Das Haus der Robotik: Berlins neues Zentrum für humanoide Robotik und Innovation

Ein junger Mann berührt während einer Präsentation eine Hand eines Roboters

Mit dem neu eröffneten „Haus der Robotik“ bündelt die Berliner Hochschule für Technik ihre Labore für Humanoide Robotik unter einem Dach. Studierende und Forschende bauen hier Roboter, die greifen, laufen und denken lernen. Sie kooperieren zudem mit Unternehmen und öffnen ihre Labore regelmäßig für die interessierte Öffentlichkeit.

Das neue „Haus der Robotik“ in der Kurfürstenstraße 141 ist ein zentraler Ort für die Robotik in Berlin – ein Ort der Begegnung zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft. Im Sommersemester 2025 sind hier die Labore des Studiengangs Humanoide Robotik der Berliner Hochschule für Technik (BHT) eingezogen. Im Rahmen des MPI Deep Dive – KI und Robotik in der Produktion am 15. Juli 2025 wurde das „Haus der Robotik“ offiziell eröffnet.

Zwei Vortragende halten eine Roboterhand, die Tomaten pflückt

Gemeinsame Projekte mit Unternehmen
Die Forschungsschwerpunkte decken zentrale Bereiche der modernen Robotik ab: unter anderem Mensch-Roboter-Interaktion, physische Mensch-Roboter-Kollaboration, Soft-Robotik, nachgiebiges Handhaben von Gegenständen, dynamisches zwei- und vierbeiniges Laufen und kognitive Robotik. Untersucht werden zudem unter anderem Exoskelette, die Industriemitarbeitende am Fließband entlasten können – ein Bereich, in dem bereits intensiv mit Unternehmen zusammengearbeitet wird. Diese sind herzlich eingeladen, sich mit Anwendungsideen an die BHT zu wenden: „Sie können gern auf uns zukommen, dann diskutieren wir, wie sich Ideen umsetzen lassen oder wie wir Forschungsfragen in gemeinsamen Projekten angehen können“, sagt Hannes Höppner, Professor für Humanoide Robotik an der BHT. Er gehört neben Prof. Dr.-Ing. Manfred Hild, Professor für Digitale Systeme, und Professor Dr.-Ing. Ivo Boblan, Leiter des Forschungslabors Pneumatische Robotik und Softrobotik, zum Team.

Seit 2018 bietet die BHT einen Bachelorstudiengang Humanoide Robotik an. Im Vergleich zum traditionellen Robotik-Studium liegt der Fokus hier weniger auf Informatik als auf der Konstruktion und Fertigung von Robotern. „Die Studierenden lernen bei uns unter anderem, wie sie konstruieren, elektronische Schaltungen entwickeln, Sensoren auswerten, Motoren ansteuern und Lernfähigkeiten implementieren“, so Hannes Höppner. Ihr Wissen wenden sie im Studiengang in praktischen Projekten an. „So bauen junge Menschen im zweiten Semester robotische Hände von Grund auf neu. Sie stellen sich direkt der Aufgabe, eine Roboterhand für einen konkreten Zweck zu bauen – etwa, einen Apfel oder auch eine Visitenkarte von einem Tisch zu greifen, ein Ei aus einer 6er-Packung zu entnehmen oder Tomaten zu pflücken.“ Im fünften Semester entwickeln die Studierenden einen eigenen passiv dynamischen Geher („passiv dynamic walker“ – kurz: PDW), den sie sowohl physikalisch modellieren als auch physisch herstellen.

Zwei junge Männer stehen neben einem zweibeinigen Roboter
Ein Roboter auf Rollen zerschneidet mit einer roten Schere ein rotes Band

