Senatorin Cansel Kiziltepe zum Betriebspanel 2024: „Gute Arbeits- und Ausbildungsbedingungen sind der Schlüssel im Wettbewerb um Talente!“
Pressemitteilung vom 22.01.2026
Die Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung hat heute das Berliner Betriebspanel 2024 veröffentlicht. Die repräsentative jährliche Befragung von Berliner Betrieben wurde im 3. Quartal 2024 durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen: Der Fachkräftebedarf steigt weiter an, die Ausbildungskapazitäten in der Stadt sind gering, die betriebliche Mitbestimmung und Tarifbindung sind niedrig.
Fachkräfte: Mehr als 60 Prozent der Berliner Betriebe rechnen in Zukunft mit Schwierigkeiten, passende Fachkräfte zu finden – so viele wie noch nie. Seit 2010 steigt dieser Wert kontinuierlich an. Um offene Stellen dennoch zu besetzen und Mitarbeitende zu halten, zeigt sich inzwischen mehr als jeder zweite Betrieb kompromissbereit. Das kann sich für Beschäftigte auszahlen: etwa durch flexiblere Arbeitszeiten, bessere Arbeitsbedingungen oder höhere Löhne.
Arbeitssenatorin Kiziltepe: „Die Sicherung von Fachkräften gehört zu den größten Aufgaben unserer Zeit. Trotz der derzeit gedämpften Konjunktur bietet Berlin in vielen Bereichen zunehmend bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Genau hier setzt die Berliner Fachkräftestrategie an: Wir wollen Berlin als Willkommensstadt stärken und die Bedingungen so verbessern, dass Betriebe leichter Fachkräfte gewinnen – und Menschen den Weg in gute Arbeit finden. Besonders wichtig sind uns dabei die beruflichen Perspektiven junger Menschen, passende Qualifizierungen für die Arbeitswelt im Wandel und die Aktivierung bislang ungenutzter Potenziale im In- und Ausland.“
Ausbildung: Ausbildung ist ein zentraler Hebel gegen den Fachkräftemangel. Dieser wird jedoch in Berlin nicht konsequent ausgeschöpft: Viele ausbildungsberechtigte Betriebe bilden nicht aus. Der Wert der Betriebe, die die gesetzlichen Voraussetzungen zum Ausbilden erfüllen, sinkt weiter. Vor der Corona-Pandemie lag der Wert noch bei 47 Prozent in Berlin, 2024 hingegen bei 39 Prozent – deutlich weniger als im Bundesdurchschnitt (51 Prozent). Von diesen ausbildungsberechtigten Betrieben bilden jedoch nur knapp die Hälfte aus. Unter Berücksichtigung der Ausbildungen nach dem Berufsbildungsgesetz, der Handwerksordnung und anderen Ausbildungsordnungen sowie der Einbeziehung der Beamtenanwärter:innen ergibt das Gesamtbild, dass sich lediglich jeder fünfte Betrieb in Berlin aktiv an der Ausbildung beteiligt. Der mit großem Abstand häufigste Grund für den Ausbildungsverzicht sind fehlende personelle Kapazitäten. Gleichzeitig steigt die Bereitschaft der Unternehmen, auch Bewerber:innen mit Unterstützungsbedarf auszubilden und eigene Ausbildungsabsolvent:innen zu übernehmen. Wie stark das unter den aktuellen wirtschaftlichen Bedingungen so bleibt, ist jedoch offen.
Arbeitssenatorin Kiziltepe: „Wenn sich Berliner Betriebe aus der Ausbildung zurückziehen, entsteht ein Teufelskreis: Denn Ausbildung ist einer der wirksamsten Hebel gegen den Fachkräftemangel – wer heute nicht ausbildet, dem fehlen morgen die Fachkräfte. Deshalb braucht es jetzt ein gemeinsames Handeln in der beruflichen Bildung. Um mehr Betriebe zu gewinnen und mehr junge Menschen in Ausbildung zu bringen, hat der Berliner Senat zusammen mit Wirtschafts- und Sozialpartnern das Bündnis für Ausbildung geschaffen“.
Tarifbindung und Mitbestimmung: Tarifverträge sind in Berlin eher die Ausnahme: Nur 14 Prozent der Betriebe sind an einen Flächen- oder Firmentarifvertrag gebunden. Ein Betriebs- oder Personalrat existiert sogar nur in fünf Prozent der Betriebe. Dort, wo Tarifvertrag und Betriebsrat als die sogenannte „Kernzone des dualen Systems“ zusammenkommen, liegt der Anteil bei rund drei Prozent aller Betriebe. Weil es sich dabei meist um größere Unternehmen handelt, betrifft das dennoch etwas mehr als ein Viertel der Berliner Beschäftigten.
Arbeitssenatorin Kiziltepe: „Tarifverträge und Betriebs- oder Personalräte erreichen in Berlin seit Jahren schleichend immer weniger Menschen. Tarifbindung kommt nicht einmal mehr bei zwei von fünf Beschäftigten an – und in viel zu wenigen Betrieben gibt es eine Interessenvertretung. Ich will Tarifbindung stärken, Mitbestimmung erleichtern und öffentliche Aufträge an faire Arbeitsbedingungen knüpfen. Denn Tarifverträge und Betriebsräte sind wichtige Motoren für stabile Löhne, gute Arbeitsbedingungen und somit eine verlässliche Fachkräftesicherung.“
Den Ergebnisbericht ‚Betriebspanel Berlin 2024‘ finden Sie im Internet: www.berlin.de/sen/arbeit/top-themen/gute-arbeit/
Bestellungen für die Broschüre ‚Betriebspanel Berlin 2024‘ per E-Mail unter: Betriebspanel@senasgiva.berlin.de
Hintergrund:
Das Betriebspanel ist eine deutschlandweite Arbeitgeberbefragung, die 2024 in Berlin zum 29. Mal durchgeführt wurde. Die Senatsverwaltung für Arbeit steht dafür in Kooperation mit dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Die Datenerhebung basiert auf der repräsentativen Befragung von 1.030 Berliner Betrieben mit mindestens einem sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Die Studie legt beim Begriff der Auszubildenden Personen mit einer Ausbildung nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) und der Handwerksordnung (HwO), nach anderen Ausbildungsordnungen (z. B. Gesundheits- oder Sozialberufe) sowie Beamtenanwärterinnen und Beamtenanwärter zugrunde. Kantar Public Deutschland führte die Datenerhebung durch, während das Institut für Sozialökonomische Strukturanalysen Berlin (SÖSTRA) die Auswertung übernahm.