Planerische Meilensteine: Rückblick auf 2024
Das Jahr 2024 war ein ereignisreiches Jahr für das Kreuzberger Modellprojekt. Bereits zu Jahresbeginn konnten wichtige planerische und gestalterische Grundlagen abgeschlossen werden: Der Gestaltungsleitfaden, die Potenzialstudie für bisher nicht mit einer Nutzung belegte Gebäude und Freiräume, die Leistungsphase 2 für die Medienplanung und wesentliche Teile des Freiflächen- und Entwässerungskonzepts sowie der Verkehrsplanung wurden fertiggestellt. Darüber hinaus ist das Büro Drees & Sommer seit Sommer
2024 als Gesamtprojektsteuerung gebunden. Aufgabe dabei ist das Teilprojekt Erschließung zu koordinieren und die technische Gesamtprojektsteuerung für die Umsetzungsphase der Bauprojekte auf dem Dragonerareal zu übernehmen.
Eine neue Erschließung (betrifft sämtliche Leitungen im Boden und die Herstellung der Straßen, Wege, Plätze und Freiflächen) ist nötig, weil bestehende Erschließung zu alt und nicht passend für das neue Quartier ist. Die Wärmeversorgung des Quartiers erfolgt durch die Nutzung von Abwärme aus der Abwasserdruckleitung am Mehringdamm. Zusätzlich wurden Umweltquellen wie U-Bahn-Abwärme analysiert und die Nutzung von Photovoltaik untersucht. Im April stellte das Bearbeitungsteam der Berliner Stadtwerke einen Zwischenstand öffentlich vor.
Das Freiflächen- und Regenwasserbewirtschaftungskonzept (FREK) ist fertig. Danach darf das Niederschlagswasser nicht in die Kanalisation eingeleitet werden, sondern versickert auf den Grundstücken. Dieses Konzept wurde parallel zu den Verkehrsanlagen entwickelt. Das Konzept umfasst auch innovative Lösungen für Spiel- und Freizeitflächen und die Wege.
Ein wichtiger Meilenstein wurde im Oktober mit der Beteiligung der Träger öffentlicher Belange (TöB) im Bebauungsplanverfahren erreicht. Der Bebauungsplan schafft das notwendige Planungsrecht für die Entwicklung des Dragonerareals zu einem gemischt genutzten Quartier. Die eingegangenen Stellungnahmen fließen in das weitere Verfahren ein.
Ein drängendes Thema war 2024 der Lärmschutz auf dem Dragonerareal. Insbesondere der Schall von Tourfahrzeugen des Clubs Gretchens für die Nachtruhe zwischen 22 und 6 Uhr erforderten die Erarbeitung und Abstimmung von Lösungen, weil der Gewerbeneubau nicht rechtzeitig als Schallschutz zur Verfügung steht.
Nicht nur planerisch, sondern auch baulich tat sich wieder etwas: Im August/September starteten die Abrissarbeiten auf dem Baufeld Mitte und Nord, nachdem bereits erste Abrissmaßnahmen im südlichen Bereich erfolgten. Diese Arbeiten bereiten die Grundstücke für die anstehenden baulichen Veränderungen vor – es werden keine denkmalgeschützten Gebäude abgerissen.
Hinsichtlich der Verteilung der Baufelder ergab sich in den letzten Monaten eine Änderung: das Baufeld West (ca. 90 Wohnungen) soll durch gemeinwohlorientierte Dritte bebaut werden. Der Wohnungsneubau auf dem Baufeld Nord-West soll durch die WBM Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte realisiert werden.
Im Sommer trafen sich Expert*innen aus Forschung und Praxis im Lernlabor zu „Betriebskonzepten für Bestandsgebäude auf dem Dragonerareal“ darunter Vertreter*innen von ZUsammenKUNFT Berlin eG / AndersBauen gGmbH, Kulturraum Berlin gGmbH sowie VollGUT eG – und präsentierten beispielhafte Betreibermodelle für gemeinwohlorientierte Gebäude. Zudem wurde der Verein „Kiezraum auf dem Dragonerareal e.V.“ gegründet, der den Kiezraums in Selbstverwaltung betreiben soll.
Die soziale Infrastruktur wurde auch weiter planerisch vorbereitet. Ein sogenanntes Bedarfsprogramm für die Alte Reithalle wurde beauftragt und zum Jahresende überwiegend abgeschlossen. Es stellt die Grundlage für weitere Planungen und öffentliche Förderungen dar. Für die Kindertagesstätte im Pferdehospiz / Stall für kranke Pferde starten vier Fachplanungsbüros nun die aufwändigen Planungen für den Umbau, der 2027 starten soll.
