Interview mit Anna Trawnitschek

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Anna Trawnitschek arbeitet als Projektmanagerin beim DIN, dem Deutschen Institut für Normung, im Bereich Nachhaltigkeit. In ihrer Arbeit geht es um alle Themen, die Normung und Circular Economy sowie Dekarbonisierungsanstrengungen verbinden. Beim DIN betreut Trawnitschek ein breites Spektrum an Projekten wie Ökodesign, vergleichbare Carbon Footprints und Remanufacturing. Mit einem akademischen und beruflichen Hintergrund in den Bereichen Wirtschaft und Produktdesign bringt sie verschiedene Perspektiven zum Thema ein.

Portraitfoto von Anna Trawnitschek

Welche Rolle spielen Normen und Standards für die praktische Umsetzung der Circular Economy?

Normen und Standards sind entscheidend für die Umsetzung der Circular Economy, da sie ein einheitliches Verständnis fördern und technische Hürden abbauen. Sie tragen dazu bei, Terminologie und Schnittstellen zu vereinheitlichen. Damit wird eine klare Kommunikation und ein geeigneter Informationsaustausch zwischen den verschiedenen Marktakteuren im Kreislauf sichergestellt, z. B. durch Anforderungen an recyclingfähige Produkte und eindeutige Materialklassifizierung für Hersteller und Recycler.
Darüber hinaus unterstützen Normen und Standards dabei, eine breite gesellschaftliche Akzeptanz von zirkulären Produkten zu erreichen, die wiederum Voraussetzung dafür ist, dass zirkuläre Angebote ein wirtschaftliches Erfolgsmodell werden.

Wie entstehen eigentlich Normen für die Circular Economy und wie können auch kleine und mittlere Unternehmen sich beteiligen? Woran erkennt man den Bedarf für Normierung?

Normen entwickeln diejenigen, die sie später anwenden. Normen entstehen durch einen Konsensprozess, an dem Vertreter*innen aus Wirtschaft, Wissenschaft, öffentlicher Hand und Zivilgesellschaft beteiligt sind. Das Thema Circular Economy wird im Arbeitsausschuss NA 172-00-20 AA “Circular Economy” des DIN-Normenausschusses Grundlagen des Umweltschutzes (NAGUS)(DIN-Normenausschusses Grundlagen des Umweltschutzes (NAGUS)) behandelt. Dieser organisiert die deutsche Spiegelarbeit zu den Aktivitäten des ISO/TC 323 und CEN/TC 473 im Bereich der Kreislaufwirtschaft. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) können sich aktiv in den Normungsprozess einbringen, indem sie Expertinnen und Experten in die entsprechenden Gremien entsenden. Bei DIN gibt es einen KMU-Rat, dessen Ziel es ist, die Beteiligung von KMU an Normungsprozessen zu erleichtern und sicherzustellen, dass ihre Interessen wirksam und ausgewogen vertreten werden.

Der Bedarf für Normung wird erkannt, indem bestehende Regelwerke analysiert und Lücken identifiziert werden. Die Normungsroadmap Circular Economy beispielsweise beleuchtet, welche Normen und Standards es bereits gibt, beschreibt Anforderungen und Herausforderungen und formuliert konkrete Handlungsbedarfe für zukünftige Normen und Standards. Entwickelt wurde die Roadmap von DIN, DKE und VDI gemeinsam mit dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz.

  • Übersicht zur Normungsroadmap

    Abbildung 26 aus der Normungsroadmap Circular Economy | DIN, DKE, VDI. R-Strategien für Kunststoffe und Entscheidungspunkte für die Recyclingfähigkeit

Können Sie uns Beispiele für konkrete DIN-Normen geben, die sektorspezifische Hindernisse der Circular Economy beseitigen oder zukünftig beseitigen sollen?

Ein Beispiel für eine internationale Norm ist die ISO 59020 “Circular Economy – Messen und Bewerten der zirkulären Leistung”, die allgemeinen Rahmenbedingungen zur Messung der Zirkularität unter Berücksichtigung der Nachhaltigkeit spezifiziert.
Zudem gibt es Normenreihen wie DIN EN 18120, die sich mit der recyclingorientierten Gestaltung von Kunststoffverpackungsprodukten befassen. Diese Normen sollen dazu beitragen, die Recyclingfähigkeit von Verpackungen zu verbessern und somit sektorspezifische Hindernisse in der Verpackungsindustrie zu beseitigen.

Für das Gelingen der Circular Economy können wir Deutschland nicht isoliert betrachten. Wie arbeitet das DIN mit anderen internationalen Organisationen zusammen, um globale Standards für die Circular Economy zu entwickeln und zu harmonisieren?

DIN vertritt die deutschen Interessen in der europäischen Normung bei CEN (Europäischen Komitee für Normung) und in der internationalen Normung bei ISO (Internationale Organisation für Normung). Etwa 85 % aller Norm-Projekte haben heute einen europäischen bzw. internationalen Hintergrund. Internationale Normen stellen eine gemeinsame technische Sprache zwischen Handelspartnern dar und fördern somit den weltweiten Handel.

Das Interview mit Anna Trawnitschek wurde im März 2025 geführt.

Kontakt:

Koordinierungsstelle für Kreislaufwirtschaft, Energieeffizienz und Klimaschutz im Betrieb (KEK)