Kunsträume in Berlin: Galerien jenseits des Kommerz

Kunsträume in Berlin: Galerien jenseits des Kommerz

Ladengeschäfte in denen junge Künstler arbeiten, ausstellen und ab und zu auch feiern: In den Kunsträumen Berlins kann sich jeder ausprobieren.

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    Die Bildhauerin Eriko Yamazaki zeigt ihr Kunstwerk «Nest». Foto: Britta Pedersen
  • Berliner Projekt- und Kunsträume© dpa
    Die Bildhauerin Eriko Yamazaki zeigt in einem Kunstraum in Berlin ihr Kunstwerk "Nest".
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    Die Bildhauerin Eriko Yamazaki zeigt in einem Kunstraum in Berlin ihr Kunstwerk "Nest".
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    Der Künstler Nuno Vicente zeigt im Kunstraum «João Cocteau» in Berlin sein Kunstwerk «My dear prototype - object to spread pollen onto living birds».
Ein Kunstraum- was soll das sein? Ist das nicht einfach eine Galerie? Und warum schiessen diese Kunsträume in Berlin wie Pilze aus dem Boden? Ein Kunstraum versteht sich durchaus als Galerie. Aber: Der Unterschied zur Galerie sei wahrscheinlich die "Gewinnerzielungsabsicht" sagt Thea Dymke vom Bundesverband Deutscher Galerien und Kunsthändler. Galerien wollten Geld verdienen. Kunsträume seien eher Non-Profit-Einrichtungen, meint auch die Geschäftsführerin vom Landesverband Berliner Galerien, Anemone Vostell. "Die sind eher interessiert am Diskurs."
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Über 100 Kunsträume in Berlin

Nach Schätzungen des Bundesverbands gibt es Projekträume zwar vereinzelt auch in anderen Städten, aber in Berlin gibt es besonders viele, es sollen mehr als 100 sein. «Es gibt weltweit keine Stadt, die so viele Kunsträume besitzt», meint Tiny Domingos (46) vom Netzwerk freier Berliner Projekträume und -initiativen. Oft würden Immobilien gemietet, die auf dem Markt schwer zu vermitteln seien. Alte Ladengeschäfte in Neukölln oder im Wedding zum Beispiel.

Kunstraum "João Cocteau" in Neukölln
Berliner Projekt- und Kunsträume
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Marisa Benjamim und Nuno Vicente

So haben es auch der Portugiese Nuno Vicente (32) und seine Freundin gemacht und vor zwei Jahren in Neukölln den Kunstraum "João Cocteau" (Kienitzer Straße 98) eröffnet. Nur das schicke Logo an der Tür verrät, dass hier nicht renoviert wird. Alle paar Wochen verwandelt sich der leere Raum für wenige Tage zur Ausstellung. Dann stehen nachts Leute auf der Straße, drinnen gibt es Drinks und verrückte Objekte. Im Kunstraum stellen immer mal andere Künstler aus. «Wir sind ja nicht abhängig vom Markt. Wir können genau die Formate ausprobieren, die wir machen wollen», sagt der junge Mann. Während des Gesprächs hallt es im Raum. Früher sei dort ein Kindergarten gewesen. Heute haben sie in den Hinterzimmern ihre Ateliers. Sie bauen Installationen aus Holz oder auch kleinteilige Objekte mit Löffeln und Kordel. «Den Kunstraum können wir für Events nehmen, zum Teilen mit anderen», sagt Marisa Benjamim.

Kunstraum für ein Wochenende
Berliner Projekt- und Kunsträume
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Die Bildhauerin Eriko Yamazaki

Zwei Straßen weiter steht auch Eriko Yamazaki (32) in einem Raum mit weißen Wänden. Das Mauerwerk liegt an manchen Stellen offen, Farbe ist vor einiger Zeit auf den Boden getrieft. Mitten im Zimmer steht eine Metallskulptur- bei der Ticketmaschine kann man kleine Zettel mit Koordinaten von Orten überall auf der Welt ziehen. Auf Holzbalken liegen feine Schalen, Leinwände hängen an der Wand. Wo die Bildhauerin Yamazaki sonst mit anderen ein Atelier teilt, ist für ein einziges Wochenende ein öffentlicher Projektraum entstanden. Im Nebenraum verteilen Leute Bier, ständig kommen Menschen herein. Fast 20 Künstler stellen dort aus. «Es ist ein bisschen lockerer als eine offizielle Galerie oder ein Museum», sagt Yamazaki.

Mietsteigerungen bedrohen Kunsträume

Können die aktiven Künstler von den Kunsträumen leben? In aller Regel zahlen sie selbst für die Ausstellungsräume, die meisten von ihnen haben deshalb noch Nebenjobs, in Restaurants oder auf Märkten zum Beispiel. Auch mit kleinen Bars in den Kunsträumen versuchen sie, ein wenig Geld zusammenzubringen. Domingos vom Netzwerk sagt: «Es ist sehr viel eigene Ausbeutung.» Zudem steigen überall in Berlin die Mieten. «Wir sind stark bedroht, weil die Immobilienpreise explodieren», warnt der Künstler.

Quelle: berlin.de/dpa

| Aktualisierung: 19. März 2018