Interview mit Steffi Beyer und Dr. Martin Peters

Techniker repariert einen Kaffevollautomaten

repami ist eine Initiative der Berliner Stadtreinigung, der Handwerkskammer Berlin und der Stiftung „anstiftung“ in Zusammenarbeit mit dem BUND Berlin und gefördert vom Land Berlin. Die Berliner Stadtreinigung (BSR) ist Antragsteller und Konsortialführerin. Sie übernimmt die Administration des Gesamtprojektes und hat die Federführung bei der Beauftragung der digitalen Plattform, der Erprobung innovativer Konzepte zur Förderung von Reparaturen, bei der Öffentlichkeitsarbeit für das Netzwerk und bei der Durchführung von Befragungen. Die Handwerkskammer Berlin ist Konsortialpartner und Unterauftragnehmer und bildet die Schnittstelle zwischen kommerziellen Reparaturbetrieben in Berlin und dem Netzwerk Qualitätsreparatur. Die Handwerkskammer soll die gewerblichen Handwerksbetriebe zur Teilnahme am Netzwerk motivieren und einen geeigneten Qualitätsstandard für die Aufnahme in das Netzwerk entwickeln.

Portraitfotos von Steffi Beyer und Dr. Martin Peters

Welche Ziele verfolgt repami?

S. Beyer: Gebrauchsgegenstände wie Haushaltsgeräte, Möbel, Computer, Lampen, Lederwaren oder Kleidung sollen länger nutzbar gemacht und somit wertvolle Ressourcen geschont sowie klimaschädliche Emissionen durch Neukäufe eingespart werden. repami will einen Beitrag weg von Wegwerfmentalität hin zu mehr Weiterverwendung und Nachhaltigkeit leisten.
Wir wollen Begeisterung fürs Reparieren wecken und Menschen unterstützen, selbst aktiv zu werden. Zu diesem Zweck haben wir mit repami.de eine digitale Plattform ins Leben gerufen, veranstalten Mitmach-Events und testen innovative Konzepte: Der repami-Reparatur-Parcours ermöglicht einen spielerischen und niedrigschwelligen Einstieg ins Thema Reparatur. Außerdem testen wir aktuell den Piloten eines kompakten Reparatur-Koffers, der die wichtigsten Werkzeuge für gängige Reparaturvorgänge bereithält, z.B. für den mobilen Einsatz, im Reparatur-Café und anderen urbanen Kontexten.

Wie hilft repami dabei, Gegenstände zu reparieren?

S. Beyer: Auf repami.de findet man Reparaturcafés und Handwerksbetriebe. Die Betriebe müssen bestimmte Teilnahmekriterien erfüllen, dazu gehört z.B. die Preistransparenz. So kann man sicher sein, dass es sich um seriöse Angebote handelt. Auf der Website lässt sich gezielt nach Kategorien filtern, je nachdem, was man reparieren möchte. In den Suchergebnissen werden dann nur relevante Reparaturangebote angezeigt. Das kann, wie erwähnt, auch ein Reparaturcafé sein. Dort lassen sich unter fachkundiger Hilfestellung Reparaturen ausführen, die für einen Betrieb z.B. nicht wirtschaftlich wären.
Außerdem findet man auf repami.de eine Sammlung an Reparaturtipps, so kann man zu Hause einen ersten Reparaturversuch wagen.

  • Toaster, links daneben Text

    Publikation von repami.de

Was braucht es, um noch mehr Menschen von Reparatur anstelle eines Neukaufs zu überzeugen?

S. Beyer: Damit Menschen die Reparatur als bessere Option gegenüber dem Neukauf wahrnehmen, müssen gleich mehrere Hindernisse abgebaut werden. Reparaturen müssen kostengünstiger sein als Neukäufe. Hier kann beispielsweise ein Reparaturbonus den finanziellen Anreiz für nachhaltigere Entscheidungen von Konsument*innen bieten. Weiterhin müssen Produkte natürlich so konstruiert sein, dass eine Reparierbarkeit überhaupt gegeben ist. Mangelnde Modularität, verklebte Bauteile, fehlende Ersatzteile und nicht-standardisierte Bauteile sind hier u.a. als Herausforderungen zu nennen. Eine zentrale Rolle spielen auch die Preise für Ersatzteile, die die Kosten für eine Reparatur extrem beeinflussen. Ein Recht auf herstellerunabhängige Reparatur oder andere regulatorische Instrumente können die Verbraucherrechte stärken und Hersteller verpflichten, entsprechende reparaturfördernde Maßnahmen umzusetzen.
Ebenso wichtig ist das Wissen und das Bewusstsein, dass reparieren möglich ist und erste Schritte sowie Fehleranalysen oft auch selbst unternommen werden können. Aufklärungskampagnen, Schulungsangebote, gut aufbereitete Reparaturanleitungen, Projekttage in der Schule und der Austausch mit der älteren Generation, die teilweise bereits viel Reparaturerfahrung gesammelt hat, können eine Reparaturkultur stärken.

Wie entwickelt sich die Reparaturbranche in Berlin? Sind die Betriebe gut ausgelastet und gibt es Wachstum?

M. Peters: Die Reparaturbranche, die in den letzten Jahrzenten eher geschrumpft ist, wird gerade von der Kundschaft wiederentdeckt. Das gilt nicht nur aber auch für Berlin. Projekte wie repami oder der Reparaturbonus tragen mit dazu bei.
Das zentrale Problem für die Branche ist deshalb aktuell der fehlende Nachwuchs. Dabei kann eine berufliche Tätigkeit, die nicht mehr funktionierenden Geräten und Produkten zu einem zweiten Leben verhilft, äußerst befriedigend sein. Wir müssen stark darauf achten, dass die Betriebe und mit ihnen wichtiges Know how zum Thema Reparatur erhalten bleiben.

Am 22.07. wurde das Berliner Innovationszentrum Handwerk eröffnet. Welche Rolle spielt Innovation in der Reparaturbranche?

M. Peters: Auch im Bereich Reparatur spielen Innovationen eine wichtige Rolle. Das Thema 3-D Druck mit den unterschiedlichsten Materialien ist potentiell in der Lage, die Ersatzteilversorgung insbesondere bei historischen Geräten extrem zu vereinfachen. Aber das ist nur eines der augenfälligsten Beispiele. Künstliche Intelligenz kann dafür sorgen, über die Verfügbarkeit von Ersatzteilen in Sekundenbruchteilen zu informieren und entsprechende Bestellungen auszulösen.
Auch im Bereich der Fehlerdiagnose sind erhebliche Fortschritte zu erwarten, so dass ein Betrieb, ohne vor Ort zu sein, einen Kostenvoranschlag für eine Reparatur erstellen kann. Das reduziert die Kosten für eine Reparatur signifikant. Dies sind Entwicklungen, die sich schon heute abzeichnen. Die Flexibilität des Handwerks hat es bis heute immer wieder geschafft, sich an veränderte Rahmenbedingungen anzupassen und Innovationen für sich zu nutzen. Wir sind optimistisch, dass das auch in Zukunft so sein wird.

Das Interview mit Steffi Beyer und Dr. Martin Peters wurde im August 2025 geführt.

Kontakt:

Koordinierungsstelle für Kreislaufwirtschaft, Energieeffizienz und Klimaschutz im Betrieb (KEK)