„Sind wir in Deutschland willkommen?“ - Giffey fordert mehr Willkommenskultur und schnellere Visa für Fachkräfte aus Indien

Pressemitteilung vom 14.07.2025

Vom 7. bis 11. Juli 2025 führte Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey eine Wirtschaftsdelegation nach Indien, um im südindischen Bengaluru und in der Hauptstadt Delhi Kooperationen mit Berlin zu vereinbaren und um Fachkräfte zu werben. Nach ihrer Rückkehr erklärt Giffey:

„Indien ist eines der Fokusländer in unserem neuen Internationalisierungskonzept für die Berliner Wirtschaft und es war mir sehr wichtig, dass wir möglichst schnell mit unseren Partnern vor Ort ins Gespräch kommen. Die vier Tage unserer Wirtschaftsdelegation in den indischen Metropolen Bengaluru und Delhi haben das große Potenzial für eine vertiefte Zusammenarbeit bestätigt und auch gezeigt, dass es dazu auf indischer Seite eine große Bereitschaft gibt.

Für mich persönlich war es die erste Reise nach Indien und ich bin von dem Land, seinen Menschen und der beachtlichen wirtschaftlichen Entwicklung sehr beeindruckt. Wir können auf vielen Beziehungen aufbauen, die wir in den vergangenen drei Jahren mit unserer Wirtschaftsfördergesellschaft Berlin Partner, mit dem Asia Berlin Forum und weiteren Initiativen entwickelt haben. Es gibt bei unseren indischen Partnern ein großes Interesse an Berlin, das zog sich wie ein roter Faden durch alle unsere Begegnungen und Gespräche mit Ministerien, Unternehmen, Verbänden und führenden Hochschulen. Es wird gesehen, dass sich unsere Stadt als Wirtschafts- und Innovationsstandort dynamisch entwickelt und für indische Unternehmen und Fachkräfte sehr attraktiv ist. Wir bauen insbesondere die Beziehungen zum Bundesstaat Karnataka aus und haben dafür während der Reise eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Unser Fokus liegt dabei auf der Vernetzung unserer beiden Startup-Ökosysteme, besonders in den Berliner Wachstumsbranchen DeepTech, HealthTech, Fintech, GreenTech und Games.

Aber die Konkurrenz in anderen Ländern schläft nicht und wir müssen deutlich machen, dass uns die Partnerschaft mit Indien ernst ist und zwar auf Augenhöhe. Dazu gehört die Zugänglichkeit und Erreichbarkeit des deutschen und europäischen Marktes. Ganz konkret die Frage der Visa-Erteilung. Wenn uns die indischen Partner in nahezu jedem Gespräch berichten, dass sie in den deutschen Konsulaten monatelang auf ein Visum für Deutschland warten müssen oder immer wieder ein neues Visum beantragen müssen, um an einer Messe teilzunehmen oder zu Geschäftsterminen zu kommen, dann haben wir offensichtlich ein Problem. Erst recht, wenn das in Großbritannien, den USA oder anderen Ländern kürzer dauert.

Das gleiche gilt für die Fachkräfte, die wir aus Indien nach Deutschland holen wollen, was erklärtes Ziel der im vergangenen Jahr vom Bund beschlossenen „Fachkräftestrategie Indien“ ist. Wir machen uns unglaubwürdig und verspielen Vertrauen, wenn wir sie einerseits mit viel Aufwand umwerben und sie dann andererseits beim Visum vor den Kopf stoßen. Hier wünsche ich mir vom Auswärtigen Amt eine Überprüfung und ein Umsteuern, damit Anspruch und Realität näher zueinander gebracht werden und die Prozesse schneller laufen.

Ein Satz hat sich bei mir während der Reise ganz besonders eingebrannt: „Sind wir in Deutschland willkommen?“ Das fragten mich junge Inderinnen und Inder, die am Goethe-Institut in Bengaluru mit Eifer Deutsch lernen und in unserem Land studieren und arbeiten wollen – ausgebildete Pfleger und Ärzte, IT-Experten, Studentinnen. Sie haben große Sorge vor dem Rechtsruck in Deutschland. Die Ressentiments und Angriffe der AfD gegen Migranten werden im Ausland genau registriert und das ist für unser Land und den Wirtschaftsstandort Deutschland verheerend. Der wachsende Fachkräftemangel in Deutschland stellt heute schon ganze Regionen sowohl wirtschaftlich, als auch in der Gesundheitsversorgung und weiteren Teilen der Daseinsvorsorge vor enorme Probleme und diese werden Jahr für Jahr größer. Auch für Berlin spricht die Prognose der Industrie- und Handelskammer eine klare Sprache: der Bedarf an Fachkräften liegt heute schon bei 90.000 und wird in den 2030er Jahren auf rund 400.000 ansteigen. Ohne Fachkräfte aus dem Ausland werden wir diese Riesenlücke nicht schließen können.

In Indien werden viel mehr Menschen ausgebildet, als der heimische Arbeitsmarkt beschäftigen kann. Das Durchschnittsalter liegt bei über 50 Prozent der Bevölkerung unter 28 Jahren. Sie schauen sich genau an, wo in der Welt sie studieren, arbeiten oder auch selbst Unternehmen gründen können. Wir müssen deutlich machen: Ja, ihr seid in Berlin willkommen! Hier leben Menschen aus über 170 Nationen, darunter 42.000 Inderinnen und Inder. Wir sind die Stadt der Vielfalt, der Weltoffenheit und der Freiheit. Das macht unsere Gesellschaft aus und das ist auch eine unverzichtbare Grundlage für Berlins Wirtschaftskraft.

Diese Botschaft zu vermitteln, wird auch eine wichtige Aufgabe für das neue Auslandsbüro sein, das wir im kommenden Jahr in Bengaluru, dem indischen Silicon Valley, eröffnen werden. Es soll gezielt um indische Fachkräfte und Investitionen für Berlin werben und unsere Unternehmen bei der Vernetzung auf dem indischen Markt unterstützen. Es ist auch ein klares Signal an unsere Partner in Indien, dass wir es mit der Zusammenarbeit ernst meinen und diese als wichtigen Baustein für Wirtschaftswachstum und Wohlstand in unserer Stadt betrachten.“

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