Arvid Harnack (1901–1942)

Öffentliches Gedenken:
  • Harnackstraße

Geboren am 24. Mai 1901 in Darmstadt wuchs Arvid Harnack in einer Gelehrtenfamilie auf und schloss sich nach dem kriegsbedingten Notabitur 1919 einem Freikorps an. Ein Rockefeller-Stipendium ermöglichte dem Juristen von 1926 bis 1928 ein Studium in Madison/Wisconsin. Dort lernte er seine Frau Mildred kennen. 1931 promovierte Harnack in Gießen über die vormarxistische Arbeiterbewegung in den USA. Mit einer Delegation der von ihm mitbegründeten Gesellschaft zum Studium der sowjetrussischen Planwirtschaft (ARPLAN) reiste er im Sommer 1932 in die Sowjetunion. Nach 1933 begann Harnack einen Schulungszirkel aufzubauen, dem zunächst junge Arbeiter, später der Schriftsteller Adam Kuckhoff, seine Frau Greta, zeitweilig der religiöse Sozialist und ehemalige preußische Kultusminister Adolf Grimme, der Unternehmer Leo Skrzypczynski und andere angehören. Harnack wollte die Beteiligten befähigen, sich mit den politischen und wirtschaftlichen Zusammenhängen des Nationalsozialismus auseinanderzusetzen und sie für die Zeit nach dem Sturz des NS-Regimes vorbereiten. Er verbreiterte seine Kontakte zu gegenüber dem NS-Regime kritisch eingestellten Mitarbeitern aus Regierungsstellen. In Gesprächen mit Vertretern der amerikanischen und sowjetischen Botschaft vermittelte Harnack Einschätzungen der politischen und wirtschaftlichen Situation in Deutschland. Seit 1935 im Amerikareferat des Wirtschaftsministeriums tätig, wurde er 1937 Mitglied der NSDAP und avancierte bis 1942 zum Oberregierungsrat. Seit 1940 kooperierte Harnack mit Harro Schulze-Boysen, den er 1935 kennen gelernt hatte. Sie informierten Anfang 1941 einen Angehörigen der sowjetischen Botschaft über die Vorbereitungen des militärischen Angriffs auf die Sowjetunion. Anfang 1942 erarbeitete Harnack die Studie „Das nationalsozialistische Stadium des Monopolkapitals“, die in Berliner und Hamburger Widerstandskreisen zirkulierte. Harnack wurde am 7. September 1942 verhaftet, am 19. Dezember vom Reichskriegsgericht zum Tode verurteilt und auf Befehl Hitlers am 22. Dezember 1942 in Berlin-Plötzensee ermordet.