Protestforscher: Widerstand zentral bei Berliner Demo

Protestforscher: Widerstand zentral bei Berliner Demo

Nach Ansicht eines Protestforschers nimmt bei den Demonstranten gegen die Corona-Politik das Element des Widerstands eine zentrale Rolle ein. «Das Selbstbewusstsein, zum Widerstand gegen 'die da oben' zu gehören, beschränkt sich nicht mehr nur auf Rechtsextreme», sagte der Berliner Soziologieprofessor Dieter Rucht über die Proteste gegen die Corona-Maßnahmen vom Samstag. Die gesamte Bewegung sei größer geworden. «Sie wird vermutlich weiter wachsen, aber das ist pure Spekulation», so Rucht.

Protestforscher Dieter Rucht

© dpa

Dieter Rucht, Soziologieprofessor und Protestforscher

Am Samstag hatten Zehntausende im Zentrum der Hauptstadt bis zum Abend überwiegend friedlich gegen die staatlichen Corona-Regeln demonstriert. Nach Ruchts Einschätzung gab es auf der einen Seite eine bunte Mischung an Demonstranten und eine großteils entspannte Atmosphäre. Besonders auf der Straße Unter den Linden hingegen habe sich eine äußerst aggressive Haltung von Protestierenden gegenüber den Einsatzkräften gezeigt. «Die Welle des Hasses, die der Polizei entgegenschlug, hat mich überrascht», so der Wissenschaftler, der selbst dort vor Ort war.
Am Nachmittag waren vor der Russischen Botschaft der Polizei zufolge Einsatzkräfte angegriffen worden, es flogen Flaschen und Steine. Am Abend stürmten Rechtsradikale und Reichsbürger die Treppen am Reichstagsgebäude. Die Polizei musste einschreiten.
Insgesamt hielt der Protestforscher den Beamten trotz punktuellen Einsatzes von Gewalt zugute, sich ruhig und besonnen verhalten zu haben. Rucht merkte allerdings auch an: «Die Polizei war im Grunde nicht in der Lage, das Einhalten der Auflagen zu kontrollieren.»
Am Samstagmittag hatten die Behörden einen geplanten Demonstrationszug durchs Stadtzentrum nicht starten lassen und später die Veranstaltung aufgelöst, weil die Mindestabstände zum Infektionsschutz nicht eingehalten wurden und die Demonstranten überwiegend keine Alltagmasken trugen. Zur Kundgebung an der Siegessäule kamen aber später mehrere Zehntausend Menschen zusammen.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Sonntag, 30. August 2020 09:21 Uhr

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