56.000 Beratungen für Prostituierte in vier Jahren

56.000 Beratungen für Prostituierte in vier Jahren

Mehr als 56.000 Mal sind drei vom Senat geförderte Beratungsstellen für Prostituierte zwischen 2017 und 2020 aufgesucht worden.

Frauentreff Olga

© dpa

Eine Frau betritt am den Frauentreff Olga in der Kurfürstenstraße in Berlin.

Jährlich waren das zwischen knapp 12.000 und rund 16.000 Beratungen, wie aus einer Antwort des Senats auf eine Anfrage hervorgeht. Die Zahlen zu 2021 lagen noch nicht vor.

Über 5 Millionen Euro für Förderung der Fachberatungsstellen

Die Förderung für die sogenannten Fachberatungsstellen für Sexarbeitende betrugen 2,3 Millionen Euro für den Verein «Hydra», 2 Millionen Euro für den «Frauentreff Olga des Notdienstes Berlin» sowie rund 840.000 Euro für die «Hilfe für Jungs». In Berlin gibt es noch weitere Anlauf- und Beratungsstellen für Prostituierte, etwa die Zentren für sexuelle Gesundheit und Familienplanung.

Beratungen werden gut angenommen: Bedarf an mehrsprachigen Angeboten

Der Senat stellte fest, die Zahlen zeigten, «dass der Beratungsbedarf in hohem Maße in Anspruch genommen wird und die Beratung infolgedessen eine gewisse Akzeptanz erfährt». Es gebe aber durchaus weiteren Bedarf am Ausbau von niedrigschwelligen, mehrsprachigen und fachkompetenten Beratungsangeboten. Ob die Mehrheit der Prostituierten zu Beratungen gehe, lasse sich aber nicht klären, weil die Gesamtzahl nicht bekannt sei. Beratungsstellen schätzen sie auf 6000 bis 8000, ein großer Teil der Frauen komme aus Rumänien, Bulgarien und Ungarn.

Prostitution gilt seit 2002 als Beruf

In Deutschland gilt Prostitution seit 2002 als Beruf, seit 2017 existiert ein Prostitutionsschutzgesetz. Danach sind Ausweise für Prostituierte Pflicht - samt Gesundheitsberatung und Rechtsbelehrung. Nur wer einen solchen Ausweis besitzt, darf in einem genehmigten Bordell arbeiten. In Berlin wurden bis Mitte vergangenen Jahres knapp 1000 dieser Anmeldebescheinigung ausgegeben.
In der Hauptstadt fordert ein «Aktionskreis Berlin Pro Nordisches Modell» bessere Ausstiegsmöglichkeiten für Prostituierte und eine Bestrafung von Freiern. Das sogenannte Nordische Modell folgt der schwedischen Gesetzgebung von 1999. Weitere Länder haben es übernommen. Die Beratungsstelle Hydra sieht das anders und will Sexarbeit entstigmatisieren und die Rechte der Frauen stärken.

Quelle: dpa

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