Laura Koch, Dominik Berton, Garagenzeile als Möglichkeitsraum - Juni 2026

Laura Koch und Domenik Berton von der Garagenzeile

Liebe Laura, lieber Dominik, Ihr seid in der Garagenzeile aktiv. Was passiert in dem Projekt und wer ist beteiligt?

Der Kurs „18 m2 – Garagen als Räume der Transformation“ ist eine Kooperation zwischen der Zusammenstelle, bei der Dominik angestellt ist, und der FH Potsdam. Zusammen mit Laura, die über die GSJ gGmbH im Modellprojekt Rathausblock aktiv ist, leiten wir gemeinsam den Kurs. Gemeinsam haben wir auch die zivilgesellschaftlichen Initiativen fahrrad3000 und Karawane Freiraum gegründet und sind vor Ort engagiert.
Der Kurs richtet sich an Studierende des Fachbereichs Design und des Masters Urbane Zukunft. Die Studierenden entwickeln in drei Gruppen Konzepte, um das Transformationspotenzial der Garagen auf dem Areal aufzuzeigen. Diese werden am Ende des Semesters der Nachbarschaft präsentiert. Es geht dabei vor allem darum, gemeinwohlorientierte Lösungen zu entwickeln, die aufzeigen, wie eine Stadt für alle möglich ist und welche spannenden Potenziale sich jenseits ehemaliger PKW-Stellplätze eröffnen.

Warum ist das Modellprojekt Rathausblock für Euch ein spannender Ort?

Der Rathausblock ist für uns besonders spannend, da er einer der wenigen innerstädtischen Orte ist, die nicht renditeorientiert entwickelt werden und gleichzeitig noch unfertig sind. Das bietet die Möglichkeit, eigene Ideen und Interessen in diese Leerstellen und Freiflächen hineinzuimaginieren. Zudem ist die kooperative Entwicklung des Areals eine große Chance den substanziellen Mehrwert zivilgesellschaftlichen Engagements zu demonstrieren. An diesem Prozess teilzuhaben und Andere aktiv einzubinden, ist eine wunderbare Möglichkeit, der Stadt etwas zurückzugeben und aufzuzeigen, dass es sich lohnt Stadt gemeinsam zu gestalten.

Was ist das Ziel in dem Seminar, das sich mit der Garagenzeile beschäftigt? Was sollen die Studierenden kennenlernen und mitnehmen?

Neben den inhaltlichen Zielen des Kurses ist es uns wichtig, dass die Studierenden erkennen: Stadtentwicklung ist nichts, was nur von der Verwaltung oder Lobbygruppen von oben herab geplant wird. Es ist etwas, das man selbst in die Hand nehmen kann. Erst wenn Engagement, Mut und Veränderungswille ins Spiel kommen, entsteht wirklich Neues und Innovatives. Zivilgesellschaftliches Engagement erschafft Lösungen, die der gesamten Breite der Stadtgesellschaft guttun und nicht nur einer privilegierten Minderheit mit klassischer Planungshoheit oder entsprechendem Einfluss auf diese.

Wir möchten zeigen, dass eine enorme Kraft in kleinen Interventionen liegt. Eine kleine Störung im Alltag oder eine spontane Umnutzung verdeutlichen, dass jede und jeder Einzelne die Möglichkeit hat mitzugestalten. Der öffentliche Raum und die Stadt gehören uns allen. Unser Ziel ist es, bei den Studierenden ein Gefühl der Selbstwirksamkeit zu wecken und damit auch andere zu motivieren, das Heft des Handelns selbst in die Hand zu nehmen.

Kann bei Euch jede*r mitmachen?

Im Rahmen des Kurses sind unsere direkte Zielgruppe die Studierenden der FH Potsdam. Aber mitmachen und sich das Ganze ansehen können alle Interessierten bei unserer Abschlussveranstaltung am 11. Juli 2026 ab 16 Uhr vor den Garagen. In entspannter Atmosphäre mit Essen und Musik präsentieren wir dort drei spannende Konzepte, die für die Garagen entwickelt wurden.

Wie sieht ein typischer Tag in der PlanGarage aus?

Das ist eine Frage, die wir erst in der Zukunft abschließend beantworten können. Wir sind noch gar nicht in die tatsächliche Nutzung gestartet, da der Mietvertrag erst Anfang Juli beginnt. Aktuell stecken wir noch in den Aufräumarbeiten und Vorbereitungen für die Räumlichkeiten. Perspektivisch soll dann aber ein vielseitiges und offenes Angebot für alle entstehen. Eine Gruppe steht zum Beispiel schon für eine offene Selbsthilfe-Fahrradwerkstatt in den Startlöchern.

Worauf sollte ich mich einstellen, wenn ich in das Modellprojekt Rathausblock aktiv eintauchen möchte? Habt ihr Tipps, wie ich meine Anliegen am besten vermitteln kann?

Der beste Ort für einen ersten Kontakt ist sicherlich die AnlaufStelle im AktionsContainer an der Ecke Mehringdamm, Obentrautstraße – entweder dienstags bei S.T.E.R.N. (16-18 Uhr) oder jeden zweiten Donnerstag bei der ZusammenStelle (gerade Kalenderwochen, 17-19 Uhr). Wir finden dort immer eine gute Andockmöglichkeit, ganz unabhängig vom jeweiligen Anliegen. Alternativ ist auch das Forum Rathausblock, die zentrale öffentliche Informations- und Beteiligungsveranstaltung für und mit Bürger*innen, eine gute Möglichkeit zum Austausch.

Worauf man sich einstellen muss, sind auf jeden Fall spannende Aushandlungsprozesse. Vor Ort treffen unterschiedlichste Bedarfe, Interessen und Kommunikationsstrategien aufeinander. Das Ziel ist es, diese Diversität konstruktiv und zugewandt in gute Lösungen zu überführen. Was man definitiv mitbringen sollte, ist ein langer Atem: Das Projekt bringt für alle Beteiligten immer wieder überraschende Hürden mit sich, die es dann gemeinsam zu meistern gilt. Lohnen tut sich das allemal!