Interview mit Ali Al-Hakim

Boreal Light Anlage in Botswana

Boreal Light Anlage in Botswana

Wasser ist eine der wichtigsten Ressourcen unserer Zeit und vielerorts Mangelware. Boreal Light setzt auf solarbetriebene Entsalzungssysteme, die aus Brack- und Salzwasser sauberes Trinkwasser gewinnen. Die Technologien versorgen Gemeinden, Schulen und Krankenhäuser mit Wasser und schaffen zugleich wirtschaftliche Perspektiven vor Ort. Welche Rolle dabei Wasserkioske, Kreislaufwirtschaft und neue industrielle Anwendungen spielen, verrät Co-Gründer Ali Al-Hakim im Interview.

die beiden Gründer von Boreal Light vor einer ihrer Anlagen

Die Gründer Ali Al-Hakim und Dr. Hamed Beheshti

Wie funktionieren Ihre Wasserentsalzungsanlagen und wieviel Wasser wird dadurch bereitgestellt?

Unsere Anlagen können zu 100 % mit Solarstrom (Off-Grid) betrieben werden und nutzen fortschrittliche Umkehrosmose-Technologie, um Brack- oder Salzwasser in hochwertiges Trinkwasser zu verwandeln. Da wir auf teure Batterien verzichten und den Strom direkt nutzen, wenn die Sonne scheint, sind die Anlagen extrem wartungsarm und kosteneffizient. Je nach Anlagengröße und Sonneneinstrahlung können unsere Systeme zwischen 2.000 und über 100.000 Liter sauberes Wasser pro Tag bereitstellen.

In welchen Regionen werden die BorealLight-Anlagen bereits genutzt? Wer sind bedeutende Abnehmer?

Unser Hauptfokus liegt auf Regionen in Subsahara-Afrika (insbesondere Kenia, Tansania Somalia) und Lateinamerika, wo der Zugang zu sauberem Trinkwasser oft stark limitiert ist. Zu unseren bedeutenden Abnehmern und Partnern gehören lokale Communities, Schulen, Krankenhäuser sowie internationale Hilfsorganisationen und NGOs, die eine langfristige und krisensichere Infrastruktur aufbauen wollen. In letzter Zeit kommen sehr viele Anfragen aus Südeuropa sowie aus arabischen Ländern, insbesondere den Golfstaaten.

boreal light water kiosk foto kenia

Wasserkiosk in Kenia

Ihre “Wasserkioske” haben vor Ort in den Einsatzgebieten ja auch enormen sozialen Impact. Welche Rolle spielen hier nachhaltige Entwicklung und Versorgungssicherheit in den Einsatzregionen?

Sie spielen die Hauptrolle. Ein “Water Kiosk” ist weit mehr als nur eine Zapfstelle, er sichert die Lebensgrundlage vor Ort. Durch den extrem günstigen Preis für das Wasser entlasten wir Familien finanziell und verbessern die Gesundheit drastisch (weniger wasserübertragbare Krankheiten). Zudem schaffen die Kioske Arbeitsplätze vor Ort – oft betrieben von Frauen oder Jugendgruppen – und liefern neben Trinkwasser auch Strom zum Laden von Mobiltelefonen oder für die lokale Landwirtschaft (Fischzucht/Bewässerung). Das stärkt die Resilienz der gesamten Community nachhaltig. Wir haben auch festgestellt, dass sie -nachdem die tägliche Wasserbeschaffung nicht mehr notwendig ist – mehr Zeit haben, um anderen Aktivitäten nachzugehen, z.B die Schule besuchen etc.

Wie integrieren Sie Prinzipien der Kreislaufwirtschaft? Sind die Anlagen modular aufgebaut?

Ja, unsere Anlagen sind absolut modular und im “Plug-and-Play”-Prinzip aufgebaut. Das macht sie extrem flexibel, leicht transportierbar und einfach zu skalieren. In Sachen Kreislaufwirtschaft achten wir darauf, dass die Komponenten langlebig und reparierbar sind. Zudem nutzen wir das Konzentrat (das salzigere Restwasser aus der Filterung) in vielen Projekten sinnvoll weiter, statt es ungenutzt abzuführen, beispielsweise für die Fischzucht oder zur Bewässerung salztoleranter Nutzpflanzen.

Ist es geplant, Ihre Technologie zu nutzen, um mit Industrieunternehmen zusammenzuarbeiten, z.B. auch in Berlin?

Absolut- wir sind sehr offen für Kooperationen mit Industrieunternehmen und hoffen, dass wir mal eine Entsalzungsanlage für die Stadt Berlin produzieren, aber auch für autarke Notversorgungssysteme direkt hier in der Region. Wir haben letztes Jahr unsere Scherbeneisanlage bei einem Metzger in Wedding installiert- er benötigt es, um Wurst zu produzieren. Ansonsten haben wir unsere Wasserentsalzungsanlagen im Hotelsektor (z.B in Nicaragua), Landwirtschaft, Krankenhäuser und Fleischsektor (z.B Hühnerfarm in Mexico) installiert.

Das Interview mit Ali Al-Hakim wurde im Juni 2026 geführt.

Kontakt:

Koordinierungsstelle für Kreislaufwirtschaft, Energieeffizienz und Klimaschutz im Betrieb (KEK)