Interview mit Manuela Mohr

Schülerin im Klassenraumsieht auf einen Bildschirm

Manuela Mohr ist Co-Gründerin und Geschäftsführerin des Education Innovation Lab, aus dem die Digital Sparks entstanden sind. Sie ist mit Leidenschaft Sozialunternehmerin und entwickelt neue Konzepte und Produkte für soziale Bildungsinnovation. In den letzten Jahren hat sie verschiedene Bildungsinitiativen und Start-Ups mit aufgebaut.

Fotoporträt einer Frau

Wie gelangt Ihr Angebot an die Schulen? Sprechen Sie mit einzelnen Lehrpersonen, mit Schuldirektor*innen oder mit den kommunalen Bildungsträgern?

Das passiert auf unterschiedlichen Wegen. Oft beginnt es mit einer einzelnen Lehrperson. Sie entdeckt Digital Sparks über Kolleg*innen, Social Media oder auf einer Veranstaltung, kommt mit uns ins Gespräch und trägt die Idee in ihr Klassenzimmer. Wir begleiten diesen Prozess durch Workshops, regelmäßige Sprechstunden und konkrete Unterstützungsangebote, damit Lehrpersonen Digital Sparks wirksam im Unterricht einsetzen können. Langfristig wirksamer ist es jedoch, wenn Schulen Digital Sparks nicht punktuell, sondern ganzheitlich einführen. Deshalb arbeiten wir beispielsweise mit dem Kultusministerium in Niedersachsen zusammen, das Schulen aktiv über unser Angebot informiert. So erreichen wir ganze Schulen, nicht nur Einzelpersonen.
Ein wichtiger Hebel sind dementsprechend Schulleitungen. In Workshops auf Schulleitungstagungen erleben wir immer wieder: Wenn die Initiative von der Schulleitung mitgetragen wird, entsteht Handlungsspielraum. Das „Go“ der Schulleitung macht es Lehrkräften deutlich leichter, neue Lernangebote auszuprobieren und nachhaltig zu verankern. Vielleicht etwas überraschend: Auf Messen wie der Didacta sprechen uns immer wieder Schüler*innen direkt an. Sie sind neugierig, wollen Digital Sparks ausprobieren. Ihnen fehlt häufig allerdings die Möglichkeit, diesen Wunsch an ihrer Schule einzubringen. Deshalb versuchen wir, über die oben genannten Wege Zugänge zu ermöglichen und Digital Sparks an den Schulen zu verankern.

Wie integrieren Sie Zukunftsthemen wie Kreislaufwirtschaft konkret in Ihre Lernreisen, und welche Kompetenzen sollen Schüler*innen dadurch besonders aufbauen?

Auf unserer Lernplattform Digital Sparks bieten wir ganz unterschiedliche Lernreisen an. Diese Lernreisen widmen sich einzelnen zukunftsrelevanten Themen. Das Thema Kreislaufwirtschaft behandeln wir aktuell anhand von zwei Lernreisen: „Make it circular“ führt Schüler*innen in acht Doppelstunden in die Grundlagen ein, mit Leitfragen, die Schüler*innen zum Nachdenken über eine nachhaltige Zukunft einladen:
Was wäre, wenn es keinen Müll mehr gäbe? Wie gehen wir verantwortungsvoll mit endlichen Rohstoffen um? Hier verbinden wir Kreislaufwirtschaft mit Elementen der Zukunftsforschung. Es geht darum, mögliche Zukünfte zu denken und aktiv mitzugestalten.
Die kürzere Lernreise „Fit Check“ übersetzt das Thema in den Alltag der Jugendlichen und erklärt die Kreislaufwirtschaft am Thema Mode. Anhand von Fast Fashion, Second Hand und den „R’s“ der Kreislaufwirtschaft (Reduce, Reuse, Recycle, Refuse) werden globale Herausforderungen greifbar und persönlich relevant.
Während wir die Themen für unsere Lernreisen bewusst wählen und nach Themen suchen, die aktuell und für die Zukunft der Schüler*innen entscheidend sind, wollen wir durch die Art des Lernens auf der Digital Sparks Lernplattform auch Kompetenzen schulen, die für das spätere Leben wichtig sind. Die Schüler*innen arbeiten kollaborativ in Teams auf der Plattform, hinterfragen bestehende Systeme kritisch und reflektieren ihren eigenen Konsum. Sie lernen, komplexe Zusammenhänge zu analysieren und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Am Ende jeder Lernreise steht ein eigenes Projekt. Hier wird aus Wissen Handlung: Die Jugendlichen planen, gestalten, präsentieren. So fördern wir Kreativität, Projektkompetenz und Kommunikationsfähigkeit, also genau die Zukunftskompetenzen, die sie in einer sich wandelnden Welt brauchen.

