Berlin kann Robotik!

Eine Frau präsentiert eine Roboterhand die nach Tomaten greift

Der zunehmende Fachkräftemangel, wachsende Anforderungen an Effizienz und Präzision sowie internationaler Innovationsdruck machen deutlich: Eine wettbewerbsfähige industrielle Produktion der Zukunft erfordert den konsequenten Einsatz von Automatisierung und intelligenter Technologie. Die Verbindung von Künstlicher Intelligenz und Robotik gilt dabei als Schlüssel – für resilientere industrielle Prozesse, innovative Geschäftsmodelle und wirtschaftliche Dynamik am Standort Berlin.

Eine von der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe beauftragte Anforderungs- und Potenzialanalyse zur (KI-basierten) Robotik in der Industriestadt Berlin zeigt auf, welche Chancen und Handlungsfelder sich daraus ergeben: Berlin verfügt mit seinem leistungsfähigen Robotik-Ökosystem, exzellenter Forschung, konkreten Anwendungsbeispielen, starken Netzwerken und einem engen Zusammenspiel von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik über beste Voraussetzungen, um sich als führender Standort für KI-basierte Robotik zu positionieren.

Vor diesem Hintergrund wurde das Thema KI-basierte Robotik als strategisches Zukunftsfeld in der Berliner Industriestrategie, dem Masterplan Industriestadt Berlin 2022–2026, verankert und am 16. Juli 2025 beim „MPI Deep Dive – KI und Robotik in der Produktion“ in den Mittelpunkt gerückt. Mit rund 120 Gästen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik wurde ausgetauscht, wie KI-basierte Robotik in der Hauptstadtregion heute umgesetzt wird, welche innovativen Geschäftsmodelle entstehen und welche strategischen Schritte für die Zukunft nötig sind.

Eine Podiumsdiskussion warf dabei den Blick auf die vorhandenen Potenziale und wie davon insbesondere kleine und mittlere Unternehmen profitieren können. Berliner KMU präsentierten Anwendungsbeispiele für Robotik und KI, aber auch Unterstützungs- und Kooperationsangebote aus der Hauptstadtregion sowie Berliner Robotik-Unternehmen stellten sich vor. Ein weiterer Höhepunkt der Veranstaltung war die feierliche Eröffnung des Hauses der Robotik der BHT, das als zentraler Ort für Austausch, Demonstration und Zusammenarbeit zwischen Forschung, Wirtschaft und Ausbildung dient.

Innovatives Ökosystem

Der Deep Dive machte deutlich, wie eng Wirtschaft, Wissenschaft und Politik in Berlin bereits zusammenarbeiten. Staatssekretär Dr. Severin Fischer betonte in seinem Grußwort die Bedeutung einer konsequenten Automatisierung für die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Industrie. Die Verknüpfung von Künstlicher Intelligenz und Robotik mit industriellen Produkten und Prozessen sei dabei ein zentraler Erfolgsfaktor. Berlin biete mit seinem innovationsstarken Ökosystem aus Wissenschaft, Wirtschaft und Startups hervorragende Voraussetzungen, um diese Technologien erfolgreich in die Praxis zu überführen. Er verwies auf bestehende vielfältige Initiativen und Unterstützungsangebote – wie das Förderprogramm Pro FIT – zur Finanzierung technologischer Innovationen, den Deep Tech Award – mit eigenen Kategorien für Künstliche Intelligenz und Robotik, das Berliner Robotik Netzwerk, das Angebot der Berliner Digitalagentur und das Mittelstand-Digital Zentrum. Sie alle tragen dazu bei, Innovationen zu fördern und ihre Anwendung in der industriellen Praxis zu beschleunigen.

EU-Förderung wirkt direkt vor Ort

Denn: Jedes der geförderten Vorhaben trägt auf die eine oder andere Art dazu bei, das Leben für die gesamte Berliner Bevölkerung zu verbessern – zum Beispiel in den Bereichen Bildung, Klimaschutz, Stadtentwicklung, Integration oder Mobilität.
Verschiedene Motive stellen daher jeweils ein Projekt in den Vordergrund, das entweder durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung oder den Europäischen Sozialfonds Plus gefördert wird. Aufgezeigt wird damit auch die Bandbreite der EU-Förderung, die vom elektrischen Löschfahrzeug für die Feuerwehr Mitte bis hin zu Digital-Beratung für alle Bürgerinnen und Bürger in Berliner Bibliotheken reicht.

