Senatorin Cansel Kiziltepe zum Berlin-Monitor 2025: „Wir müssen wachsam sein, Haltung zeigen und unsere Demokratie verteidigen!“
Pressemitteilung vom 23.02.2026
Die Berliner*innen bekennen sich mehrheitlich zur Demokratie als Gesellschaftssystem, äußern jedoch wachsende Skepsis gegenüber ihrer konkreten Funktionsweise. Die Berliner*innen unterstützen die Demokratie grundsätzlich, stellen aber deren Leistungsfähigkeit zunehmend infrage. Gleichzeitig ist die Zustimmung der Berliner Bevölkerung zu menschenverachtenden Denkweisen besorgniserregend. Das betrifft vor allem Einstellungen zu Sinti*zze und Romn*ja sowie antisemitische Haltungen.
Zu diesen Ergebnissen kommt die Studie Berlin Monitor 2025, die am Montag vorgestellt und veröffentlicht wurde. Ein Forschungsteam der Universität Leipzig hat im Rahmen der vierten repräsentativen Bevölkerungsumfrage des Berlin-Monitors zwischen dem 25. Juni und dem 1. August 2025 insgesamt 2.022 Berliner*innen ab 18 Jahren befragt.
Die diesjährige Erhebung des Berlin-Monitors zeigt, dass Diskriminierungen weiterhin zentrale Herausforderungen für die demokratische Kultur der Stadt darstellen und teilweise tief in ihr verankert sind.
Während die Mehrheit der Berliner*innen demokratische Grundüberzeugungen teilt, offenbaren die Daten des Berlin-Monitors 2025 eine deutliche Instabilität: Zum einen liegen die aktuellen Werte der Unterstützung der Demokratie so niedrig wie noch nie in einer Erhebung des Berlin-Monitors, zum anderen mischt sich die Zustimmung zur Demokratie als bestem politischen System mit der gleichzeitigen Hinwendung zu antidemokratischen und autoritären Einstellungsmustern.
Cansel Kiziltepe, Senatorin für Antidiskriminierung: „Wir leben in einer Zeit, in der Abneigungen und Vorbehalte weit verbreitet sind und oft auch ganz offen ausgesprochen werden, im digitalen Raum, an der Supermarktkasse, in den öffentlichen Verkehrsmitteln und auch im politischen Raum. Die Ergebnisse des aktuellen Berlin-Monitors müssen uns allen ein Warnsignal sein. Und für uns heißt das ganz konkret: besonders wachsam sein, Haltung zeigen und unsere Demokratie verteidigen – im Alltag, in Debatten, in Entscheidungen. Gerade jetzt müssen wir die demokratische Basis in unserer Gesellschaft stärken. Wir müssen weiterkämpfen gegen jede Form von Rassismus und Menschenfeindlichkeit! Wir müssen alles dafür tun, dass sich Menschen ohne Angst vor Beleidigungen, Beschimpfungen oder gar tätlichen Angriffen durch unsere Stadt bewegen können. Das stärkt unsere Demokratie und schwächt ihre Gegner.“
Alina Voinea, Ansprechperson des Landes Berlin zu Antiziganismus: „Die starke Ausprägung antiziganistischer Einstellungen in der Berliner Bevölkerung ist erschreckend. Antiziganismus/Rassismus gegen Rom*nja und Sinti*zze gehört weiterhin zu den am weitesten verbreiteten Ressentiments in Deutschland. Die hohen Zustimmungswerte zu antiziganistischen Aussagen sind ein äußerst alarmierendes Signal. Wir bekämpfen Antiziganismus konsequent, damit Berlin zu einer Stadt wird, in der alle Rom*nja und Sinti*zze als gleichberechtigte Bürger*innen in Sicherheit leben können.“
Prof. Dr. Gert Pickel: „Die Berliner*innen stehen unserer Demokratie überwiegend positiv gegenüber. Zugleich zeigen sie sich aber zunehmend distanziert und skeptisch darüber, wie Demokratie heute funktioniert. Zudem wird die Zustimmung zur Demokratie fragiler. Es können sich doch immer mehr Berliner*innen neben der Demokratie auch einen starken Führer oder ein Einparteiensystem vorstellen. 30 Prozent der Berliner*innen halten Sinti*zze und Romn*ja für nicht so zivilisiert und 45 Prozent denken, ihre Anwesenheit führt zu Konflikten.”
