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Menschenrechte sind nicht verhandelbar: Landesbeirat ruft zum Protesttag am 5. Mai in Berlin auf

Berlin, 30. April 2026 – Anlässlich des Europäischen Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen am 5. Mai 2026 ruft der Berliner Landesbeirat für Menschen mit Behinderungen zur Teilnahme an der zentralen Demonstration unter dem Motto „Menschenrechte sind nicht verhandelbar“ auf. Ein Motto, das kaum besser zur aktuellen Zeit passen könnte.

Gerade in Zeiten wachsender Haushaltskürzungen und einer politischen Debatte, in der Teilhabe zunehmend unter Kostendruck gerät, ist ein deutliches Signal notwendig: Menschen mit Behinderungen sind keine „Kostenfaktoren“, sondern Trager*innen unveräußerlicher Rechte!

Leistungen und Unterstützungsstrukturen infrage zu stellen, widerspricht dem Anspruch einer inklusiven Gesellschaft und den menschenrechtlichen Verpflichtungen der UN-Behinderten-rechtskonvention in besonderer Weise und steht damit im klaren Gegensatz zu ihrem verbindlichen Auftrag!

Vor diesem Hintergrund wird auch mit Blick auf die Berliner Verwaltung deutlich, dass Anspruch und Realität auseinanderfallen können: Zwar wurde am 28. April 2026 veröffentlicht, dass die Berliner Verwaltung die gesetzliche Beschäftigungsquote für schwerbehinderte Menschen 2023 erfüllt hat , doch gleichzeitig ist das ein Rückgang gegenüber 2022.

Zudem steht ein erheblicher Teil der Beschäftigten kurz vor dem Renteneintritt, während es an ausreichenden Ausbildungs- und Einstiegsmöglichkeiten für junge Menschen mit Behinderungen fehlt. So entwickelt sich schleichend eine Lücke, die nicht nur Teilhabechancen mindert, sondern sich perspektivisch auch auf die Leistungsfähigkeit der Verwaltung auswirkt. Ein Fachkräftemangel wird auf diese Weise mit verursacht, wenn vorhandene Potenziale nicht konsequent gefördert und einbezogen werden.

Der Vorsitzende des Landesbeirats, Thomas Seerig, erklärt: „Menschenrechte sind nicht verhandelbar – auch nicht in Zeiten knapper Kassen. Wer heute bei Inklusion und Teilhabe spart, verschärft die Probleme von morgen. Gerade die öffentliche Verwaltung muss ihrer Vorbildfunktion gerecht werden und endlich stärker in Ausbildung und Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen investieren.“

Die Demonstration am 5. Mai macht diese Forderungen sichtbar und bietet zugleich Raum für Austausch und politische Diskussion.

Im Anschluss an den Demonstrationszug wird am Roten Rathaus eine Petition für ein gerechtes Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) an Politiker und Politikerinnen übergeben und mit Gästen aus Politik und Gesellschaft diskutiert.

Ablauf der Demonstration:
• 15:00 Uhr – Auftakt am Brandenburger Tor
• 15:30–16:30 Uhr – Demonstrationszug zum Roten Rathaus
• ab 16:00 Uhr – Musik und Kundgebung am Roten Rathaus

Der Landesbeirat ruft alle Berliner*innen dazu auf, sich zu beteiligen und gemeinsam ein klares Zeichen zu setzen: Für Menschenrechte, für Teilhabe und für eine inklusive Zukunft.

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Apr. 2026 - Gesetzliche Rente als „Basisabsicherung“

Berlin, 23. April 2026 – Der Berliner Landesbeirat für Menschen mit Behinderungen nimmt mit Befremden die aktuellen Aussagen von Bundeskanzler Friedrich Merz zur zukünftigen Rolle der gesetzlichen Rente zur Kenntnis.

Die Einschätzung, die gesetzliche Rente werde künftig nur noch eine “Basisabsicherung“ darstellen, berührt die Lebensrealität vieler Menschen mit Behinderungen in besonderer Weise. Für sie bildet die gesetzliche Rente häufig die zentrale oder sogar einzige Grundlage der finanziellen Absicherung im Alter.

Der Zugang zum allgemeinen Arbeitsmarkt ist für viele Menschen mit Behinderungen im Vergleich zu nicht behinderten Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen im besonderen Maße erschwert. Strukturelle Barrieren, eingeschränkte Beschäftigungsmöglichkeiten sowie Diskriminierung führen dazu, dass Erwerbsbiografien häufiger unterbrochen sind oder gar nicht erst entstehen. In der Folge können sie seltener die Grundlage für eine ausreichende Altersabsicherung schaffen. Daraus resultieren geringere Einkommen und entsprechend deutlich reduzierte Rentenansprüche.

„Eine sachliche und zukunftsorientierte Diskussion über die Weiterentwicklung des Rentensystems ist notwendig. Dabei muss dringend sichergestellt werden, dass die Perspektiven von Menschen mit Behinderungen systematisch berücksichtigt werden.“, sagt Thomas Seerig, Vorsitzender des Landesbeirats. „Gerade weil wir bereits heute strukturelle Nachteile im Arbeitsmarkt erfahren und unsere Möglichkeiten zur zusätzlichen Altersvorsorge häufig begrenzt sind, haben rentenpolitische Veränderungen für uns eine besonders weitreichende Bedeutung.“

Der Landesbeirat fordert daher, die sozialen Folgen rentenpolitischer Überlegungen differenziert zu betrachten und die Lebensrealitäten von Menschen mit Behinderungen stärker in den Mittelpunkt der politischen und gesellschaftlichen Debatte zu rücken.

Die aktuellen rentenpolitischen Aussagen sieht der Landesbeirat nicht isoliert, sondern als Teil einer sich zuspitzenden Entwicklung im Sozialstaat. Bundesweit wird zunehmend über Einsparungen in zentralen Unterstützungsstrukturen diskutiert – insbesondere bei der Eingliederungshilfe sowie bei der Kinder- und Jugendhilfe.

Diese Entwicklungen betreffen aus Sicht des Landesbeirats ausgerechnet jene Bereiche, die für gesellschaftliche Teilhabe, Schutz und Unterstützung besonders vulnerabler Gruppen unverzichtbar sind. Wenn Leistungen eingeschränkt, Zugänge erschwert oder Unterstützungsangebote reduziert werden, trifft dies vor allem Menschen mit Behinderungen oder Fluchterfahrung, Kinder und Jugendliche sowie Familien in belasteten Lebenslagen. Der Landesbeirat warnt daher ausdrücklich vor einer politischen Gesamtentwicklung, bei der notwendige Haushaltskonsolidierung zunehmend zu Lasten schutzbedürftiger Gruppen geht.

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Landesbeirat für Menschen mit Behinderungen

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