Newsletter zur Unterstützung der Bedarfs- und Vergabestellen, Nr. 5

Ziegelsteine

März 2026

Berlin goes Re-Use – mehr rechtliche Klarheit für die Bauteilwiederverwendung in Berlin

Wer künftig ganze Bauteile, wie etwa Mauerziegel oder Türen, wiederverwenden will, kann nun auf zwei neue Ressourcen zurückgreifen. Ein zentrales Hindernis für die Praxis waren bisher Fragen zum rechtssicheren Umgang mit Second-Hand-Bauteilen. Die Senatsumweltverwaltung hat daher eine Analyse zu zentralen Hindernissen und möglichen Lösungswegen beauftragt.

Denjenigen im Land Berlin, die motiviert sind, sich an diesem baukulturell, ökologisch und ökonomisch vielversprechenden Thema auszuprobieren, stehen zur Verfügung:

  1. Ein detailliertes Gutachten mit rechtlichen Hintergrundinformationen
  2. Ein praktischer Leitfaden, der komplexe Sachverhalte verständlich aufbereitet

Haupt-Zielgruppe sind bauende Akteure der öffentlichen Hand in Berlin. Die Dateien und weitere spannende Infos zum Bauteil-Re-Use finden Sie auf den Seiten der Senatsumweltverwaltung.

Visualisierung des zukünftigen Gebäudes der Wasserrettungsstation

Re-Use-Pilotprojekt für eine zukunftsfähige Wasserrettungsstation

In Treptow-Köpenick realisiert die BIM (Berliner Immobilienmanagement GmbH) in der Josef-Nawrocki-Straße einen kreislaufgerechten Neu- und Erweiterungsbau für den Wasserrettungsdienst Friedrichshagen. Erstmals werden bei einem landeseigenen Gebäude systematisch Bauteile aus Rückbau- und Sanierungsprojekten integriert – etwa Fassadenpaneele aus einem Kreuzberger Getränkemarkt, Leuchten aus einem landeseigenen Gebäude am Fehrbelliner Platz und Materialien des alten Gebäudes, wie Außenleuchten und aufbereiteter Beton als Schüttmaterial. Das Pilotprojekt soll Ressourcen schonen, CO₂-Emissionen reduzieren und Impulse für das öffentliche Bauen in Berlin setzen. Der Neubau in Holzbauweise kombiniert natürliche, rückbaufähige Materialien mit Photovoltaik und Batteriespeicher. Der Rückbau startet im März 2026, die Fertigstellung ist für das zweite Quartal 2027 vorgesehen.

Logo von AZuR zum Wettbewerb „Loop the tyre“ mit dem Schriftzug „Reifen neu denken Kreisläufe schließen, Zukunft gestalten“

Innovationen für die Reifen-Kreislaufwirtschaft: Beteiligen Sie sich am Wettbewerb LOOP THE TYRE 2026

In Deutschland fallen jährlich über 500.000 Tonnen Altreifen an. Neben Reparatur und Runderneuerung tragen mechanische und chemische Verfahren wie die Pyrolyse dazu bei, wertvolle Rohstoffe im Kreislauf zu halten, das Klima und natürliche Ressourcen zu schonen. Ein neuer Film der Industrie-Initiative AZuR (Allianz Zukunft Reifen) zeigt dies anschaulich. Berlin unterstützt dies konsequent durch die umweltfreundliche öffentliche Beschaffung: Zur Umsetzung der Zero-Waste-Strategie und der Gewerbeabfallverordnung unterstützt das Leistungsblatt 5.6 „Verwertung von Altreifen“ der Verwaltungsvorschrift Beschaffung und Umwelt (VwVBU) Vergabestellen bei der Beschaffung entsprechender Verwertungsleistungen und verhindert so, dass wertvolle Materialien verloren gehen.