Ein Mann am Rednerpult
KI und Robotik sind zentrale Zukunftstechnologien für die industrielle Transformation.
Staatssekretär Severin Fischer

Hochschulen als Treiber im Innovationsökosystem

Dr. Henry Marx, Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung, unterstrich die wachsende Bedeutung der Hochschulen für angewandte Wissenschaften im Innovationssystem der Hauptstadt. Sie seien längst nicht mehr nur auf die Lehre fokussiert, sondern hätten sich zu forschungsstarken Akteuren entwickelt, die eine zentrale Rolle im Berliner Innovations- und Wissenschaftsökosystem einnehmen.

Ein Redner am Pult hält einen Vortrag

Mit dem Haus der Robotik entstehe ein beispielhafter Ort, an dem Studium, Lehre und exzellente Forschung eng mit industrieller Anwendung verzahnt sind. Er betonte zudem die Bedeutung von UNITE, einer neuen, vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Gründungsplattform in Berlin-Brandenburg, die den Wissens- und Technologietransfer aus Hochschulen systematisch vorantreiben soll. Ziel ist es, die Gründungsdynamik deutlich zu steigern, den Transfer zu beschleunigen und die Hauptstadtregion als europäischen Deep-Tech-Hotspot zu positionieren.

Eine Gebäudeaussenansicht mit historischer Fassade

Das Haus der Robotik der BHT am Standort Kurfürstenstraße

Der Deep Dive fand im neu entstandenen „Haus der Robotik der Berliner Hochschule für Technik (BHT) statt, das im Rahmen der Veranstaltung feierlich insbesondere als Anlaufpunkt für die Berliner Industrie eröffnet wurde. Das Haus vereint modernste Forschungs- und Lehreinrichtungen, von einer Werkstatt mit 3D-Druckern im Erdgeschoss, einer Fläche im 1. Stock, auf der Roboter gehen lernen, bis hin zu Räumen im Obergeschoss, in denen Soft-Robotik sowie pneumatische Robotik und Manipulation erprobt werden. Die BHT bietet seit 2018 den Bachelorstudiengang „Humanoide Robotik“ an, der sich interdisziplinär auf menschenähnliche Konstruktion und praktische Umsetzung von Robotern auszeichnet und dabei auch ethische, psychologische und soziale Aspekte berücksichtigt.

Dr. Julia Neuhaus, Präsidentin der Berliner Hochschule für Technik, erläuterte die Bedeutung von Ausbildung und Nachwuchsförderung für den Robotikstandort Berlin. Sie charakterisierte das neue Haus der Robotik als Ort, der kreative Zusammenarbeit zwischen Studierenden, Forschenden und Unternehmen ermöglicht. „Gute Ideen entstehen in klugen Köpfen – oft auch in Gesprächen, etwa in der Mittagspause.“ Neuhaus nennt das: „systemisch für Zufall sorgen“.

Ein junger Mann erklärt eine Roboterhand

Für Berlin sieht sie großes Potenzial nicht nur in der Entwicklung von KI-basierter Robotik, sondern insbesondere auch in deren konkreter Anwendung – mit deutlich messbarem wirtschaftlichem Nutzen, wenn Wissenschaft und Wirtschaft eng zusammenwirken. Anhand eines Studienprojekts aus dem zweiten Semester demonstrierte sie, wie praxisnah und innovativ an der BHT gearbeitet wird: Eine von BHT-Studierenden entwickelte Roboterhand pflückte Tomaten – eine anspruchsvolle Aufgabe, die Sensibilität, Feinmotorik und technologische Anpassungsfähigkeit erfordert.

Ein Roboter auf Rollen mit einem lächelnden Gesicht zerschneidet ein rotes Band

Nach den Grußworten folgte der symbolische Höhepunkt: Dr. Julia Neuhaus, Staatssekretär Marx und Staatssekretär Fischer aktivierten gemeinsam den Roboter TIAGo – als Zeichen für die enge Zusammenarbeit und den Transfer zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Ausbildung. Unter großem Applaus durchtrennte TIAGo daraufhin ein rotes Band und eröffnete damit offiziell das Haus der Robotik. TIAgo („Take It And Go“) ist ein mobiler Service- und Forschungsroboter des Herstellers PAL Robotics. Er wird an der BHT eingesetzt, um Themen wie Mensch-Roboter-Interaktion, KI-gestützte Navigation, Greifen, Spracherkennung und autonome Assistenzsysteme zu erforschen. Dank seines modularen Aufbaus eignet sich TIAgo besonders gut für praxisnahe Lehr- und Entwicklungsprojekte.

