Dokumentation: »Volksparteien ohne Volk – Im Osten gescheitert?«

Als die Mauer fiel, war Demokratie für viele Ostdeutsche mit Hoffnung und Aufbruch verbunden. Heute ist die Stimmung vielfach gekippt. Die SPD muss im Osten Deutschlands um ihr politisches Überleben kämpfen, und auch die CDU verliert zunehmend an Rückhalt. Die vom rbb und dem MDR koproduzierte Dokumentation »Volksparteien ohne Volk – Im Osten gescheitert?« geht der Frage nach, wie es dazu kommen konnte und warum viele Menschen den traditionellen Volksparteien ihr Vertrauen entzogen haben.

Der rund 60-minütige Film zeichnet die Entwicklung der beiden großen Volksparteien seit der deutschen Einheit nach und beleuchtet zentrale politische Wendepunkte der vergangenen Jahrzehnte. »Mit der Partei, in die ich 1990 eingetreten bin, hat die heutige CDU nichts mehr zu tun«, sagt der langjährige Bundestagsabgeordnete Arnold Vaatz. Stephan Hilsberg blickt selbstkritisch auf die Entwicklung der SPD: »Wir waren nicht mutig genug, die Interessen der Ostdeutschen zu vertreten.« Autorin und Journalistin Jana Hensel ordnet diese Entwicklungen historisch ein. Auch nach der Vereinigung mit ostdeutschen Parteien und ehemaligen DDR-Blockparteien seien CDU und SPD weitgehend westdeutsch geprägt geblieben. Ostdeutsche Perspektiven und Interessen hätten innerhalb der Parteistrukturen oft nur eine untergeordnete Rolle gespielt.

Volksparteien ohne Volk

Der Film zeigt, wie die aus der SED hervorgegangene PDS sich als Interessenvertretung vieler Ostdeutscher etablieren konnte. Später gelang es der AfD, in die politischen Räume vorzustoßen, die aus Sicht vieler Bürgerinnen und Bürger von den Volksparteien nicht mehr besetzt wurden.

Anhand zahlreicher Zeitzeugen, vor allem Politikern, zeichnet die Dokumentation nach, welche Themen die Menschen bereits in den 1990er-Jahren beschäftigten: Sorgen um Arbeitsplätze, Deindustrialisierung, Kriminalität, gesellschaftliche Veränderungen und Partizipation. Viele dieser Erfahrungen wirken bis heute nach und prägen den Blick auf aktuelle politische Herausforderungen. Dabei macht der Film deutlich, dass Zweifel an der Funktionsfähigkeit der Parteiendemokratie nicht erst in der Gegenwart entstanden sind.

Die Filmemacher Jan N. Lorenzen und Ann-Marie Amthor zeigen historische Kontinuitäten auf und fragen, welche Folgen politische Versäumnisse der Vergangenheit für das Verhältnis vieler Ostdeutscher zur Demokratie heute haben.

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