Passend dazu ruft der AZuR-Startup-Wettbewerb LOOP THE TYRE 2026 Gründerinnen und Gründer auf, innovative Ideen, von nachhaltigen Materialien über Runderneuerung bis zu Recycling und digitalen Konzepte, einzureichen. Bewerbungen sind bis 15. Mai 2026 möglich.

Ausschnitt der Übersicht über Materialien für den zirkulären Rückbau

Baustoffe im Kreislauf: Praxiswissen für Wiederverwendung und Recycling

Mit der Verbändeinitiative „Top Materialien für Wiederverwendung und Recycling“ setzen der Deutsche Abbruchverband (DA), der Deutsche Brownfield Verband (DEBV) sowie die Plattformen Madaster und Concular einen praxisnahen Impuls für mehr Kreislaufwirtschaft im Bauwesen. Ziel ist es, zentrale Materialströme aus Rückbau und Sanierung sichtbar zu machen und Wege für eine möglichst direkte Wiederverwendung oder hochwertiges Recycling aufzuzeigen. Die gemeinsam entwickelte Übersicht wird fortlaufend aktualisiert und bietet Planungs-, Beschaffungs- und Vergabestellen eine schnelle und klare Orientierung. Die Initiativpartner stehen jeweils als Ansprechpartner für ihren Abschnitt des Kreislaufs zur Verfügung und unterstützen sich zugleich gegenseitig, um durchgängige Lösungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu ermöglichen.

Produktion von Lehmbausteinen

Roadmap „Regenerative Ressourcenregion Berlin-Brandenburg“

Eine neu veröffentlichte Roadmap von Bauhaus Erde zeigt konkrete Transformationspfade für den Bausektor in Berlin-Brandenburg auf. Sie bündelt Systemanalysen, Forschungs- und Pilotprojekte aus dem zweijährigen Projekt „ReBuilt“ sowie Erkenntnisse aus Workshops mit regionalen Akteuren aus Praxis, Forschung, Politik und Zivilgesellschaft. Die Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde brachte ihre fachliche Expertise ein. Praktische Erkenntnisse wurden durch den Demonstrationsbau ProtoPotsdam, eine Ausstellung mit der Bundesstiftung Bauakademie sowie eine begleitende Podcast-Reihe gewonnen und vermittelt. Im Fokus der Roadmap stehen vier Handlungs- bzw. Innovationsfelder: Ökosystemwiederherstellung, biobasierte Materialinnovation, zirkuläre Baustandards der öffentlichen Hand sowie integrierte Wissens- und Governance-Plattformen. Neben der Roadmap stehen auch ein Bauteil- sowie ein Gestaltungskatalog, die in Zusammenarbeit mit dem Kommunalen Immobilien Service (KIS) der Landeshauptstadt Potsdam erarbeitet wurden, frei zur Verfügung.

Logo der Green Culture Anlaufstelle

Nachhaltige Wege für Kunst, Kultur und Kreativwirtschaft

Die Green Culture Anlaufstelle, gefördert vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, unterstützt seit 2023 die Kunst-, Kultur-, Kreativ- und Medienbranche auf ihrem Weg zur ökologischen Nachhaltigkeit. Sie berät, vernetzt und vermittelt Wissen zur zukunftsfähigen Gestaltung der Kultur. Im Themenfeld Kreislaufwirtschaft bietet die Anlaufstelle eine kostenlose 1:1 Erstberatung zur Orientierung und Umsetzung von Maßnahmen. Hilfreiche Ressourcen werden in einer frei zugänglichen digitalen Wissensdatenbank gebündelt – von Praxisleitfäden über Studien und Forschungsprojekte bis hin zu Börsen für Materialtausch. Themenspezifische öffentliche Veranstaltungen erweitern das Angebot, z. B. eine digitale offene Sprechstunde zur rechtlichen Checkliste für Materialweitergabe in Kultureinrichtungen.