Robotik-Studie zeigt hohe Dynamik im Entwicklungs- und Innovationsbereich

Im Rahmen der Veranstaltung wurden zudem die Ergebnisse der von der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe bin Auftrag gegebenen „Anforderungs- und Potenzialanalyse zur (KI-basierten) Robotik in der Industriestadt Berlin vorgestellt, die die beeindruckende Dynamik des Berliner Robotik-Standorts verdeutlicht. Im Rahmen der Untersuchung konnten in Berlin 140 Anbieter- und Entwicklerunternehmen identifiziert werden, die aktiv in der Wertschöpfungskette Robotik agieren. Sie beschäftigen rund 6.000 Menschen und generieren einen geschätzten Gesamtumsatz von rund 1 Milliarde Euro. Besonders bemerkenswert: 78 Prozent dieser Unternehmen sind kleine Unternehmen und Startups. Ein Schwerpunkt liegt im Softwarebereich, wo 56 Prozent der Anbieterunternehmen tätig sind – dies unterstreicht Berlins Stärke als Tech- und Software-Standort.

77 Prozent der Berliner Unternehmen zielen mit ihren Lösungen auf industrielle Anwendungsmärkte ab. Dabei setzen bereits heute 45 Prozent der identifizierten Unternehmen KI in ihren angebotenen Dienstleistungen und Robotikprodukten ein. Dies zeigt, dass Berlin in diesem dynamischen Innovationsfeld eine relevante Breite an Akteurinnen und Akteuren vorweisen kann, die zukunftsweisende Produkte und Dienstleistungen entwickeln. Auf der Anwenderseite präsentiert sich ein ebenso beeindruckendes Bild: 72 industrielle Anwenderunternehmen mit insgesamt etwa 46.000 Beschäftigten und einem geschätzten Gesamtumsatz von rund 15 Milliarden Euro setzen heute Robotik in verschiedenen Feldern ein. Die Hauptanwendungsgebiete liegen in der Be- und Verarbeitung von Materialien (36 %) und der Maschinenbeschickung (32 %), gefolgt von der Ver- und Entpackung, Abfüllung und Palettierung (15 %), Bildverarbeitung (15 %) und Qualitätskontrolle (10 %). Innovative Lösungen wie kollaborative Roboter (18 % der Unternehmen) und fahrerlose Transportsysteme (5 %) finden zunehmend Verbreitung. Potenzial besteht vor allem für den Einsatz von KI in der industriellen Robotikanwendung (liegt bisher bei 8 %). Dies würde auch die Erschließung neuer Anwendungsfelder wie zum Beispiel Cobots weiter voranbringen.

Breit aufgestellte Forschungslandschaft

Berlin verfügt über eine exzellente und breit aufgestellte Forschungslandschaft mit etwa 30 Wissenschaftseinrichtungen, die sich mit Robotertechnologie beschäftigen. Seit 2020 wurden 690 Publikationen mit industriellem Robotikbezug veröffentlicht, wobei die TU Berlin mit knapp 350 Publikationen führend ist. Besonders hervorzuheben ist die überdurchschnittlich starke F&E-Förderung: Seit 2021 konnten 85 vom Bund geförderte F&E-Projekte zur (KI-basierten) Robotik mit einem Gesamtvolumen von rund 51 Millionen Euro initiiert werden.

Zwei junge Männer präsentieren einen humanoiden Roboter

Die Studie zeigt, dass das Technologiefeld der (KI-basierten) Robotik in Berlin große Potenziale für Wirtschaft und Forschung birgt. Zur gezielten Weiterentwicklung benennt die Studie fünf zentrale Handlungsfelder: Stärkung des Innovationsökosystems, strategische Sichtbarkeitsentwicklung, Förderung von Investitionen und Anwendungsorientierung in der Forschung, Kompetenzaufbau in der Belegschaft sowie die Schaffung innovationsfreundlicher Regulierungen. Die Empfehlungen benennen konkrete Zielgruppen, zeitliche Wirkungsräume und weisen auf Synergien hin, die bei einer abgestimmten Umsetzung die Gesamtwirkung deutlich erhöhen können.

