Quartier Schützenstraße

Quartier Schützenstraße

Das Quartier Schützenstraße ist sicher die außergewöhnlichste Quartierbebauung im Gebiet rund um die Friedrichstraße und des einstigen Mauerstreifens.

Quartier Schützenstraße

© Franziska Delenk

Dass man ein "Quartier", einen der großen Straßenblöcke der rechtwinklig angelegten Friedrichstadt, auch anders bebauen kann, als längs der Friedrichstraße geschehen, zeigt das Quartier Schützenstraße, gelegen zwischen Schützen-, Markgrafen-, Zimmer- und Charlottenstraße. Hier, in unmittelbarer Grenznähe, hatte nur ein einziges Haus die Kriegs- und Nachkriegszeit überstanden, im Übrigen war der Block Brachfläche.

Entwurf und Gestaltung des Quartiers Schützenstraße

Der Entwurf von Aldo Rossi (mit M. Kocher und M. Scheurer, Planungspartner: Götz Bellmann und Walter Böhm) entschied sich gegen eine monolithische Blockstruktur und zerlegte das Quartier stattdessen in zahlreiche Parzellen, die zum Teil an der Vorkriegsbebauung orientiert sind.
Durch verschiedene Fassaden und Dachgestaltungen ist jede Parzelle unterschiedlich gestaltet, wobei aber der gesamte Block, um eine flexible Vermietung zu ermöglichen, in durchgängigen Geschosshöhen errichtet wurde, so dass im Innern Räume hinter mehreren Fassaden zusammengefasst werden können. Allein daran wird sichtbar, dass der Block als Einheit entworfen und gebaut wurde.
Neben der äußeren Blockstruktur haben die Architekten auch die typische Altberliner Hinterhofbebauung wiederbelebt und vier Innenhöfe geschaffen, die von wiederum unterschiedlich gestalteten Hinterhäusern eingefasst werden.

Moderne Form eines gründerzeitlichen Wohnblocks

Hier korrespondiert die Hinterhofbebauung zum Teil ebenfalls nicht mit der äußeren Fassadengestaltung, so dass auch dadurch der potemkinsche Charakter der Blockfront deutlich wird. Die Fassadengestaltungen betonen das einheitliche Entwurfskonzept. Rossi und seine Partner haben keine Kopie eines gründerzeitlichen Berliner Wohnblocks angestrebt, sondern eine moderne Version mit historistischen Anklängen, aber doch in unverkennbar modernen Formen und Materialien.

Palazzo Farnese Kopie und bunte Fassaden

Vor allem die knallbunten Farben mancher Häuser und Fassadenteile bringen ein völlig neues Moment in die Berliner Innenstadt. Besonderes Schmankerl ist an der Schützenstraße die Kopie des Palazzo Farnese, eines berühmten römischen Renaissancebaus von Antonio da Sangallo d.J. und Michelangelo, die mit ihren hohen Rundfenstern und dem starken Kopfgesims die alles in allem doch einheitliche Blockgestaltung sprengt.

Quartier Schützenstraße als außergewöhnliche Quartierbebauung

Das Quartier Schützenstraße ist sicherlich die außergewöhnlichste Quartierbebauung im Gebiet der Friedrichstraße und des einstigen Mauerstreifens. Ob sie gelungen ist und eine echte Alternative darstellt zu den großflächigen Blöcken und der "Kästchenarchitektur“, die das neue Bild der Berliner Innenstadt prägen, muss jeder für sich entscheiden.

Quartier Neuer Hackescher Markt

Eine ähnlich kleinteilige Struktur – wenn auch nicht ganz so knallig bunte Fassaden – zeigt das Ensemble "Neuer Hackescher Markt", das die auch am Quartier Schützenstraße beteiligten Berliner Architekten Götz Bellmann und Walter Böhm 1996–98 bauten.

Informationen

Adresse
Schützenstr. 2
10117 Berlin
Architekt
A. Rossi, M. Kocher, M. Scheurer, G. Bellmann, W. Böhm
Stil
Postmoderne

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| Aktualisierung: 17. November 2015