Taschenrechner liegt auf Laptop

Beschaffung gebrauchter IKT-Geräte: UBA-Studie zeigt Wege für die Praxis

Eine neue Studie des Umweltbundesamtes (UBA) beleuchtet die Herausforderungen und Potenziale bei der öffentlichen Beschaffung instandgesetzter und wiederaufgearbeiteter IKT-Geräte. Sie zeigt, dass deren Zweitnutzung erhebliche Umweltentlastungen und Einsparungen bei den Lebenszykluskosten ermöglichen kann. Zugleich werden Hemmnisse wie fehlende Standards sowie organisatorische und administrative Hürden benannt. Ein praxisorientierter und ausführlicher Leitfaden unterstützt Beschaffungsverantwortliche mit konkreten Orientierungshilfen und einer Schritt-für-Schritt Anleitung für Bedarfs- und Marktanalyse, Vorbereitung der Ausschreibung bis hin zur Außerbetriebnahme am Ende der ersten Nutzungsdauer. Ergänzt wird der Leitfaden mit Beispielen aus internationalen Fallstudien.

Stapel mit gefalteter Kleidung

Nachhaltige Berufsbekleidung durch Faser-zu-Faser-Recycling

Die zirkuläre Beschaffung von Berufsbekleidung ist ein wichtiger Baustein der Berliner Zero-Waste-Strategie. § 23 des Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetzes Berlin fordert von öffentlichen Vergabestellen, Ressourcenschonung und Abfallvermeidung in Beschaffungsprozessen zu berücksichtigen. Um bestehende Herausforderungen lösungsorientiert anzugehen, haben bereits verschiedene Fachdialoge und Pilotprojekte mit innovativen Wirtschaftsakteuren der gesamten textilen Wertschöpfungskette stattgefunden. Jetzt bietet auch das Start-up TURNS mit dem TURNS® Faserkreislauf eine innovative und rechtssichere End-of-Life-Lösung an: Ausrangierte Berufsbekleidung wird digital erfasst, manuell sortiert und analysiert. Das Recycling erfolgt je nach Faserart mechanisch oder chemisch und unter Garantie der vollständigen Zerstörung von Logos oder anderen identifizierbaren Merkmalen. Wer ausrangierte Kleidung an TURNS schickt, kann deren Weg über eine App verfolgen und erhält Verwertungsnachweise und Daten für das eigene ESG-Reporting. Die Förderung nachhaltiger Geschäftsmodelle ist auch Teil des bis 2027 laufenden Strategieprozesses zur Entwicklung einer Berliner Kreislaufwirtschaftsstrategie.

Termine

Berliner Fortbildungsangebote zur umweltfreundlichen öffentlichen Beschaffung

Beim Grundlagenseminar zum nachhaltigen Bauen am 23.04.2026 und dem VAk Kurs „Anwendung von Lebenszykluskosten (LZK) in der nachhaltigen Beschaffung von Lieferleistungen (online) am 26.05.2026 für die Berliner Verwaltung sind noch wenige Plätze frei. Melden Sie sich bei Interesse gern noch an.

KOINNO-Seminar zum zirkulären Bauen

Wie gelingt der Wandel zu einer zirkulären Bauwirtschaft – rechtssicher, wirtschaftlich und finanzierungsfähig? Diese Aspekte werden im Webinar diskutiert und durch die Vorstellung eines erfolgreichen Best-Practices aus einem realisierten Bauvorhaben ergänzt.

Datum: 14. April 2026, 10:00 bis 12:00 Uhr

Save the date: Tag der öffentlichen Auftraggeber 2026

Die diesjährige Veranstaltung steht unter dem Motto „Öffentliche Beschaffung als Hebel für Innovation“ und widmet sich der strategischen Rolle öffentlicher Beschaffung.

Datum: 09. Juni 2026, 09:30 Uhr bis 16:00 Uhr

Ort: Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt, Kapelle-Ufer 1, 10117 Berlin