Gesundheitsversorgung und Pflege im hohen Alter

Logo 80plus - Gesundheitliche und pflegerische Versorgung hochaltriger Menschen

Wohin man auch schaut: Berlin und seine Bevölkerung verändern sich rasant. Dabei wird die Stadt nicht nur immer vielfältiger, sondern auch immer älter. So wird sich die Zahl der 80-Jährigen und Älteren bis zum Jahr 2030 spürbar erhöhen: von derzeit 170.000 auf 263.000. Statt gegenwärtig 4,7 % werden in 14 Jahren 6,9 % der Berliner Bevölkerung hochaltrig sein.

Alter geht nicht automatisch mit Krankheit und Pflegebedürftigkeit einher. Doch die Wahrscheinlichkeit, krank zu werden und auf Pflege angewiesen zu sein, nimmt im hohen Alter deutlich zu. Der steigende Anteil älterer und alter Menschen an der Bevölkerung wird erhebliche Auswirkungen haben: auf den Pflegebedarf und den Bedarf an Pflegefachkräften, auf die Gesundheitsberufe und das Gesundheitswesen als Ganzes.

Grundsätzlich ist in Berlin die Qualität der Versorgung sehr gut. Schwachstellen und Versorgungslücken gibt es vor allem an den Übergängen und Schnittstellen zwischen den einzelnen Versorgungsbereichen. Das ist insbesondere für Patientinnen und Patienten im hohen Alter ein Problem, die meist auf Leistungen aus mehr als einem Versorgungsbereich angewiesen sind. Beispiel: Überleitung vom Krankenhaus (Krankenkasse) zurück ins eigene Zuhause mit ambulanter Pflege und ambulanten Arztbesuchen (Pflegekasse und Krankenkasse). Die Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung hat sich daher das Ziel gesetzt, die bestehenden Strukturen so weiter zu entwickeln, dass sie den Anforderungen einer älter werdenden Gesellschaft noch besser gerecht werden und alte Menschen dabei unterstützen, möglichst lange aktiv und eigenständig zu leben. Hierfür wurde das Projekt 80plus auf den Weg gebracht.

In einem ersten Schritt wurde im Frühjahr 2015 das Diskussionspapier „80plus – Gesundheitliche und pflegerische Versorgung hochaltriger Menschen“ vorgelegt. Darin werden sieben wichtige Handlungsfelder identifiziert: (1) Prävention und Gesundheitsförderung, (2) ambulante geriatrische Versorgung, (3) stationäre Versorgung sowie (4) deren Vernetzung, (5) Versorgung am Lebensende, (6) Aus-, Fort- und Weiterbildung in der Altersmedizin sowie (7) Selbstbestimmung und Teilhabe.

Auf Grundlage des Diskussionspapiers wurde ein berlinweiter intensiver Dialogprozess gestartet. Es gab drei Fachdialoge, ein Gesundheitsforum (siehe Rückblick), eine „Konferenz der Älteren“ sowie zahlreiche weitere Formen des Austauschs. Beteiligt haben sich über 250 Vertreterinnen und Vertreter der ambulanten sowie (teil-)stationären medizinischen und pflegerischen Leistungsbereiche, der Krankenkassen, der Beratungsstellen, von Forschungseinrichtungen, Interessenverbänden, Netzwerken und Verbünden sowie Akteure der Bezirks- und der Landesebene. Sie haben gemeinsam Ziele und Maßnahmen erarbeitet, die in einer Rahmenstrategie zusammengeführt wurden.

