Interview mit Katharina Wolf

Eingang zu einem Club auf dem RAW Gelaende

Katharina Wolf setzt sich seit über 12 Jahren für den klimafreundlichen Wandel der Club- und Festivalszene ein. Sie ist Mitgründern von clubliebe e.V arbeitet beim BUND Berlin e.V. und engagiert sich für das bundesweite Netzwerk Zukunft Feiern.

Portraitfoto von Katharina Wolf

Welche Möglichkeiten gibt es aktuell in der Berliner Clublandschaft, Nachhaltigkeit umzusetzen?

In der Berliner Clubszene gibt es viele konkrete Ansätze, um Nachhaltigkeit und Klimaschutz umzusetzen. Als kurze Einordnung: ein Club verbraucht an einem Wochenende ca. so viel Strom wie ein Single-Haushalt in einem ganzen Jahr. Da gibt es natürlich viele Punkte an denen angesetzt werden kann, wie beispielsweise energieeffiziente Kühl- und Lichttechnik oder gezielte Energiesparmaßnahmen beim Heizen und Lüften. Welche Kühlschränke werden genutzt? Wie wird geheizt? Und wie ist z.B. die Voraussetzung in der Gebäudehülle? Das alles hat einen großen Einfluss auf den Verbrauch. Aber auch in Bereichen wie Müllvermeidung, Wasserverbrauch oder Ressourcenschonung lässt sich viel bewirken, etwa durch Papier- und Plastikvermeidung, Mehrwegsysteme oder wassersparende Sanitäranlagen. Jedes Mal, wenn etwas Neues angeschafft werden soll, sollte darüber nachgedacht werden, ob es wirklich zwingend notwendig ist. Und bei der Anschaffung und in der Logistik ist wichtig Wege kurz zu halten und möglichst viele einzelne Transportfahrten zu vermeiden. Und daran anknüpfend können Gäste, Mitarbeitende und Artist auf umweltfreundliche Anreisemöglichkeiten hingewiesen und Flüge vermieden werden.

  • Erstunterzeichner*innen des Code of Conduct „Zukunft feiern“ in Hamburg am 23.03.2022

    Erstunterzeichner*innen des Code of Conduct „Zukunft feiern“ in Hamburg am 23.03.2022

Gibt es bereits ein Best Practice in Berlin?

Klar, es gibt sogar schon ganz viele. Eigentlich sind alle Clubs aus dem Zukunft Feiern Netzwerk schon ziemlich gut aufgestellt. Sie haben sich unterschiedlichen Nachhaltigkeitszielen verschrieben, die von nachhaltiger Kommunikation über Ressourcenschutz, zu Abfallvermeidung, Mobilität, Naturschutz, Energieeffizienz bis zu sozialer Nachhaltigkeit reichen. Das SchwuZ hat beispielsweise wasserlose Urinale installiert und bezieht wie der Tresor seit vielen Jahren zertifizierten Ökostrom. Das Ritter Butzke arbeitet wie viele weitere Clubs mit Pfandsystem auf Getränke und es sind viele Fahrradstellplätze vor Ort.

Clubs gelten oft als Schutzräume und Orte des Eskapismus – wie lässt sich Nachhaltigkeit in diese Atmosphäre integrieren, ohne dass sie als Einschränkung empfunden wird?

Nachhaltigkeit muss kein Stimmungskiller sein, ganz im Gegenteil: Sie kann das Cluberlebnis sogar bereichern. Viele Maßnahmen wie der Wechsel zu Ökostrom oder wassersparende Technik bleiben für die Gäste weitestgehend unsichtbar. Andere bringen spürbare Vorteile: kostenloses Trinkwasser, solidarische Preismodelle oder sichere Fahrradstellplätze verbessern das Feiererlebnis. Soziale Nachhaltigkeit wie Solidarität, Awareness-Strukturen, Diversität und Inklusion sind ohnehin schon seit Jahren tief in der Clubkultur verankert.
Wichtig ist, Gäste ohne erhobenen Zeigefinger mitzunehmen, zum Beispiel mit charmanten oder witzigen Hinweisschildern, spielerischen Aktionen wie z. B. Abstimmungen über Zigarettenkippen oder Infoangebote für Interessierte. Nachhaltigkeit wird dann nicht als Einschränkung empfunden, sondern als Fürsorge für die Gäste, das Klima und die Community.

