Sehenswürdigkeiten

Schloss Schönhausen

Das barocke Schloss Schönhausen in Berlin Pankow war mehrmals Schauplatz wichtiger historischer Ereignisse.
Schloss Schönhausen
© SPSG/Leo Seidel

Das Schloss im Norden Berlins ist ein besonderes Museum, das in ungewöhnlicher Weise die Veränderungen durch seine wechselnden Besitzer dokumentiert. Erinnert wird an den Beginn durch die preußische Adelsfamilie zu Dohna, das stilprägende halbe Jahrhundert unter der preußischen Königin Elisabeth Christine – Gemahlin Friedrichs des Großen – und die vier Dekaden als Präsidentensitz und Gästehaus der DDR. Nicht zuletzt finden sich auch Spuren aus der Zeit des Kurfürsten Friedrich III., der im Schloss Schönhausen mit den Unterhändlern des Kaisers über eine historische Veränderung des europäischen Machtgefüges verhandelte: seine Krönung zum "König in Preußen".

Die Anfänge des Schloss Schönhausen

Das erste Gebäude errichteten der Burggraf Christian Albrecht von Dohna (1621–77) und seine holländische Gattin Sophie Theodore von Brederode (1620–78). Ihr "petit palais" entstand 1664–65 und befand sich höchstwahrscheinlich gegenüber dem heutigen Schloss. Das Paar pflegte ein sehr freundschaftliches Verhältnis zum Landesherrn, verband sie doch beide die Verwandtschaft mit dem Haus Oranien in den Niederlanden.

Schlossmuseum im Schloss Schönhausen

Im Schlossmuseum ist heute das kostbare Inventar der bedeutenden Adelsfamilie Dohna aus ihrem ehemaligen Palast in Schlobitten (Ostpreußen) ausgestellt. Zu sehen sind wertvolle Möbel, Gemälde und Textilien sowie Kunstgewerbe aus drei Jahrhunderten.

Baugeschichte des Schloss Schönhausen

Die Baugeschichte des Schlossgebäudes beginnt, neuesten Forschungen nach, 1685, als sich Oberhofmarschall Joachim Ernst von Grumbkow auf dem Jahre zuvor erworbenen Dohna-Anwesen einen Neubau errichten ließ. Dieses kleine, hufeisenförmige Haus verbirgt sich noch heute im Schloss, erkennbar an den sieben mittleren Fensterachsen an der Gartenfront. Der brandenburgische Kurfürst Friedrich III. (1657–1713), der 1688 die Kurwürde übernommen hatte, erinnerte sich wohl an die Familientreffen mit den befreundeten Dohnas in Schönhausen und kaufte 1691 nach dem Tod Grumbkows das dreigeschossige Gutshaus.

Schloss Schönhausen im Besitz der Hohenzollern

Fortan blieb es bis 1918 im Besitz der Hohenzollern. Der baufreudige Herrscher ließ den Neuerwerb durch seine Architekten Johann Arnold Nering und Johann Friedrich Eosander von Göthe zu einem seiner 20 Lustschlösser ausbauen.

Schönhausens Architekten: Nering und Göthe

Von Nering stammen die Stuckdecken im ersten Obergeschoss, an der Gestaltung der Gartenfassade waren beide Architekten beteiligt. Die drei rundbogigen Fenster, gegliedert durch Pilaster, ähneln stark der Fassade des Schlosses Charlottenburg, wo Nering und Göthe zur gleichen Zeit beschäftigt waren.

Geheime Sitzungen im Schloss Schönhausen

Um 1700 war Schloss Schönhausen Schauplatz eines diplomatischen Kabinettstücks: Hier fanden die geheimen Verhandlungen über die Schaffung einer neuen Krone in Europa statt. Da ein Königreich Brandenburg auf dem Gebiet des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation unmöglich war, Preußen hingegen außerhalb des Reiches lag, einigte man sich in Schönhausen mit den kaiserlichen Emissären auf den Titel eines "Königs in Preußen". So krönte sich Kurfürst Friedrich III. am 18. Januar 1701 in Königsberg zum König Friedrich I.

Die preußische Königin im Schloss Schönhausen

Das taktische Etikett Preußen war längst zur Marke des gesamten brandenburgischen Territoriums geworden, als 1740 Königin Elisabeth Christine (1715–97) in das Palais einzog. Der Ehefrau Friedrichs des Großen verdankt das Schloss Schönhausen seine heutige Größe und Gestaltung. Die preußische Königin litt unter der bis an Demütigung grenzenden Missachtung ihres Gatten und der königlichen Familie. Nach seiner Thronbesteigung 1740 ließ Friedrich II. (1712–86) seine Frau nicht mehr an seinem Leben teilhaben und schob sie regelrecht nach Schönhausen ab.

