Interview mit Editha Kötter

Luftaufnahme Berlin Mitte

Die Wärmewendeagentur (WWA) wurde im Juni dieses Jahres von der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt (SenMVKU) ins Leben gerufen und wird von der Berliner Energieagentur (BEA) durchgeführt. Editha Kötter leitet das Projekt Wärmewendeagentur bei der BEA. Zuvor leitete sie den Bereich „Transformation von Energiesystemen“ am Reiner Lemoine Institut in Adlershof. Als Ingenieurin für Erneuerbare Energiesysteme und als echte Berlinerin liegt ihr die Wärmewende besonders am Herzen.

Porträt Editha Kötter

Warum wurde die Wärmewendeagentur ins Leben gerufen?

Was bedeutet die Wärmewende für mein Gebäude oder Quartier? Welche gesetzlichen Vorgaben muss ich erfüllen? Welche Möglichkeiten der Wärmeerzeugung stehen mir künftig zur Verfügung? Viele Berliner Eigentümerinnen und Eigentümer von Gebäuden und Anlagen stehen vor diesen und weiteren Fragen, wenn sie an ihre zukünftige Wärmeversorgung denken.
Der Gebäudesektor bleibt der größte Emittent im Land. Das macht die Wärmewende zu einer der zentralen Herausforderungen des Landes Berlin — nicht nur zur Erreichung der Klimaziele, sondern vor allem für eine verlässliche und bezahlbare Wärmeversorgung. Mit dem kürzlich verabschiedeten Wärmeplan gibt die SenMVKU den strategischen Rahmen und — vor allem — Orientierung für die Wärmeversorgung bis 2045 vor. Dazu gehören neben einer digitalen Karte mit Erstinformationen über Gebietseinordnungen zu Fernwärme, Erdwärme- oder Abwasserpotenzialen auch die Gründung der Wärmewendeagentur. Die WWA wird von der SenMVKU finanziert und unter dem Dach und der Expertise der BEA aufgebaut und betrieben.

Wer kann sich an die WWA wenden und welche Aufgaben wird sie haben?

Wir stehen allen Berliner Eigentümerinnen und Eigentümern, Bezirksverwaltungen, öffentlichen Einrichtungen und Nachbarschaftsinitiativen als neuer kostenfreier Wegweiser beim Thema Wärmewende unterstützend zur Seite.
Als zentrale Anlaufstelle spart die WWA unnötige Wege, bietet gebündelte Informationen, zeigt bestehende Erfolgsmodelle auf und gibt übersichtliche Orientierung zu passenden Förderungen. Das spart Zeit und bringt die Wärmewende voran. Zudem ermöglichen wir Vernetzung: In Workshops, Informationsveranstaltungen und Netzwerktreffen können sich interessierte Akteurinnen und Akteure austauschen. Parallel entsteht eine digitale Wissensplattform mit Leitfäden und Berliner Praxisbeispielen.

Wie kann die WWA Unternehmen konkret unterstützen?

Unternehmen kommt bei der Wärmewende in vielen Bezirken und Quartieren eine Schlüsselrolle zu. Einerseits können Betriebe oder Bürogebäude mit einem hohen Wärmebedarf wichtige Ankerkunden für neu entstehende Nahwärmenetze sein. Verlässliche Abnehmerinnen und Abnehmer sind vor allem mit Blick auf die Investitionssicherheit bei der Finanzierung von Projekten sehr hilfreich.
Andererseits eröffnen Unternehmen mit viel Abwärme Potenziale für Nahwärmenetze. Abwärme aus Kälteanlagen, Rechenzentren oder Produktion kann eine wertvolle Ressource für den gesamten Kiez sein. Im Idealfall entstehen daraus auch interessante Geschäftsmöglichkeiten. Beim Thema energetische Sanierung sind jedoch die Expertinnen und Experten der KEK die richtige Anlaufstelle, insbesondere für detaillierte Beratungen.
Als WWA bieten wir auch Unternehmen Unterstützung bei der Einschätzung ihres Wärmeversorgungspotenzials. In Mischgebieten fördern wir die Vernetzung aller Beteiligten, damit möglichst schnell die weiteren Schritte vereinbart werden können. So helfen wir dabei, Prozesse zu beschleunigen.
Wichtig zu wissen: Auch Unternehmen, denen ihre Standorte nicht gehören, können sich an die WWA und die KEK wenden.

Das Interview mit Editha Kötter wurde im September 2026 geführt.

Kontakt:

Koordinierungsstelle für Kreislaufwirtschaft, Energieeffizienz und Klimaschutz im Betrieb (KEK)