Interview mit Angela Blume und Carl-Ernst Forchert

Mann trägt Kiste,befüllt mit Elektronik zum recyceln

ReLioS e.V. ist ein Zusammenschluss engagierter Unternehmen, Partnern der Wissenschaft und Interessierten, die für die anstehenden Aufgaben der Kreislaufwirtschaft von Lithium-Ionen Batterien und künftiger Technologien Lösungen entwickeln.

Portraitfotos von Angela Blume und Carl-Ernst Forchert

Warum hat sich der ReLioS e.V. gegründet und an wen richtet sich das Netzwerk?

ReLioS e.V. ist als internationales ZIM-Netzwerk gestartet. Hier haben sich Unternehmen und Wissenschaft zusammengefunden, um gemeinsam an Aufgabenstellungen rund um das Thema Reuse und Recycling von Lithium Batterien zu arbeiten. Die Protagonisten haben bereits früh erkannt, dass hier Handlungsbedarf besteht – sowohl bei den Recyclingverfahren als auch bei den Rahmenbedingungen. Nachdem die Förderung ausgelaufen ist, wurden die Aktivitäten in einen Verein überführt. Jeder, der an der Batteriewertschöpfungskette partizipiert – von der Materialgewinnung bis zum Reuse und Recycling – kann sich bei ReLioS einbringen.

  • Partner zusammenführen um gemeinsam
  • technische Lösungswege anzubieten
  • Innovations-Projekte durchzuführen und gemeinsam
  • Standpunkte vertreten

Das Netzwerk beruht auf den persönlichen Kontakten und Beziehungen zwischen den engagierten Mitgliedern.

Der ReLioS e.V. richtet sich an diejenigen, die ein Wertschöpfungsinteresse in der Batteriewirtschaft haben und Lösungen zu konkreten Aufgaben- und Problemstellungen anbieten bzw. suchen.

Das ReLioS-Netzwerk hat nicht nur regionale und nationale Partner, sondern auch Partner aus Südkorea. Warum ist internationale Zusammenarbeit und speziell die Verbindung zu Südkorea so relevant für Ihre Arbeit?

Südkorea ist uns in Sachen Batterien einige Jahre voraus, sowohl bei der Herstellung als auch bei den Verwertungs- bzw. Aufbereitungsprozessen. Unsere Kontakte bestehen seit 2012. Seither erfolgt ein regelmäßiger Austausch, der 2018 in eine konkrete Zusammenarbeit im ReLioS gemündet ist. Durch den regelmäßigen Austausch und die Betrachtung der Themenstellung aus unterschiedlichen Blickrichtungen können Bedarfe besser identifiziert und gemeinsam Potenziale gehoben werden. Die geografische Entfernung ist dabei kein Hinderungsgrund für die Kooperation, da wir gemeinsame Werte und vernetzte Märkte haben.

Die Aufgaben der Batterienachnutzung sind nicht nur auf Deutschland und Korea beschränkt. Hier sind wir offen für weitere Partner aus der EU.

  • Gebrauchtbatterien im Jeju Technopark, Südkorea

    Gebrauchtbatterien im Jeju Technopark, Südkorea

Welche technologischen Innovationen sehen Sie aktuell als besonders vielversprechend im Bereich des Batterierecyclings? Ergeben sich durch die Entwicklung neuer Batterietypen – jenseits Lithium-Ionen – neue Anforderungen an das Batterierecycling?

Die bisher etablierten Recyclingwege sind sehr energie- bzw. rohstoffintensiv, die Einträge in die Umwelt sind nach wie vor zu hoch. Hier werden energieeffizientere und “saubere” Lösungen gesucht. Vielversprechend sind Verfahren des Funktionalen Recyclings, wie sie bspw. von der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg mit ihren Praxispartnern entwickelt werden.
Eine aktuelle Herausforderung stellt die Verfahrensentwicklung für Lithium-Eisen-Phosphat-Zellen (LFP) dar, da diese nur aus vergleichsweise geringen Mengen werthaltiger Stoffe bestehen. Der Schwerpunkt hier liegt auf der Wiedergewinnung des Lithiums.
Zukünftige Herausforderungen bestehen im Recycling von Natrium-Ionen Batterien. Auch hier ist ein Recycling aus ökologischen Gründen angezeigt.Gemäß eingeführter EU-Batterieverordnung verpflichtend.
Grundsätzlich sind für jede neue Zellchemie eigene Recyclingverfahren zu entwickeln. Jede Zusammensetzung hat ihre Spezifika und erfordert andere Herangehensweisen. Das macht es für eine Verfahrensentwicklung im Vorfeld so schwierig, denn für eine Wirtschaftlichkeit müssen bestimmte Mengen sichergestellt sein.

