Warum ist der Einkauf aus deiner Sicht einer der wichtigsten Hebel für Kreislaufwirtschaft?
Der Einkauf ist der systemische Gatekeeper – er entscheidet, ob Ressourcen überhaupt in den Kreislauf kommen oder linear entsorgt werden.
Mit einem jährlichen Beschaffungsvolumen von über 350 Milliarden Euro im öffentlichen Sektor hat jede Ausschreibung Marktgestaltungsmacht: Wer Reparierbarkeit, Modularität und Rücknahmekonzepte fordert, zwingt Hersteller zur Innovation. Gleichzeitig ist der Einkauf der unterschätzte Bestandsmanager – das größte Potenzial nicht zuerst im “grüneren Neukauf”, sondern in der intelligenten Weiternutzung vorhandener Ressourcen. Die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) und die Berliner Kreislaufwirtschaftsstrategie (BKWS) schaffen jetzt u.a. für eine nachhaltige und auch zirkulärere Beschaffung den regulatorischen Rückenwind. Der Einkauf wird damit vom Kostenfaktor zum strategischen Transformationstreiber – mit direkter Wirkung auf CO₂-Bilanz, Budgets und Versorgungssicherheit. Der Einkauf entscheidet nicht nur, was beschafft wird – sondern ob überhaupt beschafft werden muss.