Welche politischen oder wirtschaftlichen Rahmenbedingungen müssten sich ändern, damit nachhaltige Clubkultur nicht nur möglich, sondern selbstverständlich wird?

Damit nachhaltige Clubkultur zur Selbstverständlichkeit wird, braucht es politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen, die Clubs nicht nur als Lärmquelle, sondern als das anerkennen, was sie sind: kulturelle Schutzräume, soziale Knotenpunkte und kreative Motoren der Stadt. Clubs sind zudem Arbeitgeber für tausende Menschen und prägen als kulturelles Aushängeschild maßgeblich das internationale Image der Stadt. Diese Rolle muss politisch anerkannt und gefördert werden. Was heißt das konkret? Es braucht gezielte Förderprogramme für Klimaschutzmaßnahmen, wie energetische Sanierungen, Kreislaufwirtschaft oder barrierefreie Zugänge. Und das so selbstverständlich wie für Theater oder Museen. Clubs tragen längst Verantwortung und sind Vorreiter für Offenheit, Gemeinschaft und Kreativität. Ihr Erfahrungsschatz und ihre gelebten Werte machen sie zu idealen Impulsgeberinnen für eine ökologische Transformation, um nachhaltige Impulse weit über die Clubtüren hinaus in andere gesellschaftliche Bereiche zu tragen.

Wenn ihr unbegrenzte Ressourcen und volle Freiheit hättet: Wie würde euer Club der Zukunft aussehen – und was wäre daran radikal anders?

Hm, gute Frage. Auf den ersten Blick würde unser Club der Zukunft tatsächlich gar nicht radikal anders aussehen. Das pulsierende Leben auf der Tanzfläche, die bunte Vielfalt und das Miteinander blieben genauso spürbar. Aber hinter den Kulissen würde eine nachhaltige Infrastruktur wirken, die alles zusammenhält wie beispielsweise ein unsichtbares Rückgrat. Von der Beschaffung über die Lieferketten bis zu den Arbeitsabläufen wäre von Anfang an alles so organisiert, dass Nachhaltigkeit kein Nachgedanke, sondern das Grundprinzip ist. Und der Club würde sich natürlich vollständig selbst mit sauberer Energie versorgen: also Solarzellen auf dem Gründach, ein kinetischer Dancefloor verwandelt Bewegungen in elektrischen Strom, und die Wärme der tanzenden Menschen wird in Wärmeenergie umgewandelt. So wird der Club nicht nur zu einem Ort für kreative Freiräume und gelebte Inklusion, sondern auch zu einem konkreten Beispiel dafür, wie klimafreundliche Technologien und das Feiern gemeinsam zu einer nachhaltigen Zukunft beitragen können. Aber auch heute stehen den Berliner Clubs schon viele Werkzeuge zur Verfügung, um ihrer Vorbildfunktion gerecht zu werden und aktiv zum Klimaschutz beizutragen.

Der Green Club Guide unterstützt dabei mit praxisnahen Tipps, Checklisten und Beispielen, die sich auch im stressigen Cluballtag umsetzen lassen. Außerdem bieten Projekte wie Clubtopia oder das Netzwerk Zukunft Feiern kostenlose Beratung, Wissen und Austausch.

Das Interview mit Katharina Wolf wurde im Juli 2025 geführt.

Kontakt:

Koordinierungsstelle für Kreislaufwirtschaft, Energieeffizienz und Klimaschutz im Betrieb (KEK)