In seinem eigenen Reich Sanssouci in Potsdam standen ihr nicht einmal Räume zur Verfügung. Als Paar erschienen sie nur zu offiziellen Terminen. Unseligerweise war Elisabeth Christine, Tochter des Herzogs Ferdinand Albrecht II. von Braunschweig-Bevern, aus einem anderen Holz geschnitzt als Friedrich. Charakterisiert wird sie als kontaktscheu, bieder und fromm – so ganz nach dem Geschmack des religiösen Vaters Friedrichs, der sie als Braut für den störrischen Thronfolger ausgewählt hatte. Ihre ersten gemeinsamen Jahre in Rheinsberg verlebte das junge Paar, obschon die Hochzeit am 12. Juni 1733 wie unter dem Hochadel damals üblich ein Arrangement war, wider Erwarten in unbeschwerter Harmonie: Die Prinzessin verliebte sich in den Prinzen, und dieser schwärmte von den leiblichen Freuden.

Friedrich der Große und die Königin von Preußen

Aus dieser Zeit sind die einzigen Äußerungen Friedrichs des Großen von körperlicher Leidenschaft zu einer Frau überliefert. Der berühmte Monarch hatte ansonsten eine tiefe Abneigung dem weiblichen Geschlecht gegenüber. Seine mächtigen Widersacherinnen in Wien, Paris und Sankt Petersburg – Kaiserin Maria Theresia, Madame Pompadour und Zarin Elisabeth – nannte er die "drei Erzhuren Europas". Und über seine eigene Ehe urteilte er später: "(König) Salomo besaß einen Harem von tausend Frauen und glaubte, nicht genug zu haben; ich habe nur eine, und das ist noch zuviel für mich." Spöttisch nannte Friedrich seine Gemahlin "die Stumme". Am Ende erfüllte die Ehe nicht einmal ihren Zweck – sie blieb kinderlos.

Bestehen der Hohenzollern-Dynastie

Für den Fortbestand der Hohenzollern-Dynastie musste deshalb Friedrichs ältester Bruder August Wilhelm (1722–58) sorgen, der ebenfalls eine Prinzessin aus dem Hause Braunschweig- Bevern heiratete (1742). So übernahm schließlich die Schwester der Königin, Luise Amalie (1722–80), die Rolle, den Thronfolger auf die Welt zu bringen. Das Schloss, welches Elisabeth Christine 1740 von Friedrich geschenkt bekam, war zu Beginn sehr bescheiden. Zeitgenossen rümpften die Nase, und Gäste mokierten sich, das mickrige Anwesen im fernen Schönhausen sei unwürdig für die Königin von Preußen. Schon die Entourage der Landesherrin aus 50 Personen während der Sommermonate unterzubringen war ein kleines Kunststück.

Umbauarbeiten am Schloss Schönhausen

Das größere Kunststück vollbrachte Elisabeth Christine jedoch über die Jahrzehnte, indem sie mit spärlichen Geldmitteln und ideenreicher Improvisation den größtmöglichen Effekt erreichte. Die einer Königin angemessene Pracht erhielt das Palais nach Ende des Siebenjährigen Krieges, während dem das Sommerdomizil geplündert worden war. Ab 1763 wurde der Altbau durch Oberbaudirektor Johann Michael Boumann d. Ä. (1706–76) auf seine heutige Größe verdoppelt. Im Zuge dieser Umbauarbeiten entstand auch das Treppenhaus mit seiner elegant geschwungenen, doppelläufigen Treppe. Mit Hilfe hervorragender Baukünstler schuf sich Elisabeth Christine nicht bloß ihr persönliches Refugium.

Rolle der Frauen beim Bau von Schlössern

Bei den Schlösserbauten in Europa waren die Frauen des Adels bedeutende Akteurinnen. Vor allem für die Innenraumgestaltung waren sie verantwortlich, ihre eigenen Lustschlösser konnten sie frei nach den eigenen Ideen einrichten und dekorieren. Dabei galt es, auf dem neuesten Stand der aktuellen, internationalen Moden in Architektur und Kunst zu sein, denn das Interieur war im Absolutismus stets prestigeträchtiges Aushängeschild. So entfaltet sich im Schloss, was die leisen Töne der Fassade nicht vermuten lassen: das lebensfrohe Formenspiel und die beschwingte Ornamentik des Rokoko.