Enormes Zukunftspotenzial von KI-basierter Robotik in Berlin

Wie Berlin die KI-basierte Robotik nachhaltig stärken kann, war Kernfrage der anschließenden Podiumsdiskussion, an der neben Dr. Severin Fischer und Dr. Julia Neuhaus auch Prof. Dr.-Ing. Hannes Höppner, Professor für Humanoide Robotik an der BHT, Marcel Goworeck, Qualitätsmanagementbeauftragter der Alfred Rexroth GmbH & Co. KG sowie Matthias Ziege, Leiter der Mercedes-Benz Digital Factory teilnahmen. Sie formulierten das ehrgeizige Ziel, dass Berlin in fünf bis zehn Jahren wichtiger Standort für die Serienproduktion humanoider Roboter und Exoskelette werden soll. Diese sollen durch Large-Language-Model-Technik per Sprachdialog programmierbar sein und Fachkräftelücken in Gesundheitswesen, Handwerk und Logistik schließen – unter anderem indem sie bei Routineaufgaben entlasten. Betont wurde unter anderem die Bedeutung von Hand-Auge-Kollaborationstools in der Fertigung. Ohne diese Technologien, die in Zusammenarbeit mit Berliner Startups entwickelt wurden, wären beispielsweise bestimmte Produktionsschritte bei Mechanik-Komponenten und Elektromotoren nicht mehr durchführbar. Die Haltung der Mitarbeitenden gegenüber dem Einsatz von Robotern in Unternehmen wurde als positiv beschrieben.

Einige Menschen stehen um Cocktailtische herum

Praxisbeispiele aus der Berliner Industrie

In drei Spotlights stellten Berliner Unternehmen robotische Lösungen vor, die sie bereits heute in ihren Betrieben anwenden.

Automatisierung als Chance

Die Alfred Rexroth GmbH & Co. KG hat die Herstellung von abgerundeten Partien – so genannten Radien – für Druckbehälter, die von Zahnärzten zur Sterilisation von Instrumenten genutzt werden, automatisiert. Marcel Goworek, Qualitätsmanagementbeauftragter des traditionellen Metallverarbeitungsbetriebs mit 115 Mitarbeitenden, erläuterte den Transformationsprozess: Vier einzelne Pressen können durch eine größere Presse mit integriertem Roboter ersetzt werden. Das hat mehrere Effekte: Mitarbeitende gewinnen Zeit für anspruchsvollere Aufgaben, es wird Mehrschichtbetrieb möglich, ohne zusätzliches Personal akquirieren zu müssen und das Unternehmen wird attraktiver für junge Fachkräfte. „Ich glaube, mit Einlegearbeiten kann man heute keinen jungen Menschen mehr hinterm Ofen hervorlocken“, so Goworek. Das Team von Alfred Rexroth GmbH & Co. KG setzte bewusst auf eine lange Planungsphase, um den Automatisierungsprozess fundiert umzusetzen und die Mitarbeitenden optimal einzubinden. Kollegen, welche die Pressen zuvor bedient haben, wurden in Schulungen weitergebildet und steuern nun per Tablet die neuen Roboter. Ein weiteres Projekt ist in Planung: die Bestückung einer Laserbeschriftung. Goworek wünscht sich eine Art „Lernroboter“, an dem Auszubildende und Mitarbeitende Robotiktechnologie kennenlernen und austesten können.

Hochautomatisierte Pharmaproduktion

Bei der Klosterfrau Berlin GmbH wird Robotik unter anderem für die Bedienung und Palettierung von Verpackungen und die Verpackung von Spritzen genutzt – Routinetätigkeiten des Menschen, die damit gut ersetzt werden können. Das Unternehmen, Teil der 200 Jahre alten Klosterfrau-Gruppe mit 1.500 Mitarbeitenden, betreibt am Berliner Standort eine der modernsten Pharmaproduktionen Europas. Geschäftsführer Christoph Klaus demonstrierte den hochautomatisierten Einsatz der Robotik und erläuterte die besonderen Anforderungen in der Pharmaindustrie. Er zeigte auch die Bedeutung von KI im Bereich Life Science auf: „Die Kombination aus KI und menschlicher Expertise sorgt dafür, dass Tumore deutlich häufiger erkannt und Fehldiagnosen reduziert werden. Auch in der Entwicklung neuer Medikamente ist KI sehr erfolgreich zum Einsatz gekommen. Dennoch gilt für unsere Branche, dass die Patientensicherheit höchste Priorität hat: Wir würden uns nie allein auf die Technologie verlassen, sondern es gibt immer mehrere Sicherheitshebel.“

