Innovative Ideen kommen in die Praxis: Startschuss für drei Berliner Reallabore
Pressemitteilung vom 25.08.2025
Nachhaltiger bauen, Wasser besser nutzen, Medikamente schneller liefern: Das sind die Themen der drei Berliner Reallabore, die mit ihren Innovationen den Alltag der Menschen konkret verbessern wollen. Sie wurden heute von Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey vorgestellt. In den nächsten drei Jahren werden sie von der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe gefördert, damit sie ihre Konzepte unter realen Bedingungen testen können. Die Projekte sind:
- B(e)Ware, die Planungs- und Bauprozesse rund um wiederverwendbare Baustoffe erproben,
- IWIQ (Integrierte Wasser- und Wärmerückgewinnung im Quartier), die in Bestandsgebäuden Abwasser (zum Beispiel nach dem Duschen) zur Wärmeerzeugung und Weiterverwendung (zum Beispiel Gartenbewässerung) rückgewinnen wollen und
- U-Space Berlin, die mit ihren Drohnen eine effiziente Last-Mile-Logistiklösung im Stadtgebiet erproben, beispielsweise für die Lieferung von Medikamenten.
Pressefotos der Veranstaltung finden Sie ab 12:30 Uhr unter diesem Link.
Die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe hat dieses in Deutschland einmalige Programm zur Förderung von wirtschaftsorientierten Reallaboren im Jahr 2023 aufgelegt, damit technologische und nicht-technologische Innovationen unter realen Bedingungen erprobt werden und schneller zur Marktreife gelangen können. Der Auswahlprozess verlief zweistufig: auf den ersten Förderaufruf im Oktober 2023 hin bewarben sich 56 Projekte, von denen zehn ausgewählt wurden. In einer sechsmonatigen Konzeptphase wurden die Ideen geschärft und ausgearbeitet. IWIQ, U-Space und B(e)Ware konnten mit ihren Konzepten für Reallabore am meisten überzeugen und werden nun in den nächste drei Jahren mit insgesamt ca. neun Millionen Euro von der Senatswirtschaftsverwaltung gefördert. Eine Million Euro stand den Projekten in der Konzeptphase zur Verfügung. Ziel ist, dass am Ende der drei Jahre Anwendungen entstehen, die wirtschaftlich tragfähig vermarktet werden können. Die Reallabore sind Zusammenschlüsse vieler Akteure (s.u.) mit jeweils einer Verbundkoordination. Sie werden vom Projektträger VDI/VDE über den gesamten Zeitraum begleitet.
Franziska Giffey, Bürgermeisterin und Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe: „Mit den drei ausgewählten Reallaboren fördern wir Innovationen Made in Berlin – von der Idee bis zur Anwendung. IWIQ, B(e)Ware und U-Space Berlin entwickeln Lösungen, die ganz konkret im Alltag Anwendung finden werden und einen direkten Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit und Lebensqualität leisten. Dabei nehmen Sie nicht nur die praktische Umsetzung in den Blick, sondern auch rechtliche Rahmenbedingungen. Ich bin gespannt, zu welchen Ergebnissen die drei Reallabore kommen. Die Bandbreite an Themen, die wir auch schon in der ersten Bewerbungsrunde gesehen haben, zeigt: Berlin hat ein riesiges Potenzial an kreativen, innovativen Lösungen aus Wissenschaft und Wirtschaft. Das heben wir jetzt ganz konkret mit der in Deutschland einmaligen Förderung.“
In einer Großstadt wie Berlin wird immer gebaut: Im Reallabor B(e)Ware geht es um die nachhaltige Wiederverwendung von Baustoffen im gesamten Bauprozess – von der Planung bis zum Abriss. Im Reallabor sollen lokale, gebrauchte Baustoffe wie Holzbalken und Stahlträger als Tragkonstruktionen in die Wertschöpfungskette im Bausektor zurückgeführt werden. In drei Berliner Bauvorhaben wird das Konzept erstmalig umgesetzt: beim Ausstellungs-Pavillon TULIUM auf dem Campus Charlottenburg der TU Berlin, einer Wasserrettungsstation am Müggelsee sowie einem Werkstattgebäude der Jugendbauhütte der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Das Reallabor arbeitet mit einem zentralen Lager in Spandau sowie mehreren Materialquellen und Bauvorhaben in Charlottenburg-Wilmersdorf; Tempelhof-Schöneberg, Neukölln, Treptow-Köpenick und Lichtenberg zusammen. Es untersucht die Einsparpotenziale von Baumaterialien, die Entwicklung einer Infrastruktur für die Aufbereitung der Materialien, die Beschränkungen (insbesondere im Abfall- und Bauordnungsrecht) sowie die rechtlichen Möglichkeiten des vereinfachten Einsatzes von Gebrauchtmaterialien im Bausektor bei Neubauten.
