Weniger Unternehmensinsolvenzen als vor Corona-Pandemie

Stephan Schwarz

Stephan Schwarz (parteilos), Wirtschaftssenator des Landes Berlin, spricht bei einer Pressekonferenz.

Corona hat in Berlin weniger Unternehmen in die Knie gezwungen als befürchtet. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in den ersten fünf Monaten dieses Jahres ist niedriger als vor der Pandemie.

«Die Berliner Wirtschaft zeigt sich in den überlappenden Krisen weiterhin sehr robust», sagte Wirtschaftssenator Stephan Schwarz (parteilos) der Deutschen Presse-Agentur. «Wir hatten bis Ende Mai 548 Insolvenzen und sind damit auf dem Niveau der beiden Vorjahre geblieben, da waren es 511 und 578. Vor der Pandemie, 2019, waren es im gleichen Zeitraum 622.»

Schwarz führte die Entwicklung unter anderem auf das Neustartprogramm zurück, das der Senat für von der Pandemie besonders getroffene Branchen aufgelegt hat. Damit soll Betrieben in der als schwierig geltenden Phase geholfen werden, in der sich ein Ende der Pandemie abzeichnet. Weil bei anspringender Wirtschaft oft neue Investitionen nötig sind, stehen Unternehmen gerade dann vor Herausforderungen.

«Vielen besonders stark von der Pandemie gebeutelten Unternehmen kann im entscheidenden Moment die finanzielle Puste ausgehen, ein Scheitern droht dann», so Schwarz. «Aber wir sehen: Das befürchtete Szenario ist nicht eingetreten. Ich glaube, das ist ein Indikator dafür, dass wir gemeinsam mit unseren Wirtschaftsverbänden ein Neustartprogramm gestrickt haben, das genau seinen Zweck erfüllt.»

Berlin sei insgesamt wirtschaftlich deutlich besser durch die Corona- Pandemie gekommen als die übrigen Bundesländer. «2020 hatten wir einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 3,8 Prozent, 2021 folgte ein Plus von 3,3 Prozent. Der Rückgang war geringer als im Bundesdurchschnitt, bei der Wiederbelebung zählen wir zur Bundesspitze.» Dabei verweist Schwarz ebenfalls auf die stark gestiegenen Zukunftsausgaben der Berliner Wirtschaft selbst. «Unsere Unternehmen steckten im düsteren Corona-Jahr 2020 gut fünf Milliarden Euro in Innovationsvorhaben. Das war ein neuer Rekord, während solche Ausgaben im Bundesschnitt rückläufig waren.»

Auch die aktuellen Entwicklungen bei neuen Unternehmensansiedlungen und auf dem Arbeitsmarkt seien positiv. «Die Attraktivität der Stadt für Investitionen ist ungebrochen. Bei den Beschäftigungszahlen gab es im ersten Halbjahr ein Plus von 4,7 Prozent - im Bund nur plus 2 Prozent.» Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnisse sei um 73 400 gestiegen. «Der Beschäftigungsmotor ist wieder angesprungen», sagte Schwarz. «Wir können jetzt sagen, dass die Operation gelungen ist und dass wir auch dank des Neustartprogramms gut aus der Krise rausgekommen sind», lautet sein Fazit. Das zeige sich auch im Tourismus, die Branche sei sehr zufrieden mit der Entwicklung.

Am vergangenen Donnerstag hatte das Amt für Statistik Berlin- Brandenburg aktuelle Daten veröffentlicht. Danach zählte Berlin in den ersten sechs Monaten 2022 fast 4,4 Millionen Besucherinnen und Besucher, nach 2,5 Millionen ein Jahr zuvor, und 11,5 Millionen Übernachtungen. Die Wirtschaftsverwaltung verweist zudem darauf, dass die Hotelauslastung in Berlin im Juni einer internationalen Studie zufolge bei 80,6 Prozent gelegen habe. Das sei ein höherer Wert als in London, Paris oder New York.

Das Berliner Neustartprogramm bündelt rund 30 Maßnahmen im Umfang von 390 Millionen Euro. Dazu gehört neben der Förderung des Tourismus auch ein Zuschuss für Investitionen gerade für kleine und mittlere Unternehmen. «Im Mai haben wir das auf den Weg gebracht. Es gibt 102 eingereichte Anträge mit einem Antragsvolumen von 7,8 Millionen», sagte Schwarz. Mehr als die Hälfte davon seien bereits bewilligt. Vorgesehen war zunächst ein Gesamtvolumen von 10 Millionen Euro, das ausgeweitet werden soll. «Das ist ein gutes Stimmungsbarometer», so der Senator. «Wenn die Unternehmen investieren, dann glauben sie an die Zukunft.»

Autor:in: dpa
Veröffentlichung: 13. August 2022
Letzte Aktualisierung: 13. August 2022

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