert werden.

Folgende Maßnahmen wurden umgesetzt:

  • Nach Abschluss der Ausschreibung für die Entwicklung und Durchführung des Förderprogramms zur frühkindlichen Sprachförderung im Tandem Bibliothek und Kita iwurde das Berliner Sven Walter Institut (SWI) mit der Erarbeitung eines Konzepts und der Durchführung beauftragt. Erarbeitet wurden zwei verschiedene, aufeinander aufbauende Module für die Altersklasse 1-3 Jahre und 4 – 6 Jahre. Die Module sind interaktiv und medienbasiert. Pro ausgewählte Kita-Gruppe wurden 14-tägig einstündige Veranstaltungen durchgeführt, die aufeinander aufbauten. Seit Oktober 2017 fanden die Veranstaltungen in den Kitas wöchentlich statt.
  • Die Programmdurchführung begann in allen 10 beteiligten Kitas zwischen dem 13.09. und 28.09.2016 . In 2016 sind, wie im Konzept geplant, alle sechs Module in der Programmdurchführung 1 abgeschlossen, der Meilenstein 1 durchgeführt und mit der Programmdurchführung 2 wurde begonnen. Die Zusammenarbeit mit den Erzieherinnen und Kitaleitungen verlief harmonisch und war von Kooperation, Offenheit und der gemeinsamen Zielsetzung gekennzeichnet. Auf Wunsch der teilnehmenden Kitas wurde das Programm ab Mitte Oktober 2017 erweitert: durch die Hilfe der jeweiligen Träger konnte das Projekt aufgestockt werden, in allen Kitas werden die Gruppen im Wochenrhythmus betreut.
  • Nach den Sommerferien 2017 fand der erste Wechsel in den Gruppen statt, einige Kinder verließen die Gruppen und wechselten in die Schule, andere haben die Altersgruppe gewechselt, neue Kinder kamen hinzu.
  • Seit Anfang November 2016 waren alle Materialien in den 10 Kitas vorhanden, so dass die Kinder seit diesem Zeitpunkt in ihren Stempelheften ihre Teilnahme am Ende einer jeden Durchführung selbst dokumentieren konnten. Auch die Handpuppen, die von den Kindern sehr geschätzt wurden, kamen seit diesem Zeitpunkt zum Einsatz, ebenso wie die Bücher aus der Sprachprofi-Kiste.
    Die Bücher und Materialien aus der Kiste wurden in den Kitas gut angenommen und von den Erzieherinnen auch außerhalb der Sprachprofi-Durchführungen selbstständig genutzt. Nach den Sommerferien 2017 gab es einen erneuten “Segen”: Jede Kita erhielt drei Taschen voll mit Büchern und weiterem Material für die Arbeit mit den Kindern.
  • 2017 gab es Lesefeste in den Kitas für Eltern und Kinder, außerdem bekamen die Kitas Besuch von der Deutschen Oper Berlin mit ihrem mobilen Musiktheater „Kuckuck im Koffer“.
  • Die erste Fortbildung für die Kita- und Bibliotheksmitarbeiterinnen und -mitarbeiter fand im September 2016 statt. Thema: Funktion der Sprache im Kindergarten- und frühen Schulalter. Referent: Prof. Düsseldorff von der Universität Duisburg / Essen. Eine zweite Fortbildung zum Thema “Mehrsprachige Kinderbücher – interkulturelle Erziehung. Vom praktischen Umgang mit mehrsprachigen Kinderbüchern” fand im Oktober statt, Referent war Stephan Trudewind vom Verlag Edition Orient.
    2017 wurden zwei weitere Fortbildungen angeboten. Im April gab es einen Workshop zu Zielen, Ansatzpunkten, Organisation und Strategien der Evaluation, Referent erneut Prof. Düsseldorff, eine zweite Fortbildung im Mai hatte das Thema “Text frei! – Textfreie Bilderbücher in der Sprach- und Leseförderung” und wurde geleitet von Sarah Wildeisen.
  • Eltern bzw- die Erzieherinnen/Erzieher wurden in die Arbeit mit einbezogen.
    Im September 2016 fanden die Elternabende statt, auf denen das Projekt und die Mitarbeiterinnen vorgestellt, die Programmdurchführung beschrieben und offene Fragen der Eltern beantowrtet worden sind. Von besonders interessierten Eltern wurden in jeder Kita Kontaktdaten aufgenommen, des Weiteren fand eine Bedarfserhebung statt, welche Fortbildungsthemen die Eltern als besonders relevant ansehen.