Auch mittlere Serien werden wirtschaftlich automatisierbar

Dr. Ingo Rückert, Geschäftsführer der Wilhelm Dreusicke GmbH & Co. KG, zeigte auf, wie KI-basierte Bildverarbeitung die Robotik grundlegend verändert. Das 110 Jahre alte Berliner Unternehmen in Berlin-Tempelhof beschäftigt 35 Mitarbeiter und 7 Roboter. Sein Team stellt unter anderem Rollen her, die in Parkautomaten die Tickets oder Kreditkarten transportieren. Ein Roboter übernimmt die Vereinzelung der Rollen, die ungeordnet in einem Behälter als sogenanntes Schüttgut angeliefert werden – also lose Teile, die zunächst nicht sortiert oder ausgerichtet sind. Die Technologie erkennt die Position der Gummirollen und übermittelt die Koordinaten an den Roboter, der sie präzise in eine Schleifmaschine einlegt. Eine weitere Anwendung betrifft Thermodruck-Walzen: Ein Roboter putzt automatisch Gummiüberstände von Metallkernen verschiedener Durchmesser. Die KI erkennt dabei sowohl den Kern als auch die zu putzenden Stellen, ohne dass eine Umprogrammierung für verschiedene Walzentypen nötig ist. Sie arbeitet mit Wahrscheinlichkeitsmodellen und wurde durch das Anlernen sauberer Referenzwalzen trainiert, alle Abweichungen zu erkennen. Diese Flexibilität macht auch mittlere Serien wirtschaftlich automatisierbar – ein entscheidender Faktor für mittelständische Unternehmen.

Unterstützungs- und Kooperationsangebote

BHT unterstützt KMU mit Forschung und Transfer

Im Anschluss wurden bei der Veranstaltung Unterstützungs-, Kooperations- und Transferangebote vorgestellt. Das Forschungszentrum Data Science + X an der BHT hilft beispielsweise mit Datenanalysen Unternehmen bei komplexen Geschäftsentscheidungen. Hier betreiben Professoren der Fachbereiche „Mathematik” und „Informatik und Medien” gemeinsam mit Studierenden, Doktoranden und Industriepartnern Grundlagenforschung. Die Unternehmen sollen dabei unterstützt werden, KI und Data Science für ihre Kernaufgaben zu nutzen. Dazu wird untersucht, wie sie ihre Wertschöpfungsketten mit Hilfe von Informationen aus Daten optimieren können. Das Zentrum wurde von Prof. Dr. Alexander Löser, Sprecher von Data Science + X und Prof. Dr. Joachim Villwock, Vizepräsident für Forschung und Transfer der BHT, erläutert. Sie riefen Unternehmen dazu auf, im Rahmen von Forschungskooperationen gemeinsam neue Anwendungen und Innovationen zu entwickeln. Laut beider Experten gibt es in Europa ein Marktvolumen für generative KI in Höhe von knapp 600 Milliarden Euro. Derzeit würden aber nur zwischen 0,2 und 1 Prozent des Umsatzes in einem KMU oder Unternehmen mit mehr als 200 Mitarbeitenden in KI investiert. „Das ist zu wenig“, so Prof. Dr. Joachim Villwock. „Es wäre meine Vision für die nächsten zehn Jahre, dass sich das deutlich ändert.“

