Erst seit Mitte des 19. Jahrhunderts, durch die Entstehung aufwändiger Kanalisationssysteme und Wasseranschlüsse in Häusern, verbreiteten sich die heute nach wie vor bekannten Water Closets (WCs) in den westlichen Ländern. Also noch gar nicht so lange im Vergleich zur Menschheitsgeschichte. Da könnte man meinen, dass eine Alternativmethode durchaus vorstellbar wäre. Wie steht es um die Akzeptanz von Trockentoiletten? Und was ist nötig, um potentielle Nutzer:innen zu überzeugen?
Die Entwicklung der Kanalisation im 19. Jahrhundert war ein entscheidender Fortschritt zur Bekämpfung von Seuchen wie Cholera und hat die Hygiene in urbanen Gebieten revolutioniert. Doch heute, mit neuen technologischen Möglichkeiten und einem gesteigerten Umweltbewusstsein, wird zunehmend hinterfragt, ob dieses wasserintensive System noch zeitgemäß ist.
Spültoiletten haben gravierende Nachteile, darunter ein enorm hoher Wasserverbrauch von etwa 6-9 Litern pro Spülung. Außerdem erfordert die Abwasseraufbereitung in Kläranlagen viel Energie, und wertvolle Nährstoffe wie Phosphor, die im Abwasser enthalten sind, gehen verloren. Denn alles was in der Kanalisation zusammenfließt, wird später in den Kläranlagen unter enormen Energieaufwand wieder versucht zu trennen – mit mäßigem Erfolg. Trocken- bzw. Trenntoiletten bieten hier eine nachhaltige Alternative, die den Ressourcenkreislauf schließen kann.
Die Akzeptanz von Trockentoiletten ist derzeit noch begrenzt, vor allem in westlichen Ländern, wo Wasserklosetts tief in der Alltagskultur verankert sind. Das liegt an Komfortvorstellungen, Hygienebedenken und der fehlenden Auseinandersetzung mit alternativen Sanitärlösungen. Dennoch steigt das Interesse, insbesondere durch den wachsenden Fokus auf Umwelt- und Ressourcenschutz.
Um Nutzer:innen zu überzeugen, braucht es vor allem Aufklärung über die ökologischen und ökonomischen Vorteile, wie die Einsparung von Wasser und die Rückgewinnung von Nährstoffen. Ein entscheidender Punkt ist auch die Weiterentwicklung des Designs. Trockentoiletten müssen einfach zu bedienen, geruchsfrei und optisch ansprechend sein. Zusätzlich könnten finanzielle Anreize durch Förderprogramme dazu beitragen, Vorurteile abzubauen.