Ein neues Wegeleitsystem weist Besucher*innen den Weg zu zentralen Orten wie dem Kiezraum oder der StadtWERKSTATT Friedrichshain-Kreuzberg. Zudem wurde die sogenannte Transparenzplattform des Modellprojekts – die Internetseite mit allen Informationen – optisch und inhaltlich aktualisiert.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Förderung lokaler Initiativen und kleiner Projekte. Zahlreiche Vorhaben wurden durch die Kiezkasse unterstützt, darunter die wechselnde Gestaltung der Gretl.Wand, der Bauworkshop Außenmobiliar in der StadtWERKSTATT, ein Keramik-Workshop im Forum Rathausblock, das Kunstfestival Dragoner.02 sowie der Erwerb einer Geschirrspülmaschine für den Kiezraum. Darüber hinaus erhielt das Gretchen finanzielle Unterstützung aus dem Kiezfonds zur Installation einer Schallschutztür.
Erster Ausblick auf 2025
Für das Wohnbaufeld Süd beginnt in diesem Jahr ein sogenanntes „VgV-Verfahren“. Die Vergabeverordnung (VgV) regelt die öffentliche Auftragsvergabe und die Ausrichtung von Wettbewerben. Mithilfe eines Wettbewerbs im Rahmen des Verfahrens möchte die WBM Wohnungsbaugesellschaft Mitte zwei geeignete Planungsteams für den Wohnungsneubau auf dem Baufeld finden. Die Ausschreibung erfolgt bis März 2025. Die für das Quartier notwendige Medien- und Erschließungsplanung wird weiter vorangetrieben.
Die ZusammenStelle hat sich in den letzten Jahren zu einer wichtigen Unterstützungsstruktur für zivilgesellschaftliche Akteure und Initiativen entwickelt. Für die Fortführung in 2025 erhält die ZusammenStelle erneut eine bezirkliche Zuwendung (siehe: Was gibt’s Neues aus dem Zukunftsrat). Ein vorgesehenes Arbeitspaket ist dabei an Initialnutzungen für die leeren Gebäude mitzuwirken. Zudem plant sie Arbeitsgruppen zu den Themen Wohnen, Initialnutzungen und Gewerbehof.
Der Mietvertrag für die StadtWERKSTATT Friedrichshain-Kreuzberg wird bis Herbst 2025 verlängert. Im Anschluss soll die* Adlerhalle als Drehscheibe für Gewerbebetriebe* genutzt werden, um die Sanierung der von Kfz-Betrieben genutzten Stallgebäude im nördlichen Bereich des Dragonerareals umzusetzen.
Noch eine Veränderung bleibt mitzuteilen: Die Gebietsbeauftragte S.T.E.R.N hat mit dem neuen Jahr die Geschäftsstelle Zukunftsrat von zebralog übernommen.
Das Modellprojekt Rathausblock bleibt auch 2025 in Bewegung, mit zahlreichen Initiativen und Maßnahmen, die das Dragonerareal weiterentwickeln und für die Zukunft gestalten.
Bleiben Sie mit dem Quartiers-Logbuch auf dem Laufenden zum Baufortschritt im Modellprojekt: Hier finden Sie regelmäßige Updates zum Abriss, bauvorbereitenden Maßnahmen und planerischen Fortschritten.
Was gibt’s Neues aus dem Zukunftsrat?
Am 22. Januar fand die erste Zukunftsratssitzung in 2025 statt. Mit Blick auf das neue Jahr wurden anstehende planerische Themen und Diskussionspunkte auf die verschiedenen Sitzungstermine verteilt. Die ZusammenStelle kann in 2025 mit einer Zuwendung des Bezirks und einer Ko-Finanzierung der WBM und Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) ihre Arbeit als zentrale Anlaufstelle für die Nachbarschaft und Interessierte am Modellprojekt fortsetzen. Im Zukunftsrat hat das Team, bestehend aus Dominic Berton, Sophia Braun und Holger Gumz vertreten durch den Vereinsvorstand Enrico Schönberg, ihre Arbeitsschwerpunkte in 2025 vorgesellt. Das Kurzprotokoll der 32. Zukunftsratssitzung und weiterer Sitzungen des Zukunftsrats finden Sie hier.