Zentrale Ergebnisse des Dialogprozesses 80plus wurden auf der Abschlussveranstaltung im Juli 2016 vorgestellt (siehe auch Dokumentation im Downloadbereich):

  • Für den Bereich der stationären Versorgung wird in allen Notaufnahmen ein Risikoscreening eingeführt. Das hilft, ältere Patientinnen und Patienten mit demenziell bedingten kognitiven Defiziten leichter zu erkennen und damit entscheidende Weichen für den weiteren Versorgungsablauf zu stellen.
  • Für den Bereich Gesundheitsförderung ist ein kooperatives Modellprojekt geplant, das konkrete Angebote der Bewegungsförderung und Sturzprävention für hochaltrige Menschen ermöglicht.
  • Für die Stärkung der ambulanten geriatrischen Versorgung wird die Verbesserung der geriatrischen Kompetenz von Hausärztinnen und Hausärzten vorbereitet. Dies geschieht durch die Etablierung einer einheitlichen Weiterbildung, die Schaffung rechtlicher Rahmenbedingungen für die Niederlassung geriatrischer Schwerpunktpraxen sowie den Ausbau von Rehabilitationsangeboten. Darüber hinaus ist eine landesweite Qualifizierung der Beschäftigten in Pflege und Therapie durch eine staatlich anerkannte geriatrische Fachweiterbildung geplant.
  • Beim Wechsel von einem Versorgungsbereich in den anderen – z. B. bei der Entlassung aus dem Krankenhaus in die eigene Wohnung – sollen hochaltrige Menschen mit komplexen medizinischen, pflegerischen und sozialen Versorgungsbedarfen optimal begleitet werden. Dazu schlagen die Expertinnen und Experten vor, das Entlassungsmanagement und die Überleitungsprozesse zu standardisieren.
  • Zur Stärkung von Selbstbestimmung und Teilhabe hochaltriger Menschen am gesellschaftlichen Leben werden die Angebote der Mobilitätshilfedienste flexibler gestaltet, Ressourcen der Nachbarschaft aktiviert und die aufsuchende soziale Arbeit für Hochbetagte gestärkt.
  • Um die Zusammenarbeit an den Schnittstellen zwischen Geriatrie, Altenhilfe und Psychiatrie zu verbessern, sollen die Gerontopsychiatrisch-Geriatrischen Verbünde (GGV) in den Bezirken gestärkt werden.

Alle diese Maßnahmen haben das Ziel, Menschen auch in hohem Alter nach ihren speziellen Bedürfnissen gesundheitlich und pflegerisch zu versorgen und gleichzeitig ihre Teilhabe am gemeinschaftlichen Leben so lange es geht zu ermöglichen.

Seit Oktober 2016 analysiert die Prognos AG im Auftrag der Senatsverwaltung die Ist-Situation der Gerontopsychiatrisch-Geriatrischen Verbünde und identifiziert gemeinsam mit ihnen mögliche Ziele und Standards für eine verbindliche, berufsgruppenübergreifende Verbundarbeit. Interviews mit den Verbundkoordinierenden, Gesprächsrunden und Befragungen mit Verbundmitgliedern und Mitarbeitenden der Bezirksämter sowie eine gemeinsame Agenda-Konferenz zeigen bisher: Die Verbundarbeit ist in sehr unterschiedlichen Strukturen gewachsen. Ausgestattet mit knappen Ressourcen, leben die Verbünde vom freiwilligen Engagement der Verbundmitglieder. Das muss bei der Weiterentwicklung der Verbundarbeit berücksichtigt werden. In enger Kooperation mit den Bezirksämtern haben die Verbünde als Seismographen der bezirklichen Versorgungssituation und -planung die Chance, sich aktiv einzubringen und ihr Potenzial weiter zu entwickeln. Die detaillierten Projektergebnisse und Empfehlungen werden auf einer Abschlussveranstaltung am 12. September 2017 präsentiert.
Anmeldungen sind ab sofort unter Abschlusskonferenz-GGV möglich!

Faktenblatt 80plus

PDF-Dokument (66.4 kB) - Stand: Juli 2016

Rahmenstrategie 80plus

PDF-Dokument (2.9 MB) - Stand: August 2016

Dokumentation der Abschlussveranstaltung 80plus

PDF-Dokument (253.1 kB)

Dokumentation 3. Fachdialog

PDF-Dokument (505.1 kB)

Dokumentation 2. Fachdialog

PDF-Dokument (331.3 kB)

Dokumentation 1. Fachdialog

PDF-Dokument (622.9 kB)

Die Steckbriefe der Handlungsfelder-Sprecherinnen und -sprecher werden noch ergänzt.