Studiengang ist stark nachgefragt

Im Studium werden auch ethische, psychologische und soziale Fragestellungen diskutiert – die Absolventinnen und Absolventen sollen in der Lage sein, dieses interdisziplinäre Themenfeld zu verstehen und aktiv mitzugestalten. „Die Vielfalt der Fragestellungen, mit denen man in der humanoiden Robotik in Kontakt kommt, ist groß und überaus spannend“, erklärt Höppner. Er ist immer wieder fasziniert, mit welch guten Ideen der Nachwuchs an Herausforderungen herangeht: „Jedes Mal, wenn Studierende an den Handprojekten arbeiten, bekomme ich neue Impulse und lerne etwas Neues.“ Die Nachfrage nach dem Studiengang ist hoch: Die jährlich 44 Plätze sind derzeit dreifach überzeichnet. Der Frauenanteil unter den Studierenden liegt bei 30 Prozent. Ein Masterstudiengang ist im Aufbau und die BHT hat erst kürzlich das Promotionsrecht zum Thema KI-basierte Robotik verliehen bekommen. Es soll zudem ein Coworking Space für Ausgründungen eingerichtet werden.

Die Ausstattung des Hauses ist sehr gut: In der Werkstatt können die Studierenden experimentelle Aufbauten zur Bearbeitung ihrer Forschungsfragen realisieren – unter anderem mit diversen 3D-Druckern. Filamentdrucker erlauben die Herstellung von Bauteilen im Schmelzschichtverfahren, Stereolithografie-Drucker können Harz verfestigen. Ein neuer SLS-Drucker kann Pulver verfestigen und sehr komplexe und hochfeste robotische Systeme realisieren. Weiterhin gibt es Lötstationen zur Fertigung von Platinen, ein Laserschneidgerät und eine Vakuum-Thermoform-Maschine. „Mit letzterer stellen wir Verschalungen her, zum Beispiel für die Beine und Arme der Roboter“, so Höppner. „All diese Techniken lehren wir unseren Studierenden.“

Ein Gebäude vor dunklem Hintergrund

Öffnung nach außen

Das Gebäude, in dem das „Haus der Robotik“ beherbergt ist, stammt von 1914 – aus der Feder von Ludwig Hoffmann: Der Architekt war von 1896 bis 1924 Stadtbaurat in Berlin. Er hat unter anderem die Inselbrücke sowie den Märchenbrunnen in Friedrichshain entworfen und das Pergamonmuseum zu Ende geführt. Zehn große Säulen prägen die Vorderansicht. Das Gebäude wird von der BHT in einer Struktur genutzt, die an einen humanoiden Roboter erinnern soll: Im Erdgeschoss befindet sich neben der Werkstatt das Labor für Lokomotion, wo die Systeme das Laufen lernen – sowohl zweibeinig als auch vierbeinig. In der Mitte liegt die Ebene der Manipulation, wo besonders an der Entwicklung von Händen gearbeitet wird, um in unbekannten und unstrukturierten Umgebungen manipulieren zu können. Ganz oben liegt im Neurorobotik-Labor der Fokus auf Kognition und kognitiver Robotik.

Das Haus öffnet sich bewusst nach außen – nicht nur in Richtung Unternehmen, sondern auch für die Bevölkerung. So finden beispielsweise einmal im Monat die „Robotereinsichten“ statt: Interessierte zwischen 12 und 99 Jahren können dann das Forschungslabor Neurorobotik unter der Leitung von Prof. Dr. Manfred Hild besuchen und ihnen wird von Studierenden der aktuelle Stand ihrer Arbeiten mit dem humanoiden Roboter Myon präsentiert. Beim MPI Deep Dive – KI und Robotik in der Produktion kam auch die Idee zu einem „Roboterstammtisch“ auf, die Hannes Höppner vertiefen will: „Es soll ein lockerer Rahmen sein, in dem Unternehmen monatlich mit der Forschung in Austausch gehen können, um zu brainstormen, aktuelle Themen zu diskutieren oder Möglichkeiten auszuloten.“ Seiner Erfahrung nach stehen viele Unternehmen noch am Anfang ihrer Robotik-Reise und denken eher an Standard-Industrierobotik: „Humanoide Roboter bieten die große Chance, generalistische Systeme zu schaffen für die Lösung von vielfältigen Aufgabenstellungen“, so Höppner. „Es lohnt sich also, sich damit zu beschäftigen.“

Alle, die Interesse an einer Zusammenarbeit haben, können sich an die BHT wenden über Margret Becker: margret.becker@bht-berlin.de
Mehr Infos auch unter: https://www.bht-berlin.de/b-hrob