Erfolgsfaktoren der zirkulären**Transformation: Kooperation, Kompetenzen und klare Rahmenbedingungen
Die anschließende Podiumsdiskussion, eröffnet durch einen Impuls von Dr. Marianne Kuhlmann (Circularity e. V.), zeigte, welche Faktoren für eine erfolgreiche zirkuläre Transformation ausschlaggebend sind. Dr. Kuhlmann betonte die Bedeutung von Kooperation, verlässlichen Daten und gemeinsamen Standards – von transparenten Materialströmen bis hin zu neuen Formen industrieller Wertschöpfung. Viele zirkuläre Ansätze funktionierten besonders auf regionaler Ebene, so Kuhlmann. Entscheidend sei, dass lokale Initiativen und wirtschaftliche Aktivitäten gestärkt werden – und genau dafür habe Berlin sehr gute Voraussetzungen: eine vielfältige Industrielandschaft und zahlreiche Initiativen, die bereits eng mit Unternehmen zusammenarbeiteten.
Die Beiträge von Daniel Schwaag (Made of Air) und Joshua Okojie (Vanguard AG) zeigten, wie zirkuläre Ansätze in der Berliner Industrie bereits in der Praxis verankert sind. Made of Air entwickelt CO₂-negative Biokomposite, die fossile Kunststoffe ersetzen und damit ein klar zirkuläres und klimapositives Material auf den Markt bringen, das aktiv Kooperationen mit Industriepartnern aus Bau, Design und Mobilität sucht. Vanguard AG steht für ein hochspezialisiertes Medical Remanufacturing Modell. Das Unternehmen bereitet ursprünglich als Einweg gedachte Medizinprodukte sicher und zertifiziert wieder auf und verlängert auf diese Weise deren Lebenszyklus. Dieser Ansatz spart Ressourcen und entlastet Kliniken.
Auch hier wurde klar, dass zirkuläre Geschäftsmodelle verlässliche Abnehmende und klare Wertschöpfungspartnerschaften benötigen und dass Unternehmen wie Vanguard und Made of Air solche Kooperationen in Berlin aktiv aufbauen.
Matthias Menger, Geschäftsführer von ringberlin, brachte die Perspektive der Bauwirtschaft ein und zeigte, dass zirkuläre Prinzipien im Bestand sowohl technisch als auch wirtschaftlich funktionieren. Zugleich wurde deutlich, dass Erfahrungen mit Genehmigungen, Zuständigkeiten und dem begrenzten Markt für wiederverwendbare Bauteile nach wie vor Hürden darstellen. ringberlin zeigt erfolgreich, wie sich durch Erhalt, Materialwiederverwendung und ressourcenschonende Umbauten moderne und nachhaltige Produktions- und Innovationsräume entwickeln lassen.
Die Beispiele verdeutlichen zugleich, dass marktfähige Produkte, stabile Partnerschaften und verlässliche Rahmenbedingungen zentrale Voraussetzungen für zirkuläre Geschäftsmodelle sind und dass sich der Übergang zu zirkulären Prozessen zunehmend auch wirtschaftlich lohnt.
Ein weiteres Thema war die Frage nach Kompetenzen und Fachkräften. Ohne Wissen über zirkuläre Prinzipien, von der Konstruktion über die Materialwahl bis zum Recycling, bleibt der Wandel Stückwerk. Gefordert sind Qualifizierung, Austausch und Lernorte, die Unternehmen beim Einstieg unterstützen und neue berufliche Profile stärken.
Berlin hat beste Voraussetzungen
Der Deep Dive zeigte insgesamt, wie viel in Berlin bereits erprobt, vernetzt und in praktische Anwendungen überführt wird. Die Akteurinnen und Akteure waren sich einig, dass der Übergang von Pilotprojekten in die breite Anwendung der entscheidende nächste Schritt ist. Besonders für kleine und mittlere Unternehmen müsse Kreislaufwirtschaft einfacher zugänglich und wirtschaftlich attraktiv werden. Gleichzeitig spielen Digitalisierung und Datenmanagement eine Schlüsselrolle – etwa beim Nachweis von Materialflüssen oder in der automatisierten Sortierung. Politik und Verwaltung sollen dafür stabile Rahmenbedingungen schaffen, die Planungssicherheit bieten und Innovationsrisiken abfedern.
Für Berlin ergibt sich daraus ein Bild, das Zuversicht ausstrahlt: Die Stadt verfügt über starke Netzwerke, engagierte Unternehmen und forschungsstarke Hochschulen, die Kreislaufwirtschaft nicht nur als strategisches Leitbild, sondern zunehmend als konkrete industrielle Praxis verstehen. Die Veranstaltung machte deutlich, welches Potenzial bereits vorhanden ist – und wie Formate und Initiativen im Rahmen des Masterplans Industriestadt Berlin dazu beitragen, Strukturen zu festigen, Akteurinnen und Akteure zu verbinden und Innovationen in die Betriebe zu bringen.