Schnittstelle vom KMU zum Übergang in die Forschung

Norman Günther vom Mittelstand-Digitalzentrum Spreeland stellte die praxisorientierten Unterstützungsangebote vor: „Wir haben den Auftrag, KI und Digitalisierung in kleine und mittlere Unternehmen zu bringen. Dafür bieten wir ein Portfolio von Workshopangeboten bis hin zu Machbarkeitsanalysen. Uns ist wichtig, das Thema Digitalisierung und KI zu entmystifizieren.“ Das Zentrum, das Brandenburg und die Lausitz abdeckt und auch Berliner Unternehmen offensteht, setzt unter anderem auf mobile Roadshows. Dabei werden Robotik- und KI-Anwendungen direkt in den Betrieben vorgestellt und Assistenzsysteme praxisnah demonstriert – mit dem Ziel, eine Brücke zwischen KMU und Forschung zu schlagen. Mit Standorten in Eberswalde, Cottbus und Wildau lädt das Zentrum zudem regelmäßig zu Open-Lab-Führungen ein und legt einen besonderen Schwerpunkt auf industrielle Robotik-Anwendungen. Die kostenfreien Angebote reichen von Prozessanalysen und Technologie-Demonstrationen bis hin zur Vermittlung geeigneter Forschungspartner.

Zwei Männer stehen vor einem technischen Arbeitsplatz mit Roboterarm und Kleinteileboxen

Berlin Partner vernetzt Robotik-Akteure und fördert Innovationen

Das Robotik Netzwerk Berlin bringt die Akteurinnen und Akteure zum Thema alle zusammen. Jens Woelki von Berlin Partner für die Berliner Wirtschafts- und Technologieförderung stellte die Veranstaltungsreihe vor, bei der auf Schwerpunkte wie „Industrie trifft Startup“ und „Industrie 4.0 und Robotik“ gesetzt wird. Berlin Partner bietet kostenfreie Beratungsangebote, um Unternehmen bei Forschungs- und Entwicklungsprojekten zu unterstützen und sorgt somit für einen konstruktiven Wissenstransfer. Es unterstützt konkret bei der Partnersuche für F&E-Projekte, bietet Förderberatung für Programme der IBB und des Bundes und verschickt monatliche Newsletter mit Best-Practice-Beispielen und Veranstaltungshinweisen. „Wenn Sie Ideen haben, wie man den Berliner Robotik-Standort voranbringen kann oder Forschungs- und Entwicklungsprojekte diskutieren möchten, kommen Sie gerne auf mich zu“, erklärte Woelki.

Fünf Berliner Roboterunternehmen stellten sich beim MPI Deep Dive in einer Ausstellung vor:

Pi4 Robotics hat 31 Jahre Serviceroboter-Expertise. Das Unternehmen fokussiert sich auf Pflegeassistenz-Roboter für Krankenhäuser und auch ein humanoider Roboter für Mercedes-Benz ist bereits in Entwicklung.

Kontakt: Dipl.-Ing. (Univ.) Matthias Krinke
vertrieb@pi4.de

Gestalt Automation entwickelt KI-basierte Bildverarbeitung – beispielsweise für die Qualitätsprüfung von Ariane-Triebwerken für die Raumfahrt. Die Technologie hilft, die Triebwerke auf Vollständigkeit zu untersuchen.

Kontakt: Thomas Staufenbiel
staufenbiel@gestalt-roboticsautomation.com

Continuum Innovation stellte einen besonders flexiblen Roboterarm vor, der die Automatisierung von Produktionsanlagen unterstützen, effizienter und sicherer machen kann. Dazu nutzt es Kamera- und Sensorsysteme sowie eine Steuerung, die Kollisionen vermeidet. Das Unternehmen sucht derzeit Partner für Pilotprojekte.

Kontakt: Kilian Reiß
info@continuum-innovation.de

Eine Skulptur, die einer Roboterhand nachempfunden ist

Capandji ist eine Ausgründung aus der BHT, die kostengünstig produzierbare Roboterhände herstellt, welche der Funktionalität der menschlichen Hand sehr nahekommen, weil sie besonders weich und nachgiebig sind: Sie können sich anspannen und locker lassen, an zerbrechliche Objekte anschmiegen, ohne sie kaputt zu machen, aber auch robust zugreifen.

Kontakt: Steffen Puhlmann
info@capandji.com

Viras Solutions, eine Ausgründung der HTW, macht flexible Automatisierung für KMUs zugänglich: Das Startup entwickelt modulare Software für Pick-and-Place-Anwendungen, die mit verschiedenen Robotern, Greifern und Kamerasystemen funktioniert. Die Anwenderinnen und Anwender sollen damit eigene Workflows automatisieren können, ohne programmieren zu müssen. Viras Solutions sucht derzeit KMU als Kooperationspartner für Pilotprojekte.

Kontakt: Léon Dodrimong
Leon.Dodrimong@viras-solutions.de