Interview mit Wenke Hebold

Viele Notizzettel an einer Wand

Wenke Hebold ist Innovationsmanagerin bei Berlin Partner und unterstützt im Rahmen des Projekts KEK als Expertin für Produktdesign kleine und mittlere Unternehmen, Startups, sowie auch Großunternehmen zu nachhaltigerer Produktgestaltung und auf dem Weg zu einem zirkulären Geschäftsmodell.

Portraitfoto von Wenke Hebold

Die KEK bietet im Rahmen eines individuellen Unternehmensworkshops Beratung zur nachhaltigen Produktgestaltung und zirkulären Geschäftsmodellen an. Was genau beinhaltet der Workshop und was beinhaltet er nicht?

Unser Workshop hilft Unternehmen auf ihrem Weg, nachhaltige und zirkuläre Geschäftsmodelle zu entwickeln. Dabei holen wir die Teilnehmenden genau dort ab, wo sie sich befinden: noch am Anfang ihrer Reise mit diversen Optionen in Richtung Nachhaltigkeit oder auch bereits fortgeschritten inmitten einer zirkulär ausgerichteten Produktentwicklung mit einer konkreten Fragestellung. Teilnehmende können ihre Ideen und Hürden vertrauensvoll ansprechen und erhalten wertvolles Feedback sowie Strategieansätze, um diese Hürden zu überwinden. Gemeinsam mit mir können Unternehmen unterschiedliche Szenarien durchspielen und bewerten, um konkrete nächste Schritte mitzunehmen. Der Workshop soll inspirieren und Mut machen, indem er neue Perspektiven eröffnet. Wir spielen die sogenannten R-Strategien anhand der Produkte und Geschäftssituation der Teilnehmenden durch. Außerdem teilen wir Best Practices und erste Ansätze zur nachhaltigen Transformation.

Wir bieten jedoch keine allgemeine Beratung zur Geschäftsmodellentwicklung an. Auch begleiten wir nicht die unternehmenseigene Implementierung von Maßnahmen, können jedoch durch passgenaue Fördermittelberatung die Machbarkeit von Maßnahmen ermöglichen! Prominent ist hier beispielsweise der Transfer BONUS Design zu nennen, welcher die Erarbeitung eines innovativen Circular Designs für Produkte fördern kann. Wir führen keine tiefgehenden Berechnungen durch wie z.B. mittels Lebenszyklusanalyse (LCA), aber helfen gerne beim Erkunden von Tools im Bereich Circular Economy. Für eine tiefere Beratung oder auch Forschungs-/ und Innovationsleistungen vermitteln wir gerne neutral zu Verbänden und Institutionen. Der Workshop dient als Impulsgeber und bietet Ihnen Orientierung.

Ich habe ein junges Unternehmen und stehe vor dem Produktlaunch. Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung sind mir sehr wichtig, allerdings weiß ich noch nicht, wie ich diese Themen wirklich in mein Produkt integrieren kann. Wo fange ich an?

Den Startups von heute müssen wir Nachhaltigkeit und Zirkularität nicht mehr erklären. Vom Grund auf ihrer initialen Idee wirken sie bereits positiv auf Gesellschaft, Umwelt und Wirtschaft. Sie sind die zukunftsweisende Spitze unserer Wirtschaft und positionieren Deutschland nach wie vor global als innovatives und nachhaltiges Land. Daher möchte ich allen Impact Startups erst einmal den Druck nehmen, ihre Produkte bereits in der MVP-Phase und Markteinführungsphase ganzheitlich nachhaltig und zirkulär gestaltet zu haben. Es ist wichtiger, dass es Eure Produkte und Services gibt, als dass Ihr bereits im ersten Jahr am Markt eure kompletten Stoffkreisläufe geschlossen habt und ein Ökolabel euer Geschäft auszeichnet! Will sagen: Be bold and keep on going!

