Interview mit Dr. Jan Rudloff

Alte Autobatterien gestapelt

Seit Juni ergänzt die neue Batterierecycling-Anlage von BASF die vollautomatische Großproduktionsanlage für Kathodenmaterialien sowie eine Prototyp-Metallraffinerie für das Batterierecycling am Standort Schwarzheide.

Portraitfoto von Dr. Jan Rudloff

Die Batterierecyclinganlage in Schwarzheide wurde erst im Juni dieses Jahres in Betrieb genommen. Welche Arten von Batterien werden in der Anlage recycelt? Und von wem kommen diese Batterien?

Für unsere Batterierecycling-Anlage zur Herstellung von Schwarzmasse in Schwarzheide fokussieren wir uns auf das Recycling von Lithium-Ionen-Batterien, vor allem aus dem Automotive-Bereich. Außerdem recyceln wir in der Anlage Produktionsabfälle aus der Produktion von Li-Ionen Batterien.

Wir haben ein starkes Partner- und Kundennetzwerk (zum Beispiel namhafte Batteriehersteller und OEMs) aufgebaut (Anm. Redaktion: Original Equipment Manufacturer, übersetzt Erstausrüster), aus dem wir den Feed für unsere Batterierecycling-Anlage zur Herstellung von Schwarzmasse beziehen. Der Fokus liegt auf Material, welches aus dem europäischen Raum kommt. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir keine weiteren Details nennen können.

  • Luftbildaufnahme vom BASF-Standort Schwarzheide

    Luftbildaufnahme vom BASF-Standort Schwarzheide

Können Sie bitte den Prozess von der Altbatterie zur Schwarzmasse skizzieren?

Schwarzmasse besteht hauptsächlich aus den gemischten Metalloxiden der Kathode und dem Graphit der Anode einer Lithium-Ionen-Batterie. Sie enthält daher die wichtigsten in einer Batterie enthaltenen Metalle, darunter Nickel, Kobalt, Mangan und Lithium. Die Schwarzmasse entsteht, nachdem die Batterien entladen und demontiert wurden. Die mechanische Behandlung umfasst das Schreddern, Trocknen und Sortieren von Lithium-Ionen-Batterien und Abfällen aus der Batterieproduktion.

Die Herausforderungen liegen einerseits in der sicheren Handhabung der Altbatterien und der produzierten Schwarzmasse, die beide ein erhebliches Gefährdungspotenzial darstellen. Bei den Altbatterien besteht insbesondere Brandgefahr, während bei der Schwarzmasse der Kontakt mit den giftigen Bestandteilen für die Mitarbeiter ausgeschlossen werden muss. Aus diesem Grund hat BASF hohe Sicherheitsstandards in der Anlage implementiert, darunter eine strikte Trennung zwischen kontaminierten und nicht-kontaminierten Bereichen. Darüber hinaus hat BASF ein starkes Partnernetzwerk aufgebaut, das die sichere Handhabung, den Transport und das Recycling von alten Batterien für Elektrofahrzeuge (EV) und Produktionsabfällen ermöglicht. Dazu gehören auch die für BASF entwickelten Verpackungslösungen, die auch den Transport von beschädigten Batterien ermöglichen.

Andererseits ist es entscheidend, Schwarzmasse mit hoher Ausbeute und Reinheit zu produzieren. Deshalb verfügt BASF über ein eigenes Technologieteam, das den Prozess kontinuierlich optimiert.

Was passiert am Ende mit der Schwarzmasse? Sind die aus der Schwarzmasse gewonnen Metalle qualitativ gleichwertig zu Rohmaterialien?

Die Herstellung von Schwarzmasse ist der erste Schritt im Batterierecycling-Prozess und basiert auf der mechanischen Behandlung der Batterien. In der Batterierecycling-Anlage zur Herstellung von Schwarzmasse werden Altbatterien und Produktionsabfälle zu Schwarzmasse verarbeitet. Die gewonnene Schwarzmasse wird dann in einem nächsten Schritt weiterverarbeitet.
Die wertvollen Metalle können dann zurückgewonnen und zur Herstellung neuer Kathodenmaterialien verwendet werden. Qualitativ unterscheiden sich die durch Recycling zurückgewonnen Metalle nicht von sogenannten „Virgin Metals“, jedoch zeichnen sie sich durch einen niedrigeren CO2-Fußabdruck aus.

  • Schwarzmasse in Pulverform

    Schwarzmasse in Pulverform

Konkurriert ihr Angebot mit der Wiederaufbereitung von Batterien zu 2nd-Life-Batterien?

Nein, hier besteht keine Konkurrenz. Die Nutzung gebrauchter Batterien von Elektrofahrzeugen als Energiespeicher, bevor diese recycelt werden, kann eine sinnvolle potentielle Anschlussnutzung sein. Ob dies der Fall ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab, etwa dem Zustand der Batterie oder auch Zellchemie. Das Recycling kann aber natürlich auch immer noch erfolgen, nachdem eine gebrauchte Batterie als stationärer Speicher eingesetzt wurde.

Die aktuelle geopolitische Lage erfordert eine stärkere Diversifizierung von Rohstoffquellen. Warum sind wir hier in der Region erst jetzt soweit?

Das Wachstum des Batterierecycling-Geschäfts wird in erster Linie durch den zunehmenden Bedarf an der Entsorgung von ausgedienten Batterien und Produktionsabfällen angetrieben. Angesichts der aktuellen Marktentwicklung im Bereich Elektromobilität und der erwarteten Lebensdauer von Elektrofahrzeugen von 10 bis 18 Jahren wird frühestens Ende der 2020er Jahre eine beträchtliche Anzahl von Altbatterien anfallen.
Die Pläne der BASF zum Aufbau des Batterierecycling Geschäfts sind gut auf diesen Zeitraum abgestimmt. Jedoch sind andere Regionen, v.a. in Asien bei dem Thema in der Tat weiter als wir in Europa und aktuell wird ein Großteil der Schwarzmasse aus Europa exportiert und nicht vor Ort weiterverarbeitet. Komplexe Regulatorik, Unsicherheiten in der Gesetzgebung, lange Genehmigungszeiträume und hohe Investitionskosten in Europa sind durchaus eine Hürde für Investitionen in Batterierecycling in Europa. Das Recycling wird eine wichtige Rolle in der Wertschöpfungskette von Batterien spielen und eine nachhaltige Versorgung mit Rohstoffen sicherstellen. Dies wird auch von den EU-Zielen beeinflusst, die eine vollständige Umstellung der Kraftfahrzeuge auf Elektroantrieb bis 2035 vorsehen.

Das Interview mit Dr. Jan Rudloff wurde im Juli 2025 geführt.

Kontakt:

Koordinierungsstelle für Kreislaufwirtschaft, Energieeffizienz und Klimaschutz im Betrieb (KEK)