Berlin in Zahlen: Sozialbericht 2025 veröffentlicht
Pressemitteilung vom 16.04.2026
Die Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt, und Antidiskriminierung hat den Sozialbericht 2025 veröffentlicht. Der Bericht bündelt statistische Daten zur sozialen Lage der Berliner Bevölkerung und zeigt, wie sich Armut, Arbeit, Wohnen und weitere Lebenslagen entwickelt haben.
Für eine verantwortungsvolle und progressive Sozialpolitik braucht es verlässliche Daten. Nur wenn wir soziale Entwicklungen präzise erfassen, können wir konkrete und wirksame Maßnahmen ergreifen. Der Sozialbericht 2025 zeigt, wie vielfältig und dynamisch sich unserer Stadtgesellschaft entwickelt. Er liefert eine verlässliche Grundlage für politische Entscheidungen und gibt Anregungen für die politische Arbeit.
Senatorin Cansel Kiziltepe: „Mit dem Sozialbericht gewinnen wir einen klaren Überblick über die soziale Lage in Berlin. Er zeigt deutlich, wo die Stadt vor Herausforderungen steht und wo wir bereits vorankommen. Für die Politik ist er ein eindeutiger Auftrag, die soziale Infrastruktur zu sichern und genau dort zu stärken, wo die Berlinerinnen und Berliner sie brauchen.“
Der Bericht zeigt, dass die soziale Lage in Berlin angespannt bleibt. Etwa 20 Prozent der Berlinerinnen und Berliner sind armutsgefährdet. Sowohl Kinder- als auch Altersarmut liegen weiterhin deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Auffällig sind die starke räumliche Ungleichverteilung sozialer Lagen sowie der zunehmende Einfluss des Wohnungsmarktes auf die soziale Lage. Im Bildungsbereich zeigt sich ein gemischtes Bild: Die Qualifikationsniveaus steigen insgesamt, zugleich nimmt der Anteil der Menschen ohne beruflichen oder akademischen Abschluss zu. Berlin bleibt aber auch eine engagierte Stadt – mehr als ein Drittel der Bevölkerung ist ehrenamtlich aktiv.
Der Sozialbericht stützt sich auf eine breite Palette amtlicher Datenquellen, z. B. den Mikrozensus, Fachstatistiken des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg oder des Statistischen Bundesamtes sowie die Statistiken der Bundesagentur für Arbeit. Ergänzt wird der Sozialbericht durch Sonderauswertungen bspw. von verwaltungsintern erhobenen Daten oder des Sozio-Ökonomischen Panels (SOEP). Der Bericht gibt Auskunft über die Entwicklung der sozialen Lage im Zeitverlauf 2015 bis 2023.
Der Sozialbericht erscheint künftig jährlich. Er ist ab sofort online abrufbar unter
www.berlin.de/sen/soziales/service/sozialberichterstattung/260414-senasgiva-sozialbericht-2025-dina4.pdf
Die wichtigsten Ergebnisse des Sozialberichts 2025
Armut- Die Armutsgefährdungsquote ist in Berlin zwischen 2015 und 2023 gestiegen. Rund 20 % der Berliner*innen gelten 2023 als armutsgefährdet. Besonders betroffen sind Kinder, Alleinerziehende, Geringqualifizierte und Menschen mit Einwanderungsgeschichte.
- Überdurchschnittlich hohe Armutsgefährdungsquoten zeigen sich insbesondere in den Bezirken Neukölln, Lichtenberg und Mitte.
- Kinderarmut ist rückläufig, bleibt jedoch hoch: Rund jedes vierte Kind unter 15 Jahren lebt in einem Haushalt, der auf Leistungen der Grundsicherung (SGB II) angewiesen ist.
- Auch Altersarmut liegt mit rund 7 % weiterhin deutlich über dem Bundesdurchschnitt.
- Der Arbeitsmarkt hat sich in Berlin insgesamt positiv entwickelt. Die Erwerbslosenquote hat sich zwischen 2015 und 2023 nahezu halbiert, während die Erwerbstätigenquote deutlich gestiegen ist.
- Die Erwerbstätigenquote unter Frauen liegt bei rund 70 % und damit sieben Prozentpunkte niedriger als die Quote unter Männern.
- Armut trotz Erwerbstätigkeit bleibt in Berlin relevant. Der Anteil an Arbeitnehmer*innen, die auf SGB II angewiesen sind, ist in Berlin etwa doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt. Besonders häufig davon betroffen sind Teilzeitbeschäftigte sowie Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit.
- Insgesamt steigt der Bevölkerungsanteil mit einem höheren formalen Qualifikationsniveau an, allerdings nehmen auch die Anteile der Menschen ohne schulischen, beruflichen oder akademischen Abschluss zu.
- Die Bildungsbeteiligung im Vorschulalter ist kontinuierlich gestiegen. Es bestehen jedoch deutliche sozialräumliche Ungleichheiten.
- Die Lebenserwartung ist gestiegen; für Frauen fällt sie dabei im Schnitt höher aus als für Männer.
- Umweltmehrfachbelastungen haben einen maßgeblichen Einfluss auf die Gesundheit. Diese treten häufiger in Quartieren auf, in denen auch Armut verstärkt zu beobachten ist.
- Mehr Menschen mit anerkannter Schwerbehinderung arbeiten sozialversicherungspflichtig: Die absolute Anzahl hat in Berlin zugenommen. Die prozentuale Steigerung fällt jedoch geringer aus als in Deutschland insgesamt.
- Die Zahl an Leistungsempfangenden von Hilfe zur Pflege sank im Zeitverlauf um rund 39 %.
- Knapp jede vierte Person in Berlin fühlt sich einsam, besonders häufig junge Menschen, Männer, Einkommensarme und Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit.
- Gleichzeitig engagieren sich viele Menschen: Mehr als ein Drittel der Berliner*innen war ehrenamtlich aktiv, insbesondere in den Bereichen Schule, Kita, Sport und Nachbarschaft.
- Der angespannte Wohnungsmarkt hat weiterhin einen erheblichen Einfluss auf die soziale Lage. Rund 20 % der Berliner Haushalte gelten als übermäßig durch Wohnkosten belastet, da sie mindestens 40 % ihres Einkommens für die Bruttokaltmiete aufwenden.
- Wohngeld bezieht nur ein geringer Anteil aller Berliner Haushalte, davon überwiegend Rentner*innen und Pensionär*innen.
- Wohnungslosigkeit hat deutlich zugenommen, immer mehr Menschen werden in Unterkünften für Wohnungslose untergebracht. Zu berücksichtigen ist, dass hierbei Geflüchtete – u. a. aus der Ukraine – mitgezählt werden.
- Rund 9 % der Berliner*innen gelten als einkommensreich. Besonders hohe Anteile einkommensreicher Personen finden sich in den Bezirken Charlottenburg-Wilmersdorf, Steglitz-Zehlendorf und Pankow.
- Die Zahl der Spitzenverdienenden (Jahreseinkommen > 1 Mio. €) hat sich in Berlin nahezu verdoppelt und damit deutlich stärker zugenommen als bundesweit.
- Vermögen sind sehr ungleich verteilt: Das durchschnittliche Vermögen der Berliner*innen liegt bei rund 57.000 Euro, die Hälfte der Bevölkerung verfügt jedoch nur über höchstens 5.620 Euro.