Werksanlagen Siemensstadt

Werksanlagen Siemensstadt

Mit der Siemensstadt ist in Berlin am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts ein eigenstädiger, industriell geprägter, Stadtteil mit bahnbrechender Architektur entstanden.

Nur in Siemensstadt konnte sich ab 1899 ein eigenständiger Berliner Industriestadtteil mit Werksanlagen, Wohnvierteln und Versorgungseinrichtungen herausbilden. Sein Erscheinungsbild wurde vor allem von einem Mann geprägt: Hans Hertlein, der als Direktor der firmeneigenen Bauabteilung 1915–51 nicht nur die Werksgebäude, sondern das ganze Stadtviertel einheitlich gestaltete.

Architekt Hertlein und die Werksanlagen Siemensstadt

Hertleins erster "moderner" Bau war das Wernerwerk M, errichtet 1917–22. Zwar folgte er der von seinem Vorgänger Karl Janisch begonnenen Blockrandbebauung, doch verzichtete er auf jegliche Ornamentik. Konstruktive Klarheit in der Gestaltung ersetzte die "repräsentative Fassade". Ursprünglich sollte der fünfgeschossige Komplex zwölf Höfe umschließen, realisiert wurden jedoch nur drei Innenhöfe. Die kriegszerstörte Anlage wurde vereinfacht wiederhergestellt.

Turm in den Werksanlagen Siemensstadt

Dominiert wird die Werksanlage von dem 70 Meter hohen Turm, der einen Schornstein für das integrierte Heizkraftwerk und einen Wasserbehälter kaschiert. Mit seiner großen Uhr erhebt er sich über der Siemensstadt wie die Rathaustürme über den damals noch selbständigen Großberliner Gemeinden.

Turm in Siemensstadt als Vorbild für weitere Werkstürme

Die Werksturmidee wurde wenige Jahre später von Eugen Schmohl für Borsig in Tegel und Ullstein in Tempelhof aufgegriffen.

Schaltwerkhochhaus in Siemensstadt

Bahnbrechend neue Formen fand Hertlein für das Schaltwerkhochhaus, errichtet 1926–28. Losgelöst vom starren Blockschema, setzte er eine 175 Meter lange, 16 Meter breite und 45 Meter hohe Scheibe in Nord-Süd-Richtung. Der Bau ist als Stahlskelett konstruiert, die Wände wurden mit Ziegeln ausgefacht und mit Klinkern verkleidet. Die zehn Geschosse sind im Innern stützenfrei, die Raumeinteilung kann also entsprechend den innerbetrieblichen Abläufen und Erfordernissen flexibel gestaltet werden. Die Treppenhäuser (mit Entsorgungseinrichtungen) sind aus dem Kernbau ausgelagert und wirken in ihrer massigen Blockhaftigkeit als vertikale Gegengewichte zum langgezogenen Hochhausriegel.

Fassade des Schaltwerkhochhauses

Die Fassade entbehrt jeglichen Schmucks und wird nur durch die vorgezogenen Stützen gegliedert – ein bekanntes Gestaltungsprinzip, das hier aber ins Monumentale gesteigert wird.

Weitere Bauten von Hertlein mit gleicher Architektur

Gleiches gilt für Hertleins Wernerwerk-Hochhaus (1928–30). Während das Wernerwerk M und das Schaltwerkhochhaus sich mitten auf dem Werksgelände befinden, ist das Wernerwerk-Hochhaus, weil direkt am Siemensdamm gelegen, gut zugänglich.

Hertleins Konzept von flächensparenden Produktionsanlagen nicht umgesetzt

Hertleins Konzept einer flächensparenden Produktionsanlage wurde nicht weiterverfolgt. Stattdessen haben wir uns heute an die auswuchernden Gewerbeflächen mit ihren fensterlosen Kästen ohne jeden künstlerischen Anspruch gewöhnen müssen.

Informationen

Adresse
Wernerwerkdamm 1
13629 Berlin
Architekt
Hans Hertlein
Stil
Klassische Moderne

Nahverkehr

U-Bahn
Bus

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| Aktualisierung: 7. April 2017