Projektpartner: Natural Building Lab der Technischen Universität Berlin (Verbundkoordination), ZRS Architekten und Ingenieure GvA mbH, assoziierte Partner:innen u.a. aus den Bereichen Materialprüfung, Logistik, Rückbau, Bauprodukte.
Das Berliner Wasser nachhaltig nutzen: Im Reallabor IWIQ (Integrierte Wasser- und Wärmerückgewinnung im Quartier) steht die effiziente Nutzung von Wasser und der Aufbau einer neuen Wärmeinfrastruktur im Fokus. Das Vorhaben entwickelt konkrete Lösungen zur Aufbereitung und Nutzung von privatem und gewerblichem Grauwasser (leicht verschmutztes Abwasser, zum Beispiel nach der Dusche, dem Händewaschen oder dem Maschinenwaschgang) und einer möglichen Wärmerückfuhr. Dazu plant es einen physischen Lernort in Kreuzberg und arbeitet für die Umsetzung an mehreren Bestandsgebäuden in Karlshorst, Lichtenberg, Pankow und Zehlendorf. Das Reallabor soll klären, welche technologischen und regulatorischen Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um entsprechende Einbauten in Bestands- und Neubauten vornehmen zu können. Dafür werden detaillierte 3D-Modelle von Gebäuden in Berlin angefertigt, um die Leitungs- und Anlagenplanung zu ermöglichen – denn es muss ein komplett neuer Wasserkreislauf installiert werden. Aufbereitet soll das Wasser dann für die WC-Spülung, zur Gartenbewässerung oder beispielsweise in der Waschmaschine verwendet werden.
Projektpartner: Kompetenzzentrum Wasser Berlin gGmbH (Verbundkoordination), Nolde – innovative Wasserkonzepte GmbH, Technische Universität Berlin, Contecht GmbH, Howoge Wohnungsbaugesellschaft mbH, Erste Wohnungsgenossenschaft Pankow eG, Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie GmbH, Magda GmbH, inter 3 GmbH Institut für Ressourcenmanagement
Durch die Luft schneller ans Ziel: Das Reallabor U-Space Berlin untersucht den innerstädtischen Einsatz von Drohnen für den Transport leichterer Waren. Konkret wird der Transport von medizinischen Produkten und auch von Lebensmitteln in einem Gewerbegebiet im Südosten von Tempelhof-Schöneberg sowie am Ullsteinhaus erprobt. Damit soll der Stadtverkehr entlastet und Transportzeiten verkürzt werden. Im Reallabor stehen neben rechtlichen Fragen und möglichen Risiken die tatsächlichen Umweltvorteile, Bürgerbeteiligung bei der Auswahl von Flugrouten und die Erarbeitung regulatorischer Best-Practise-Beispiele im Fokus. Zudem soll ein typenoffener Landeplatz entwickelt werden, der ähnlich wie eine Packstation funktioniert.
Projektpartner: Startup Colors UG/Applied Data Incubator (Verbundkoordination), Technische Universität Berlin, DiAvEN Labfly UG, marktschwalbe UG, Murzilli Consulting / M&K Germany GmbH, Akkon Hochschule für Humanwissenschaften
Diese Pressemitteilung als PDF downloaden
-
20250825 PM Innovative Ideen kommen in die Praxis: Startschuss für drei Berliner Reallabore
PDF-Dokument (78.0 kB)
Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe
Pressestelle
Pressesprecherin und stellvertretende Sprecherin des Senats
Telefon: (030) 9013-8112
Pressesprecherin
Telefon: (030) 9013-8627