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Konjunkturmeldung 20.5.2020 – Industrie Berlin (März 2020)

Die Berliner Industrie hat sich Anfang 2020 bei den Umsätzen nochmals positiv, wobei sich die Corona-Krise im März noch nicht spürbar bemerkbar gemacht hat. Die Umsätze lagen in diesem Monat um 6,1 % über dem Vorjahresstand. Im gesamten 1. Quartal entstand vor allen ausgelöst durch das Inlandsgeschäft ein Umsatzwachstum von 4,3 %, wozu u. a. die Industriezweige Pharma und Nahrungsmittel beigetragen haben. Dies ergeben die heute vom Amt für Statistik Berlin-Brandenburg veröffentlichten Daten (bezogen auf Betriebe ab 50 Beschäftigten).
Die Auftragseingänge lagen im März um 3,4 % unter dem Vorjahresstand; während im Inland ein Plus von 13,4% zu verzeichnen war schrumpfte das Auslandsgeschäft um 12,7%. Wäh-rend die Pharmaindustrie Auftragssteigerungen von 38,6% verzeichnete, haben die Hersteller elektrischer Ausrüstungen und der Fahrzeugbau Auftragsverluste von 29,6% bzw. 53,4% hinzunehmen. Insgesamt ist das Auftragsvolumen im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 2,9% gesunken.
Die Aussichten für die Berliner Industrie deuteten am Anfang des Jahres zwar auf ein eher geringes konjunkturelles Tempo hin, das aber in einem stabilen Fahrwasser verlaufen sollte. Mit der Ausbreitung des Corona-Virus wurde dies abrupt beendet. Die ifo-Geschäftserwartungen für die deutsche Industrie brachen zwischen Februar und April um 48 Punkte ein. Die Unterbrechung von nationalen und internationalen Lieferketten, aber auch die Konsumzurückhaltung belastet die stark von den Ausfuhren abhängige Industrie. Auch wenn das volle Ausmaß der Entwicklung derzeit noch nicht abzusehen ist, hat dies unmittelbare negative Folgen für die Berliner Industrie. Dadurch hat sich das Stimmungsbild in starkem Maße verschlechtert. Nach der neuesten IHK-Umfrage fallen die Geschäftserwartungen der Berliner Industrieunternehmen nun stark negativ aus (11 % besser, 69 % schlechter).

Hinweis zur Industriebeschäftigung: Das Amt für Statistik B-BB weist für März 2020 im Vergleich zum Vorjahresmonat einen um 7.400 Personen bzw. 9,3 % verringerten Beschäfti-gungsstand in der Berliner Industrie aus (bezogen auf Betriebe ab 50 Beschäftigte). Dieser Vorjahresvergleich ist aber negativ überzeichnet, denn der Hintergrund ist u. a. ein Rückgang um rund 3.300 tätige Personen zwischen August und September 2019. Nach interner Information durch das Amt für Statistik B-BB basiert dieser Rückgang insbesondere auf einer Verschiebung bei den Wirtschaftszweigen, d. h. in einer Größenordnung von etwa 3.000 Personen werden Unternehmen(steile) nun nicht mehr der Industrie, sondern Wirtschafts-zweigen außerhalb der Industrie zugeordnet.
SenWEB betrachtet grundlegend die von der Bundesagentur für Arbeit veröffentlichte Ge-samtzahl der sozialversicherungspflichtigen Industriebeschäftigten. Da es auch hier zu einem Datenbruch gekommen ist, wird der Bereich „Produzierendes Gewerbe ohne Bau“ betrachtet (also Industrie, Energie- u. Wasserversorgung). In diesem Bereich lag die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Industriebeschäftigten im Februar 2020 in Berlin bei insgesamt 134.200 und damit geringfügig um 350 bzw. 0,3 % über dem Stand vom Vorjahresmonat. Allerdings fallen die industriellen Beschäftigungsplanungen lt. IHK-Umfrage infolge Corona nun negativ aus (19 % mehr, 38 % weniger).
Hinweis: Die einzelnen Monatswerte unterliegen teils starken Schwankungen und sind daher nur begrenzt aussagefähig.

Daten zur Berliner Industrie (jeweils ggü. Vorjahr):
Umsätze: Mär +6,1 % , Jan- Mär +4,3 %
Beschäftigte: Mär -9,3 % , Jan- Mär -8,4 %
Aufträge: Mär -3,4% , Jan- Mär -2,9 %