Loveparade: 25 Jahre dancing on the street

Loveparade: 25 Jahre dancing on the street

Woher die Idee kam, was das erste Motto bedeutete und was daraus wurde: Erfinder DJ Dr. Motte erzählt im Interview von der ersten Loveparade am 1.Juli 1989 in Berlin.

  • Loveparade in Berlin© dpa
    Auf der Strasse des 17. Juni, vom großen Stern bis hin zum Brandenburger Tor, zieht sich am 12.07.1997 in Berlin der lange Strom der Techno-Jünger während der Love Parade (später Loveparade).
  • Loveparade-Erfinder Dr. Motte© dpa
    DJ Dr. Motte alias Matthias Roeingh 2002 in Berlin.
  • Dr. Motte© dpa
    Loveparade-Erfinder Dr. Motte 2010
"Friede, Freude, Eierkuchen"- als die Loveparade vor 25 Jahren zum ersten Mal durch Berlin zog, hatte sie das wohl freundlichste Motto aller politischen Demonstrationen. Aus den 150 Technofans, die mit Loveparade-Gründer DJ Dr. Motte am 1. Juli 1989 bei Nieselregen hinter einem mit drei Lautsprechern bestückten Wagen für eine friedliche Weltrevolution über den Kurfürstendamm zogen, wurde innerhalb weniger Jahre ein riesiges Tanz- und Musik-Event, das Millionen Ravern erst auf dem Kurfürstendamm und dann im Berliner Tiergarten Platz und Luft für lange Tanznächte bot.
Parade-Gründer DJ Dr. Motte hatte 1989 keineswegs nur das Feiern im Sinn, sondern auch ein politisches Anliegen. Der heute 53-jährige Dr. Motte erzählt im dpa-Interview von den Anfängen der Loveparade.

Warum haben Sie damals die Loveparade ins Leben gerufen? War das tatsächlich eine spontane Idee?

Es war die Zeit, als Techno noch in den Kinderschuhen steckte und Acid-House hieß. Freunde von mir berichteten von Underground-Partys in Manchester und Sheffield, die von der Polizei aufgelöst wurden. Die Raver tanzten aber auf der Straße, zu einem Ghettoblaster weiter. Dieses Bild faszinierte mich. Ich dachte darüber nach. Im Mai 1989 hatte ich während einer Party die spontane Eingebung.

Was hatte es mit dem Motto "Friede, Freude, Eierkuchen" auf sich?

Ich meldete damals die Demo unter diesem Motto bei der Berliner Versammlungsbehörde für den 1. Juli 1989 auf dem Kurfürstendamm so an. Frieden, für Abrüstung; Freude durch Musik als Mittel der Kommunikation; Eierkuchen, für die gerechte Nahrungsmittelverteilung. Ich wollte etwas Gutes etablieren. Keine Demo gegen, sondern für alle Menschen auf diesem Planeten.

Welche Rolle haben damals Drogen bei den Loveparade-Teilnehmern gespielt?

Die Hilfsdienste haben uns immer nur von Erschöpfungen und Dehydrierung berichtet. Wir alle kamen zur Loveparade aus der ganzen Welt und zelebrierten den Feiertag der elektronischen Tanzmusik. Wir erlebten die Ekstase durch Freude und Techno.
Dr. Motte, mit bürgerlichem Namen Matthias Roeingh
© dpa

Dr. Motte, mit bürgerlichem Namen Matthias Roeingh

Dr. Motte, mit bürgerlichem Namen Matthias Roeingh, ist Raver der allerersten Stunde. Seine Techno-Umzüge standen unter dem Motto «Peace on Earth», «We Are One Family», «Let the Sunshine In Your Heart», «One World One Future» oder «Love Rules». Weil die Love Parade seiner Ansicht nach zur «Dauerwerbesendung» verkam, zog sich Dr. Motte 2006 aus dem Organisationsteam zurück. Der Name Loveparade wurde verkauft.

Warum passte die Loveparade damals so gut in den Zeitgeist?

Die jährliche Loveparade war der Ausdruck des Zeitgeistes und eigentlich eine tanzende Jugend-Friedensbewegung, unter dem Schirm der neuen, elektronischen Tanzmusik.

Aber bereits vor dem Umzug ins Ruhrgebiet, wo es dann schließlich zu dem tragischen Unglück kam, schien sich die Loveparade in Berlin überlebt zu haben – warum?

Die Loveparade konnte aus finanziellen und politischen Gründen nicht mehr in Berlin stattfinden. Ein Schock für alle die mit ihr aufgewachsen sind. Erst dadurch wurde vielen klar, wie wichtig die Loveparade für die Techno-Szene gewesen ist. Mein Mitgefühl gilt den Betroffenen der Massenpanik der Loveparade 2010 in Duisburg.

Gibt es heute irgendwo auf der Welt noch vergleichbare Techno-Events?

Elektronische Musik ist eine eigene Musiksparte geworden und überall zu hören. Für sehr viele Menschen war die Loveparade der beste Tag in ihrem Leben. Das war einzigartig. Heute existiert eine große Vielfalt von elektronischen Musik-Events überall auf unserem Planeten und sie sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor geworden.
Zug der Liebe
© dpa

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Quelle: Interview: Elke Vogel, dpa // Bearbeitung: kra/berlin.de (Juli 2014)

| Aktualisierung: 11. September 2015

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