Ein passender Zeitpunkt für unseren Workshop könnte der Übergang vom Prototypen zur Serie sein. Grundlegende Annahmen wurden vertestet, das Geschäftsmodell aufgestellt, das Produkt umrissen und die Machbarkeit validiert. Meistens stellen sich dann zu bestimmten Bauteilen konkrete Herausforderungen auf dem Weg zur Kreislauffähigkeit. Zum Beispiel könnte eine Fragestellung sein, ob Kunststoffspritzguss in diesem Fall eine nachhaltige Wahl ist. Unter welchen Bedingungen? Welche Prozesse müssen für die nächsten Jahre der Nutzung oder des End-of-Life mitgestaltet werden? Startups der Circular Economy stehen vor der Herausforderung neue Infrastrukturen anzustoßen, durch welche Stoffströme erst geschlossen werden können. Es kann sein, dass in diesem Fall die Langlebigkeit (Verlängerung der Lebensdauer) über der Kreislauffähigkeit gewichtet werden muss, weil es schlichtweg noch keine Rücknahme von Erzeugnissen durch den Rezyklathersteller gibt, oder dies noch unwirtschaftlich ist, oder sich schlicht gesetzliche Barrieren auftun.

Wichtig ist, dass junge Unternehmen hier transparent kommunizieren. Warum nicht die eigenen Ambitionen mit seiner Community teilen und diese einbinden? Denn auch das breite NutzerInnen-Verhalten spielt eine maßgebliche Rolle beim Ermöglichen von kreislauffähigen Produkten.

Mein Unternehmen ist schon seit 20 Jahren erfolgreich am Markt, allerdings vernehmen wir zuletzt den vermehrten Wunsch nach nachhaltigen Produkten auf der Kundenseite, steigende Kosten wie auch verstärkte Konkurrenz aus dem Ausland. Kann die Umstellung auf ein zirkuläres Geschäftsmodell mir helfen?

Typische BeraterInnen-Antwort: Das kommt darauf an. Es gibt Produkte, um welche sich naheliegende Services entwickeln lassen, z.B. ein Reparaturservice, ein Rücknahmeservice, ein Aufbereitungsservice, das Abschließen eines Wartungsvertrags bis hin zu einem Abo-Modell ohne den eigentlichen Verkauf des Produkts. Im besten Fall begründet sich dieses Rund-Um-Paket auch noch durch Kundenstimmen und die Entwicklungen bei Konkurrenz und Markt.Dann kann sich ein ursprüngliches, rein auf Verkauf getriebenes Geschäftsmodell hin zu einem Servicemodell entwickeln, mit engster Kundenbindung und diversen Möglichkeiten der Monetarisierung.

Sollten UnternehmerInnen keine Möglichkeit sehen auf zirkuläre Geschäftsmodelle umzustellen, weil sie z.B. Zulieferer sind oder weil die Natur der Nutzung des Produktes (z.B. ein Hygieneartikel) die oben beschriebenen Ansätze nicht zulässt, ist das ein noch wichtigerer Grund sich der Produktgestaltung zu widmen. Für jedes Produkt gilt, dass es durch seine Herstellung, seine Nutzung oder seine Entsorgung ein vertretbares Maß an Umwelteinfluss nimmt. Für jedes Produkt MUSS das End-of-Life-Scenario betrachtet und gelöst sein! Jedenfalls im Circular Design und nach Cradle-to-Cradle-Ansätzen. Was passiert mit ihrem Produkt, wenn die NutzerIn es nicht mehr möchte? Welche Materialien verwenden Sie und woher kommen diese? Welche Vorteile hat Ihr Produkt neben einem Konkurrenzprodukt? Welche Aussage über Ihr Produkt und Ihr Geschäft würde Ihnen weiterhelfen, sich am Markt neu an die Spitze zu setzten? Kommen Sie in unseren Workshop und wir finden es gemeinsam heraus.

Ich habe eine KEK-Beratung durchlaufen. Wie mache ich nun weiter?

Gemeinsam haben wir Ihre größten Potentiale und wichtigsten Maßnahmen in Richtung Zirkularität detektiert. Je nach individuellen Gegebenheiten kann direkt mit der Umsetzung begonnen werden oder Ideen müssen erst in einem Vorprozess auf Machbarkeit überprüft werden. Mit der Ausarbeitung von Designkonzepten und Nachhaltigkeitsmaßnahmen verweisen wir gerne auf einschlägige ExpertInnen aus unserem Netzwerk. Auch Innovationsprojekte mit Forschungsbezug fragen wir gerne bei Instituten und Einrichtungen für Sie an. Sie erhalten außerdem passende Fördermittelberatung von der KEK oder auch dem Innovationsteam bei Berlin Partner.

Das Interview mit Wenke Hebold wurde im Februar 2025 geführt.

Kontakt:

Koordinierungsstelle für Kreislaufwirtschaft, Energieeffizienz und Klimaschutz im Betrieb (KEK)