Interview mit Evoléna de Wilde d’Estmael

Frau shoppt an einem Laptop

Faircado ist ein Berliner Startup, das den ersten KI-gesteuerten Secondhand-Einkaufsassistenten in Europa bereitstellt. Die Technologie von Faircado hilft Nutzer*innen, die besten Secondhand-Alternativen zu dem zu finden, wonach sie online suchen. Mit der Mission, den globalen Abfall zu reduzieren und den Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft zu unterstützen, will Faircado dazu beitragen, dass Secondhand-Waren zur ersten Wahl für Verbraucher*innen werden.

Portraitfoto von Evolena de Wilde d`Estmael

Wie genau funktioniert Faircado? Wie kann ich es nutzen und welche Produkte finde ich bei euch?

Faircado ist eine kostenlose App und Browser-Extension, die Secondhand-Shopping einfacher machen als je zuvor. Die Browser-Extension poppt automatisch auf, wenn du im Internet nach einem Produkt suchst, für das eine Secondhand-Alternative erhältlich ist. Wenn du zum Beispiel nach einem Buch oder einem Paar Schuhe suchst, poppt die Extension auf und zeigt dir, wo es Secondhand-Alternativen dafür gibt. So erinnern wir dich an nachhaltige Alternativen, ohne dass du danach suchen musst. Sowohl in der App als auch in der Extension kannst du zusätzlich mit Bildern nach Produkten suchen – einfach ein Bild hochladen oder am Desktop mit einem Rechtsklick nach ähnlichen Secondhand-Alternativen suchen. Auch wenn es eventuell genau das Produkt nicht secondhand gibt, findest du so zumindest passende Alternativen. Durch die Bandbreite unserer Partner können Millionen Produkte aus den Kategorien Fashion, Elektronik, Bücher und Wohnen bei Faircado gefunden werden. Wir haben aktuell über 50 Partner, von großen internationalen Plattformen wie eBay, Vestiaire Collective, Sellpy, Abebooks, Back Market und Refurbed bis hin zu unbekannteren und lokalen Secondhand-Anbietern wie etwa Last Decades oder Deesup. Mit diesem breiten Angebot können wir sichergehen, dir nicht nur das größte Secondhand-Angebot Europas anzubieten, sondern auch einen guten Mix an Plattformen zu liefern.

App Demo
Extension-Demo

  • Screenshot von App Faircado

    App Demo

  • Screenshot von App Faircado

    Extension-Demo

Nach welchen Kriterien wird die vorgeschlagene Second-Hand-Ware ausgewählt? Spielt Regionalität eine Rolle?

Ja, Regionalität spielt definitiv eine Rolle. Wir zeigen unseren Nutzer*innen nur Produkte an, die an ihrem aktuellen Standort verfügbar und lieferbar sind – das erhöht die Relevanz und senkt zusätzlich den ökologischen Fußabdruck durch kürzere Lieferwege. Wenn du auf Reisen bist, kannst du deinen Standort aber auch manuell beibehalten oder ändern – so bleibst du flexibel. Weitere Auswahlkriterien betreffen die Qualität und Vertrauenswürdigkeit. Die Vertrauenswürdigkeit von Partnern wird anhand von unterschiedlichen Kriterien evaluiert. Wir priorisieren Verkäufer*innen, die eine möglichst angenehme Shoppingexperience bieten – das heißt hochwertige Produktfotos, eine umfassende Produktbeschreibung, Rückgabegarantie oder bei aufbereiteter Elektronik eine Garantiezeit. Ziel ist es, hochwertige Angebote zu kuratieren, bei denen unsere Nutzer*innen sicher und nachhaltig shoppen können – ohne Spam, Fakes oder unzuverlässige Anbieter*innen.

Faircado stellt ja ein Alternativangebot zu Plattformen wie Amazon und Temu dar. Was ist eure Strategie, um die breite Masse zu erreichen?

Unser Fokus seit Tag eins war es, nicht nur ein Produkt zu entwickeln, sondern ein Movement voranzutreiben. Es geht uns um gesellschaftlichen Wandel, Konsum neu zu denken und bestehende Verhältnisse nicht als gegeben hinzunehmen. Wir sind stolz darauf, eine so starke Community von Brand-Ambassadors zu haben, die eine neue Generation des Shoppens und Denkens verkörpert und für die Secondhand zum Alltag gehört. Unser Ziel ist es nicht, alle Menschen auf einmal zu überzeugen, ihr gesamtes Kaufverhalten zu verändern, sondern Millionen kleiner, besserer Kaufentscheidungen jeden Tag zu ermöglichen. Wenn du dann auch noch deinen Freundeskreis dazu motivierst, das gleiche zu tun, ist das schon ein großer Wandel. Wir sprechen hier nicht nur von ökologischem Wandel, sondern auch gesellschaftlichem, indem es zeigt, dass Secondhand cool und Ultra-Fast-Fashion outdated und nicht mehr zeitgemäß ist. So verändern wir die Welt des Shoppens.

Es ist leider so, dass viele Startups – trotz genialer Geschäftsidee – nach ein paar Jahren wieder verschwinden. Was braucht es, damit das mit Faircado nicht passiert?

Um langfristig bestehen zu können, braucht es mehrere Dinge: Zum einen eine klare gesellschaftliche und politische Unterstützung für die Kreislaufwirtschaft – etwa durch EU-Richtlinien, Anreize für Re-Commerce und strengere Regeln für Ultra-Fast-Fashion und Wegwerf-Modelle. Es muss schwerer werden, unnachhaltige Produkte auf den Markt zu bringen und Großkonzerne mit fragwürdigen Praktiken müssen in die Verantwortung genommen werden. Hierfür braucht es aber Rückenwind aus der Politik. Darauf alleine wollen wir uns nicht verlassen. Wir setzen darauf unser Produkt kontinuierlich besser zu machen, damit es den Bedürfnissen unserer Nutzer*innen heute und auch in Zukunft gerecht wird. Nur so bleiben wir relevant. An der Spitze steht dabei ein qualitativ hochwertiges Nutzungserlebnis, starke Partnerschaften mit Secondhand-Plattformen, eine mutige, wiedererkennbare Marke und eine loyale Community von Secondhand-Liebhaber*innen. Besonders Gen-Z muss hier ganz klar gelobt werden, denn sie sind ein wahrer Hoffnungsträger im Bereich Kreislaufwirtschaft. Sie sind es allen voran, die Secondhand wieder cool gemacht haben und leben so anderen Generationen einen nachhaltigen Lifestyle vor. Genau deshalb glauben wir an eine Zukunft für Faircado – und an die Zukunft der Kreislaufwirtschaft

Das Interview mit Evoléna de Wilde d’Estmael wurde im Mai 2025 geführt.

Kontakt:

Koordinierungsstelle für Kreislaufwirtschaft, Energieeffizienz und Klimaschutz im Betrieb (KEK)