Auf dem Berliner Kunstmarkt die Weichen für die Zukunft stellen

Pressemitteilung vom 26.04.2022

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Bestandsaufnahme und Bedarfserhebung erschienen: Digitale Geschäftsmodelle und Strategien der Kunstmarktakteure auf dem Prüfstand

Die Präsentation von Kunst im analogen Raum verlangt stärker denn je eine digitale Erweiterung. Diesen Trend hat die Corona-Pandemie deutlich verstärkt. Damit Berlin auch künftig als nationale und internationale Kunst-Metropole attraktiv und wettbewerbsfähig bleibt, braucht der Kunstmarkt eine noch stärkere digitale Professionalisierung.

Diese Ergebnisse zeigt die Bestandsaufnahme „Digitalisierung im Berliner Kunstmarkt“, die im Vorfeld des Berliner Gallery Weekends am heutigen Dienstag, den 26. April, in der Berliner Galerie Tho­mas Schulte erstmals vorgestellt wurde. Die Bestandsaufnahme entstand im Auftrag der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe/ Projekt Zukunft zusammen mit dem Landesverband Berliner Galerien als Impuls- und Ideengeber und dem Beratungs- und Forschungsunternehmen Goldmedia.
„Mit der Bestandsaufnahme haben wir den Status Quo, Best Practice Beispiele sowie die Bedarfe der Galerien im Themenfeld Digitalisierung analysiert. Galerien haben in den letzten zwei Jahren verstärkt begonnen, neue digitale Formate in Marketing und Distribution zu erproben. Auch immer mehr blockchain-basierte Kunst entsteht in Berlin. Die Ergebnisse der Befragungen helfen den Galerien, ihre Budgets wirkungsvoll zu investieren und uns, bedarfsgerechte Unterstützungsmaßnahmen zu entwickeln, erklärt Stephan Schwarz, Senator für Wirtschaft, Energie und Betriebe.

Die Bestandsaufnahme basiert auf einer Befragung aller Berliner Galerien, Auktionshäuser und Messeveranstalter:innen sowie auf zahlreichen Gesprächen mit nationalen und internationalen Galerist:innen, Auktionshäusern, Art&Tech-Unternehmen sowie weiteren Branchen-Expert:innen zwischen September und Dezember 2021.

Berlin ist nach wie vor der größte Galerien-Standort Europas

Laut Befragung gab es 2021 in Berlin insgesamt 345 Galerien. Die meisten von ihnen haben eine lange Tradition, sie beschäftigen in der Regel zwei bis fünf Mitarbeiter:innen. Die Jahresumsätze der Galerien sind sehr heterogen und reichen von weniger als 20.000 bis mehr als 2 Mio. Euro (2019). Trotz Pandemie konnten 2020 immerhin 46 Prozent der befragten Galerien ihre Umsätze halten oder sogar steigern. Dies gelang oftmals durch die frühzeitige Einführung digitaler Initiativen.

Galerist:innen erwarten starken Zuwachs bei Digital-Umsätzen

Die Hälfte der Berliner Galerien bezifferte ihren Digital-Umsatz im Pandemie-Jahr 2020 noch bei weniger als 10 Prozent. 13 Prozent der Galerien erzielten aber bereits mehr als 50 Prozent der gesamten Jahreserlöse digital. Der Digital-Umsatz wird künftig deutlich zulegen, wobei die Grenzen zwischen digitalem und nicht digitalem Verkauf weiter aufweichen.
Noch sind die eingesetzten Budgets für digitale Maßnahmen, z. B. Online-Werbung oder Onlineshop, gering. 2020 lagen sie bei zwei Dritteln der Berliner Galerist:innen unter 5.000 Euro. Aber schon für 2021 prognostizierten die befragten Galerien eine Steigerung um bis zu 20 Prozent.

Bedürfnisse der Digital Natives fordern Galerien heraus

Die Galerien müssen sich künftig noch stärker an den gewandelten Bedürfnissen und digitalen Erfahrungen der Kund:innen orientieren. Sie werden neben ihrer traditionellen Funktion als Kurator und Vermittler von Kunst stärker gängige E-Commerce- und Online-Service-Angebote, attraktive Social Media-Präsenzen oder Messeauftritte integrieren. Dennoch bleiben nach Meinung der befragten Expert:innen auch der direkte Kontakt und die persönliche Beratung weiter wichtig.

Trends und Potenziale: NFTs könnten eine zusätzliche Kunstform werden

Digitale Eigentumszertifikate wie NFTs und Kryptowährungen via Blockchain haben das Potenzial, den Kunstmarkt transparenter, demokratischer und dezentraler zu machen. Auch Fraktionalisierung von Kunst wird ermöglicht. Allerdings bewerten Expert:innen die zukünftige Bedeutung von NFTs aktuell recht unterschiedlich, vor allem aufgrund vieler offener rechtlicher Fragen.

Die Berliner Galerien sind ein wichtiger Standortfaktor für die Hauptstadt

Die Befragung ermittelte eine Reihe von Maßnahmen, wie die Berliner Galerien auch künftig erfolgreich agieren können. Wichtig sind z. B. bedarfsgerechte Beratungsangebote für notwendige Digitalisierungsschritte, generationsübergreifende Vernetzung der Akteure sowie mehr Investitionen in Digital-Fachkräfte. Zudem kann ein konzentriertes Standortmarketing mit dem Fokus „Berliner Galerien“ oder „Kunstmarkt Berlin“ als Brand positiv wirken. Viele bestehende und neu geschaffene Förderprogramme sowie Anlaufstellen des Landes wie die Digitalprämie, die Digitalagentur sowie Innovationsassistenten sind auch für Unternehmen der Kunstmarktbranche nutzbar.

Hintergrund

  • Die Bestandsaufnahme Digitalisierung im Kunstmarkt wurde im Auftrag der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe/ Projekt Zukunft und gemeinsam mit dem Landesverband Berliner Galerien in der Zeit von Juli bis November 2021 von der Goldmedia GmbH durchgeführt. Vor dem Hintergrund der Pandemie erhebt die Studie, wie verbreitet und erfolgreich digitale Maßnahmen auf dem Berliner Galerienmarkt sind, welche Online Sales-Formate genutzt werden und welche zukünftige Rolle Galerien einnehmen werden. Auch aktuelle Trends und relevante Entwicklungen der digitalen Kommunikation und Distribution im Kunstmarkt sind Teil der Erhebung. Basis der Bestandsaufnahme war eine standardisierte Online-Befragung unter allen Berliner Kunstmarktakteur:innen, eine qualitative Befragung wichtiger Akteur:innen und Visionär:innen der internationalen Kunst- und Technologieszene sowie umfangreiche Best Practice-Recherchen.
    Das Projekt wurde gefördert aus Mitteln der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe/ Projekt Zukunft sowie des EFRE- Fonds.