Tablet mit Landinpage einer Lernplattform

Wie werden Schüler*innen dabei unterstützt, ihre Projekte auch in die Umsetzung zu bringen? Hat es bereits Fälle gegeben, in denen ein Projekt nach Beendigung der Schullaufbahn als Unternehmen verstetigt werden konnte?

Der entscheidende Moment in unseren Lernreisen ist die sogenannte „Create-Phase“. Hier werden die Schüler*innen dazu angeleitet, ihre eigene Idee, ihr eigenes Projekt zu entwickeln. Sie werden dabei Schritt für Schritt begleitet. Sie wählen ihre Themen selbst, bekommen dazu kuratierte Vertiefungen, Quellen und Impulse an die Hand. Auch bei der Form sind sie frei: Magazin, Podcast, Video, Social-Media-Kampagne – entscheidend ist, dass sie einen klaren Projektplan entwickeln und diesen eigenverantwortlich umsetzen. Die Lehrperson agiert dabei als Lernbegleitung und unterstützt die Teams im Prozess.
Wichtig ist: Die Projekte verschwinden nicht in der Schublade. Im Digital Sparks Showroom sehen Schüler*innen die Ergebnisse anderer Schulen. Das schafft Inspiration und Motivation. Manche Schulen binden den Showroom sogar auf ihrer Website ein oder teilen die Projekte über Eltern-Mails. So entsteht echte Sichtbarkeit für die Ideen und Vorhaben der Schüler*innen.
Eine Unternehmensgründung ist aus einem Spark bisher noch nicht entstanden, aber erste Schritte in diese Richtung sehen wir durchaus. Es sind beeindruckende Reportagen über Pilze als Baustoff entstanden, Konzepte für kreislauffähige Städte oder Social-Media-Kanäle, die Schüler*innen nach Projektende weiterführen. Unser Ziel ist, dass junge Menschen durch ihre eigenen Projekte erfahren: Ich kann Ideen entwickeln, Öffentlichkeit dafür schaffen und konkrete Wirkung erzielen. Meine Stimme zählt und meine Vorstellungen sind relevant, um eine nachhaltige Zukunft aktiv mitzugestalten.

Digital Sparks richtet sich primär an Schüler*innen der weiterführenden Schulen. Ist es geplant, das Angebot auf Auszubildende zu erweitern?

Unsere Hauptzielgruppe sind weiterführende Schulen – das stimmt. Gleichzeitig erleben wir immer wieder, dass auch Berufsschullehrkräfte mit Digital Sparks arbeiten. Für uns steht weniger die Schulform im Mittelpunkt, sondern die Lerngruppe. Gerade in der Berufsschule sind Klassen oft sehr heterogen. Deshalb entscheiden die Lehrpersonen selbst, ob Thema und Anspruchsniveau eines Sparks zu ihrer Gruppe passen. Diese professionelle Einschätzung vor Ort ist aus unserer Sicht zentral.
Grundlegend sind alle Sparks auch in Berufsschulen einsetzbar. Wir denken also nicht so sehr in Schulformen, sondern in Lernkontexten. Wenn ein Thema für die Lebensrealität der Auszubildenden relevant ist, funktioniert ein Digital Spark und bietet jungen Menschen eine neue Lernerfahrung. Über eine Kooperation mit dem Forum Rezyklat erreichen wir in diesem Jahr auch ganz gezielt Auszubildende in Unternehmen mit dem Thema Kreislaufwirtschaft.
Wir freuen uns über alle Menschen, die Lust haben, einen Digital Spark in ihrer Klasse oder Lerngruppe auszuprobieren. Sprechen Sie uns gerne an und wir begleiten Sie beim Einstieg und zeigen, wie unkompliziert der erste Schritt sein kann.

Das Interview mit Manuela Mohr wurde im Februar 2026 geführt.

Kontakt:

Koordinierungsstelle für Kreislaufwirtschaft, Energieeffizienz und Klimaschutz im Betrieb (KEK)