Die DDR gewährte in den 1980er Jahren zehn Aussteigern der Roten Armee Fraktion (RAF) Unterschlupf. Mit neuer Identität und unter dem Schutz der Staatssicherheit sollten sie ein unauffälliges Leben führen, während die Sicherheitsbehörden der Bundesrepublik weiter nach ihnen fahndeten. Die Dokumentation »Staatsgeheimnis RAF – Terroristen in der DDR« rekonstruiert diesen außergewöhnlichen Fall deutsch-deutscher Zeitgeschichte und erzählt die Geschichte eines bislang weitgehend verborgenen Kapitels der RAF.
Im Mittelpunkt des Films steht Silke Maier-Witt, einst Mitglied der zweiten RAF-Generation und beteiligt an der Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer. Nach ihrem Ausstieg aus der Terrororganisation gelangt sie über Kontakte zur Staatssicherheit in die DDR. Dort erhält sie eine neue Identität und versucht, fernab der Öffentlichkeit ein neues Leben zu beginnen. Aus der in Westdeutschland als Terroristin Gesuchten wird eine Krankenschwester in der DDR.
Der preisgekrönte Filmemacher Claus Räfle zeichnet nach, wie die Staatssicherheit die ehemaligen RAF-Mitglieder versteckte, welche politischen Interessen hinter der geheimen Aufnahme standen und wie das System der Tarnung über Jahre aufrechterhalten wurde. Die Dokumentation beleuchtet zugleich die Ermittlungen westdeutscher Behörden, die Verschleierungstaktiken der Stasi sowie die Spannungen, die ein Bekanntwerden der Zusammenarbeit zwischen DDR und RAF ausgelöst hätte.
Anhand von Zeitzeugenberichten, Expertengesprächen und Gesprächen mit Silke Maier-Witt selbst entsteht ein vielschichtiges Bild jener Jahre. Als 1989 die Mauer fällt, endet auch das geheime Leben der RAF-Aussteiger in der DDR, wenige Monate später werden sie verhaftet.
Der Film ist heute um 23.35 Uhr im Ersten zu sehen und bereits jetzt in der ARD Mediathek abrufbar.