Aus der EU-Batterieverordnung folgt, dass 2027 der Batteriepass verpflichtend eingeführt werden soll, der Informationen zu Zusammensetzung und Herstellung der Batterien enthält. Gilt das für alle Batterien? Welchen Einfluss wird das auf den Batterierecyclingmarkt haben?

Bereits am 18.2.2024 trat die EU-Batterieverordnung (Verordnung (EU) 2023/1542) in Kraft. Diese gilt für alle Batterietypen – einschließlich Geräte-, Auto-, Industrie- und Elektromobilitätsbatterien. Diese neuen Regeln erweitern die Pflichten für Hersteller und Produzenten von Batterien, die sogenannte erweiterte Herstellerverantwortung (EPR). Die ERP macht die Hersteller rechtlich für das Altbatteriemanagement (Sammlung, Recycling und sichere Entsorgung gebrauchter Batterien) der von ihnen in den Verkehr gebrachten Produkte verantwortlich.
Gegenwärtig ist das Aufkommen von gebrauchten Batterien noch vergleichsweise gering, daher hat sich der Markt für Gebrauchtbatterien und Zwischenprodukten des Recyclings, bspw. Black Mass, noch nicht entwickelt. Das wird sich jedoch absehbar in den nächsten Jahren grundlegend ändern. Zudem wird in der Batterieverordnung ab 2031 ein Mindestanteil von recycelten Rohstoffen bei der Herstellung von Neuzellen gefordert. Dies eröffnet Chancen für diejenigen, die sich mit entsprechenden Verfahren in Stellung gebracht haben. Bereits heute wird erkennbar, dass um das Zwischenprodukt Black Mass ein globaler Wettbewerb entbrennt.
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  • Batteriewertschöpfungskreislauf

    Batteriewertschöpfungskreislauf

Wir blicken mit unseren Interviewpartnern immer gerne auch auf administrative und regulatorische Hürden, die zirkuläres Wirtschaften erschweren. Welche konkreten Vorschriften sollten angepasst, hinzugefügt oder gestrichen werden, um den Batterierecyclingmarkt zu stärken?

Transparenz ist hier an erster Stelle zu schaffen: welches sind genau die Inhaltsstoffe der Batterien und wie können sie effizient de-montiert und re-manufactured werden. Auch ist für eine verlässliche Inspektion des Leistungsvermögens (state-of-health SoH) der Zugang zum Batterie-Management-System BMS seitens der Automobilhersteller zu gewähren.

Gebrauchte Batterien und deren Recycling-Zwischenprodukte (z.B. Black Mass) unterliegen hierzulande noch dem Abfallrecht und sind oft als Gefahrgut zu handhaben. In Korea wird seit kurzem Black Mass, die gezielt zur Rohstoffgewinnung eingesetzt wird, nicht mehr als Abfallstoff, sondern als sekundärer Rohstoff behandelt.
Aus Sicht der Logistiker wären transparente Deklarationen über die zu transportierenden Gebrauchtbatterien bzw. Recycling-Zwischenprodukte sehr hilfreich. Zusätzlich wird die Lagerung von Batterien uneinheitlich gehandhabt. Während bundesweit die Regelungen zum Transport nach den UN-Vorschriften einheitlich geregelt sind, ist die Lagerung von Batterien,
Gebrauchtbatterien und Recycling-Zwischenprodukten kaum geregelt bzw. es bestehen je nach Bundesland unterschiedliche Regelungen. Aufgrund der Neuheit der Aufgabenstellung hat sich hier noch kein “Stand der Technik” herausgebildet, nach denen Batterien sicher gelagert werden sollten. Es gibt unterschiedliche Anforderungen je nach Bundesland, z. B. zu Brandschutz, Lagerdauer, Mengenbegrenzungen und baulichen Anforderungen, die zu unterschiedlichen Risikobewertungen der Versicherer führen. Diese Unterschiede führen in der Praxis zu Unsicherheiten und erhöhtem Aufwand für Betreiber von Sammelstellen, Recyclinganlagen und Logistikzentren.

Das Interview mit Angela Blume und Carl-Ernst Forchert wurde im Juli 2025 geführt.

Kontakt:

Koordinierungsstelle für Kreislaufwirtschaft, Energieeffizienz und Klimaschutz im Betrieb (KEK)