Innenausbau und Dekor von Schloss Schönhausen

Im 1764 erschaffenen Festsaal im ersten Geschoss zauberte der junge Stuckateur Johann Michael Graff eine exzellente Raumdekoration des späten Rokoko. Der begabte Modelleur arbeitete später auch am Warschauer Schloss. Der Wohnbereich der Königin lag im Erdgeschoss, welches heute vollständig im Stil Elisabeth Christines rekonstruiert ist. Neben dem zentralen Gartensaal, wo Diners und kleinere Konzerte stattfanden, lagen die Privaträume der Königin. Dazu gehörte auch die Zederngalerie – ein langgestreckter Saal, komplett mit dem kostbaren Holz vertäfelt und mit Spiegeln in Silberrahmen ausgestattet.

Die Vorkammer am anderen Ende des Schlosstraktes zeigt mit französischen Tapeten und klassizistischen Möbeln den Geschmack der 1790er Jahre. Die trendbewusste Elisabeth Christine ließ einige Räume noch als betagte Witwe mit kostbaren chinesischen Tapeten dekorieren. Der extravagante Wandschmuck aus dem späten 18. Jahrhundert ist heute noch erhalten und im Schloss zu sehen.

Bewohnerinnen des Schloss Schönhausen

Zusammen mit Elisabeth Christine lebten auch ihre Schwester Luise Amalie und Wilhelmine von Hessen-Kassel (1726–1808), verheiratet mit Friedrichs jüngerem Bruder Heinrich, zeitweise in Schönhausen. Alle drei Frauen verband das Los einer unglücklichen Ehe. Elisabeth Christine, die verschmähte Königin, verbrachte auch als Witwe die Sommermonate in Schönhausen, bis sie schließlich im Januar 1797 im Berliner Stadtschloss starb.

Schloss Schönhausen wird zum Schloss in Niederschönhausen

Ein weiterer Teil des Museumsschlosses ist dem Kapitel der jüngsten Geschichte Deutschlands gewidmet. Vielen ist die Residenz noch als „Schloss in Niederschönhausen“ in Erinnerung, als Gästehaus der DDR-Führung und Synonym für die uneingeschränkte Herrschaft der SED. 1949 wählten die kommunistischen Machthaber das Gebäude als Sitz für den ersten – und zugleich letzten – Präsidenten der DDR, Wilhelm Pieck (1876–1960).

Schlosspark im Schloss Niederschönhausen

Der Schlosspark wurde zu einem abgeschotteten Hoheitsbereich der Obrigkeit. Während sich die Staatsspitze der DDR in Schönhausen einrichtete, vernichtete die SED anderswo das Erbe der Hohenzollern: Die stadtbildprägenden und kunsthistorisch wertvollen Stadtschlösser in Berlin und Potsdam wurden in der Nachkriegszeit dem Erdboden gleichgemacht.

Wilhelm Pieck im Schloss Niederschönhausen

Piecks original erhaltener Arbeitsraum im Obergeschoss ist von biederer Behaglichkeit. Als Mitbegründer der KPD gehörte Pieck seit Beginn der Weimarer Republik zu den radikalen Kräften, die Deutschlands erste Demokratie bekämpften und destabilisierten. Als folgsamer Protegé Stalins schuf er eine DDR im Sinne des sowjetischen Diktators. In dem massigen Schreibtisch des SED Funktionärs verbirgt sich nicht nur ein Radio, sondern auch eine Telefonanlage mit Direktverbindung zum Ministerium für Staatssicherheit.

Ende des Wohnortes Schönhausen

1964–66 entstand der erhaltene Gästetrakt, eine eigentümliche Kombination aus verspielten Stuckaturen des Rokoko und zeitgenössischen Möbelstücken. Kurz bevor das bescheidene Schloss nach der Wiedervereinigung Deutschlands endgültig aus dem Staatsdienst entlassen wurde, logierte nochmals ein gekröntes Haupt in dem Palais: Königin Beatrix der Niederlande weilte hier, als sie 1991 die Bundesrepublik besuchte. So endete die Geschichte des adeligen Wohnortes Schönhausen, wie sie begann: mit einer Aristokratin aus.

Informationen

Adresse: Schloss Schönhausen
Tschaikowskistraße 1
13156 Berlin
Internetadresse: www.spsg.de
Öffnungszeiten: November bis März: Samstag, Sonntag und Feiertag 10 bis 17 Uhr, Besichtigung nur mit Führung
April bis Oktober: Dienstag bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr, Dienstag bis Freitag Besichtigung nur mit Führung, Samstag, Sonntag und Feiertag auch ohne Führung
Eintrittspreise: 6,- Euro, ermäßigt 5,- Euro
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Aktualisierung: 6. April 2017

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(Bilder: Jaron Verlag; dpa; Berlinonbike.de; Berlin WelcomeCard; Ampelmann GmbH; Klicker/pixelio.de; Novotel Suites; Accor; Accorhotels 2012)