Wie sicher ist Berlin für trans, inter und nicht-binäre Menschen? Neue Studie untersucht Ausmaß der Transfeindlichkeit in Berlin

Pressemitteilung vom 24.07.2025

Eine heute veröffentlichte Studie liefert vertiefte Einblicke in das Ausmaß und die Erscheinungsformen transfeindlicher Gewalt in der Hauptstadt. Unter dem Titel „Transfeindliche Gewalt. Verbreitung, Erscheinungsformen und Gegenmaßnahmen in Berlin“ wurde die Untersuchung vom Träger Camino im Auftrag des Berliner Senats durchgeführt. Ziel ist es, fundierte Grundlagen zu schaffen, um gezielte Maßnahmen für den Schutz und die Sicherheit queerer Menschen zu entwickeln. Denn gerade trans, inter und nicht-binäre Menschen erleben im Alltag und im öffentlichen Raum nach wie vor besonders häufig Diskriminierung und Hassgewalt. Das zeigen polizeiliche Statistiken, europaweite Befragungen der Grundrechteagentur der Europäischen Union und auch das Berliner Monitoring trans- und homophobe Gewalt 2022 zum Schwerpunktthema Transfeindlichkeit sehr deutlich. Daher befasst sich das Land Berlin mithilfe der neuen Studie noch tiefer mit dieser Erscheinungsform gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit in Berlin. Neben der Aufbereitung und Analyse vorhandener Daten wurden qualitative Interviews durchgeführt, um Transfeindlichkeit und Transinklusivität im Gesundheitswesen, in der Schule, am Arbeitsplatz sowie in der Berliner Verwaltung in Berlin zu untersuchen.

Senatorin für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung, Cansel Kiziltepe: „Queerfeindliche Stimmen in der Gesellschaft nehmen wieder zu. Sie richten sich gegen die Menschenrechte und Gleichbehandlung von trans, inter und nicht-binären Menschen in allen Lebensbereichen. Das besorgt mich zutiefst. Dank dieser Studie haben wir jetzt vertiefte Erkenntnissen darüber, wie das Land Berlin weiter zum Abbau von Ungleichbehandlung und queerfeindlicher Gewalt beitragen kann. Denn es gibt keinen Zweifel: Der Schutz von trans-, inter- und nicht-binären Menschen verbessert nicht nur deren Lebenssituation. Es ist auch ein dringend nötiger Einsatz für das demokratische Miteinander in dieser Stadt.“

Link direkt zur Studie: https://camino-werkstatt.de/publikationen/transfeindliche-gewalt-verbreitung-erscheinungsformen-und-gegenma%C3%9Fnahmen-in-berlin

Weitere Informationen unter www.lsbti-monitoring.berlin

Hintergrund-Informationen:

Zentrale Ergebnisse aus der Studie beinhalten sowohl die Identifikation bestehender Problemstellungen als auch die Darstellung von Lösungs- und Handlungsansätzen. Im Folgenden werden ausgewählte Problemstellung und Lösungsansätze nach Bereichen benannt. Gesamtgesellschaft:
  • Transfeindliche Gewalt ist weit verbreitet: Zwei Drittel der befragten trans* Personen (66 %) berichteten, innerhalb der letzten fünf Jahre von transfeindlicher Gewalt betroffen gewesen zu sein. Nahezu die Hälfte der Befragten (48 %) erlebte sogar im letzten Jahr vor der Befragung Übergriffe.
  • Transfeindliche Gewalt sollte als eigenständiges Phänomen mit struktureller Bedeutung und mit einer institutionellen Dimension verstanden werden. Eine Fokussierung auf interpersonale Angriffe greift zu kurz. Wichtig ist außerdem eine zuverlässige Erfassung transfeindlicher Vorfälle in Polizeistatistiken und Gerichtsakten.
    Bereich Schule:
  • Viele trans* Kinder und Jugendliche erleben Schulen als Orte der Diskriminierung – durch Mobbing, Misgendering oder strukturelle Ausschlüsse.
  • Das schulische Personal ist oft nicht ausreichend geschult im Umgang mit geschlechtlicher Vielfalt.
  • Geschlechtliche Vielfalt sollte im Berliner Schulwesen stärker strukturell verankert werden – etwa durch verbindliche Regelungen, Leitlinien und stärkere Abbildung in den Rahmenlehrplänen.
  • Die schulischen Kontaktpersonen für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt sollten in ihrer Rolle gestärkt werden.
    Bereich Berliner Verwaltung:
  • Auch im Arbeitsleben – hier am Beispiel der Berliner Verwaltung – erfahren trans* Personen Diskriminierung – etwa durch binär gestaltete Dokumente und Prozesse, Misgendering oder transfeindliche Bemerkungen.
  • Die Berliner Verwaltung sollte Fortbildungsmöglichkeiten zu geschlechtlicher Vielfalt im Arbeitsleben ausbauen.
  • Für die Berliner Verwaltung sollte eine Transitionsrichtlinie umgesetzt werden, ergänzt durch Handlungsleitfäden mit Standards und Empfehlungen für AGG- und LADG-Beschwerdestellen
    Gesundheitswesen:
  • Für viele trans* Personen spielt das Gesundheitswesen eine wichtige Rolle. Es kann den selbstbestimmten Ausdruck der geschlechtlichen Identität unterstützen – etwa durch Hormonbehandlungen, chirurgische Eingriffe oder psychologische Beratung, ist aber auch in vielfacher Weise mit belastenden Erfahrungen verbunden.
  • Häufig herrschen Unsicherheit oder Unkenntnis beim medizinischen Personal, was bis zu Zurückweisungen von Patient*innen führen kann. Und der Zugang zu und die Finanzierung von erforderlichen Behandlungen wie Hormontherapien oder chirurgischen Eingriffe erweisen sich oft als schwierig.
  • Transinklusive Fachberatungsstellen mit Systemwissen zum Gesundheitswesen sollten nachhaltig gewährleistet und ggf. verlässlich gefördert werden.
  • Geschlechtliche Vielfalt sollte in der Aus- und Fortbildung der Gesundheitsberufe stärker verankert werden.