  • Nach den Sommerferien 2017 sind die Elternfortbildungen in den Kitas gestartet. In der Veranstaltung sprachen die Mitarbeiterinnen des SWI mit den Eltern und boten Informationen zu den Themen „Gelegenheiten und Anlässe zur Sprachförderung zu Hause / Thema Mehrsprachigkeit – Was, wenn Deutsch nicht die Familiensprache ist? / Vorlesen – warum und wie / Textlose und mehrsprachige Bilderbücher.“
  • Das Highlight des Jahres war das große Hoffest am 5. Mai 2018: Die Füchsin Annelie und der Papagei Fridolin entführten und begleiteten Eltern und Kinder in die spannende Welt der Sprache und der Bücher. Viele Überraschungen warteten auf Kinder und Eltern: Mitmach-Stationen, an denen sich alle ausprobieren konnten, Musik hören, mitsingen und noch mehr! Wir haben an diesem Tag ca. 300 Gäste in unserem Hof begrüßt.
    Als Stargast konnten wir Suli Puschban gewinnen. Mit eigens für das Fest einstudierten Liedern, die sie zusammen mit den Kita-Kindern aufführte, und ihren Hits „Ein Hase im Cabrio“ oder „Meine Mamas sind genial“ verzauberte sie Kinder und Eltern gleichermaßen.
    Gleichzeitig wurde im Foyer der Stadtbibliothek die zugehörige Foto-Ausstellung zum Projekt eröffnet.
  • 2018 gab es zwei Fortbildungen. Im März ging es unter der Überschrift “Alles nur Pappe” um Konzepte für den Einsatz von Pappbilderbüchern für Kinder ab 2 Jahren, im Juni war die “Spieltruhe” zu Gast und präsentierte konventionelle Spiele mit dem Schwerpunkt Sprachförderung.
  • Auf dem 107. Deutschen Bibliothekartag in Berlin wurde unser Projekt im Rahmen des Themenkreises “Sprach- und Leseförderung” am 12.06.2018 in einem Vortrag von Frau Dr. Vöge präsentiert.
  • Im September haben wir das Projekt erfolgreich auf der Internationalen Zukunftskonferenz für Öffentliche Bibliotheken “Next Library Conference Berlin” präsentiert. Im Showroom auf dem dortigen “Bibliothekscampus” konnte an verschiedenen Stationen das Projekt nachvollzogen werden.
  • Im November gab es die letzte Fortbildung, die Anregung und Hilfestellung gab, Lesefeste erfolgreich in Kita oder Bibliothek zu organisieren.
  • Die Evaluation ergab, dass das Projekt erfolgreich war. Zitat aus dem Evaluationsbericht von Prof. Dr. Karl Düsseldorff (Universität Duisburg-Essen):
„Aus den dargelegten Bewertungen und Beobachtungen kann nur eines geschlossen werden: Die inhaltliche Passung, die professionelle Begleitung und Durchführung sowie die (vermuteten) Sprachentwicklungseffekte legen eine Fortführung sowie –wenn möglich- Erweiterung des Projektes im Sinne einer Verstetigung als Regelleistung mehr als nahe. Dafür steht u.a. die sehr hohe Qualität des unmittelbaren konzeptionellen sowie methodischen und didaktischen Ansatzes, der eine altersgerechte Sprachentwicklungsförderung für diejenigen, die hier Förderbedarf erkennbar werden lassen, geradezu obligatorisch erscheinen lässt. Für eine solche Verstetigung muss aber auch gewährleistet sein, dass sowohl die Mittel für das Personal als auch die Mittel für die begleitenden Fortbildungen im ausreichenden maße zur Verfügung stehen, damit eine reduzierte Durchführung nicht Platz greift. In diesem Sinne – dies wurde in den Gesprächen sowie in den schriftlichen Befragungen, aber auch durch die Beobachtungen des Evaluators deutlich, kann eine Fortführung respektive Verstetigung nur den erhofften Entwicklungseffekt erzielen, wenn die Rahmenbedingungen die bislang praktizierten Gruppengrößen nicht verändern lassen.“ Prof. Karl Düsseldorff

Ausblick:

Die am Projekt-Beteiligten äußerten einhellig den Wunsch nach Verlängerung des Projektes, ein entsprechender Antrag wurde von der Bibliothek vorbereitet und ist bereits genehmigt. Ab 2019 wird es eine 3-jährige Verlängerung unter dem Titel “Sprachprofis” geben.

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