Prof. Dr. Oliver Decker: „Antisemitismus ist in Berlin weiter verbreitet als in West- und Ostdeutschland. Das ist eine Bedrohung unserer demokratischen Kultur. Seit dem Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 registrieren wir einen zunehmend israelbezogenen Antisemitismus in der gesamten Bevölkerung. In der extremen Rechten ist der Hass auf Jüdinnen und Juden am stärksten.“
Die Ergebnisse der Studie finden Sie hier: https://efbi.de/details/berlin-monitor-2025.html
Eine Zusammenfassung der Ergebnisse und ein Fazit in 16 Punkten finden Sie in der Studie ab Seite 130 ff.
Zum Forscherteam gehören:- Prof. Dr. Gert Pickel, Berlin-Monitor, Professor für Religions- und Kirchensoziologie, u.a. Mitglied im Hochschulbeirat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD); Mitglied im Vorstand des Kompetenzzentrums für Rechtsextremismus- und Demokratieforschung (KReDO).
- Prof. Dr. Oliver Decker, Direktor des Leipziger Else-Frenkel-Brunswik-Instituts für Demokratieforschung und Direktor des Kompetenzzentrums für Rechtsextremismus- und Demokratieforschung, Universität Leipzig
- Prof. Dr. Katrin Reimer-Gordinskaya, Hochschule Magdeburg-Stendal
Zum Hintergrund:
Der Berlin-Monitor dient seit 2019 als empirisches Instrument, um solche Dynamiken sichtbar zu machen. Die Erhebung findet zweijährig mit der Befragung von ca. 2000 repräsentativ ausgewählten Berliner*innen statt, und wird von der Universität Leipzig durchgeführt. Die Studie erfolgt in Zusammenarbeit mit der Berliner Landesstelle für Gleichbehandlung – gegen Diskriminierung und der Berliner Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung.
Zur Methodik:
Im Rahmen der vierten repräsentativen Bevölkerungsumfrage des Berlin-Monitors wurden zwischen dem 25. Juni und dem 1. August 2025 insgesamt 2.022 Berliner*innen ab 18 Jahren befragt. Die Erhebung wurde vom Meinungsforschungsinstitut USUMA GmbH im Auftrag der Universität Leipzig durchgeführt. Ziel war es, ein repräsentatives Abbild der Berliner Wohnbevölkerung zu gewinnen und die im zweijährigen Rhythmus erhobenen Zeitreihen der vorangegangenen Studien (2019, 2021, 2023) fortzuführen. Die Erhebung erfolgte als Mixed-Mode-Befragung (TOM-Design), bestehend aus 1.405 telefonischen Interviews (CATI) und 617 Online-Interviews (CAWI). Die Datenerhebung umfasste Fragen zu demokratischen und antidemokratischen Einstellungen, Vorurteilen gegenüber verschiedenen Bevölkerungsgruppen sowie sozio-demografischen Merkmalen (u. a. Geschlecht, Alter, Bildung, Einkommen, Religiosität, Migrationshintergrund). Einen Schwerpunkt legte der Berlin-Monitor auf antisemitische und antiziganistische
Einstellungen. Einstellungen wurden überwiegend mit Likert-Skalen erhoben, um eine Vergleichbarkeit mit bundesweiten Umfragen wie der Leipziger Autoritarismus Studie (Decker et al. 2024b) und der Mitte-Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung (Zick et al. 2023) zu gewährleisten.
Ein Pretest des Fragebogens fand am 25. und 26. Juni 2025 bei USUMA statt und führten zu inhaltlichen und formalen Anpassungen.
Zur Sicherstellung der Erhebungsqualität fanden am 02., 07. und 09. Juli 2025 umfassende Schulungen der Interviewer*innen statt. Während der Feldphase wurden die Interviews fortlaufend hinsichtlich ihrer Qualität geprüft – etwa durch begleitendes Monitoring, Plausibilitätsprüfungen und gezielte Nachschulungen bei Auffälligkeiten.
Die Rückmeldequote betrug 16,4 Prozent, was für großstädtische Befragungen als üblich anzusehen ist.