Schloss Glienicke

Schloss Glienicke

Das Schloss Glienicke ist ein beeindruckendes Freilichtmuseum. Das Schloss aus Schinkels Feder ist eine italienische Villa auf deutschem Boden und gehört zum Weltkulturerbe.

  • Schloss Klein Glienicke© dpa
    Unesco Welterbe: Das Schloss Glienicke
  • Schloss Klein Glienicke© www.enrico-verworner.de
An lauen Sommerabenden, wenn die Sonne langsam hinter dem Jungfernsee in der Havel versinkt, finden sich romantische Seelen an dieser Terrasse unter der mit Wein berankten Pergola ein. Wo Berlin und Potsdam sich am nächsten kommen, entfaltet sich die reizvolle Seenlandschaft der Havel. Ein Ort, wie geschaffen für den Traum von Arkadien. Malerisch fließen die Natur und die Konturen des feudalen Schlossparks Glienicke ineinander. Die Sehnsucht der preußischen Herrscher nach Italien zu Beginn des 19. Jahrhunderts ist hier am Gebäude namens Casino Gestalt geworden. Und niemand Geringeres als Karl Friedrich Schinkel (1781–1841) baute diesen mediterranen Logenplatz für den Genuss des märkischen Naturschauspiels.

Italienische Villa aus Schinkels Feder

Nachdem die halbe königliche Familie 1821–28 durch Italien gereist war, erfüllte der preußische Baumeister Schinkel die individuellen Wünsche des amtierenden Königs Friedrich Wilhelm III. und seiner Söhne Friedrich Wilhelm und Carl nach einer italienischen Villa auf heimatlichem Boden. Wer konnte den Hoheiten diese euphorische Baulust verdenken, angesichts des vergan genen dramatischen Jahrzehnts zwischen der Eroberung durch Napoleon und den Befreiungskriegen! Französische Baukunst als Vorbild war dadurch ohnehin passé.
Prinz Carl von Preußen (1801–83), der seit seinem 21. Lebensjahr fast jährlich zum Stiefel aufbrach, erwarb 1824 sein geeignetes Bauland aus dem Nachlass des verstorbenen Staatskanzlers Karl August Fürst von Hardenberg. Der hatte im Zenit seines Ruhmes 1814 das Gut in Glienicke durch den Potsdamer Architekten Andreas Ludwig Krüger zum Landsitz ausbauen lassen und für den Park einen talentierten Gartengestalter engagiert: Peter Joseph Lenné (1789–1866), seit 1816 in den königlichen Parkanlagen Potsdams für die Pflanzenpflege zuständig. Der Pleasureground, den Gartenbaukünstler Lenné für Hardenberg schuf, war sein erstes Werk im Potsdamer Raum.
Der Ausbau des stimmungsvollen Anwesens des Prinzen Carls wird bis zu seinem Tod – fast sechzig Jahre lang – andauern. Glienicke ist mehr als ein gewöhnlicher Sommersitz eines Adeligen. Durch die reichhaltige Ausstattung antiker und mittelalterlicher Originalstücke sowie zeitgenössischer Skulpturen ist das Gelände ein beeindruckendes Freilichtmuseum.

Schloss Glienicke - ein beeindruckendes Freilichtmuseum

Bevor Schinkel das Haupthaus zum mediterranen Palazzo verwandelte, errichtete er am Ufer der Havel 1824/25 das Casino. Er setzte dabei detailgenau italienische Vorbilder um. Zwei Säle im Erdgeschoss für Sommerfeste und eine Wohnung im Obergeschoss für Gäste verbergen sich in der kleinen klassizistischen Villa. Hohe Fenster ermöglichen den Ausblick in die nähere Umgebung, die beidseitigen Pergolen und Treppen zum Havelufer verbinden das Gebäude mit dem Park. Vor dem nördlichen Laubengang steht eine Porphyrsäule mit dem Preußenadler. Die flachen Schalen auf der Dachterrasse dienten einst für die Beleuchtung durch Feuer. An der rückwärtigen Wand steht eine antike Bankanlage mit Wandmalerei im pompejanischen Stil. Rings um das kleine Haus sind Exponate aus der umfangreichen Antikensammlung des Prinzen aufgestellt.
Schloss Glienicke
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Löwenfontäne im Schlosspark

Betritt man den Schlosspark von der Chaussee nach Potsdam, fällt sofort die vergoldete Löwenfontäne ins Auge, die Schinkel nach einem Vorbild aus der Villa Medici in Rom entwarf. Für den repräsentativen Brunnen, einen der schönsten Berlins, wurden 1837/38 zwei Bronzelöwen aus Sankt Petersburg verwendet, die Prinz Carl von seiner Schwester Charlotte (1798–1860) geschenkt bekommen hatte. Charlotte war zur Vertiefung der Freundschaft zwischen Preußen und Russland mit dem späteren Zaren Nikolaus I. verheiratet worden und hieß fortan Zarin Alexandra Feodorowna. Neben den wasserspeienden Raubtieren kann man sich auf einer überdachten, halbrunden Sitzbank ausruhen. Dieses Stibadium schuf 1840–42 Schinkels Schüler und Mitarbeiter Ludwig Persius im Stil der Antike. Gedacht war es einst als Teeplatz. Die Granitschale davor stammt von Johann Gottlieb Cantian, dessen riesige Granitschale vor dem Alten Museum in Berlin damals für Aufsehen sorgte. Die Brunnenanlage wurde 2010 restauriert.

Architektur des Schlosses Glienicke

Hinter der Löwenfontäne erhebt sich das zweigeschossige Schloss in der klassischen Typologie einer italienischen Villa. Das 1825–27 von Schinkel umgebaute Gutshaus erhielt ein Flachdach, eine durch Quader gegliederte helle Putzfassade und einen Mittelrisalit. Dieser wiederum besteht aus drei hohen Fenstertüren mit Balkonvorbau und Pilastergliederung im Erdgeschoss.

Gartenhof mit südländischer Atmosphäre

An der Rückseite des hufeisenförmigen Hauses liegt der idyllische Gartenhof, der mit umgebender Pergola, den dekorativen Antiken an den Wänden, Brunnen und dem benachbarten Kavalierflügel mit Turm eine sehr südländische Atmosphäre ausstrahlt. Der 1832 errichtete Turm wurde 1872 durch den luftigen Aufbau nochmals erhöht. Die vermauerten antiken Spolien in den Hoffassaden haben Prinz Carl und Schinkel in Italien erworben. Blickfang im Garten ist die Kopie einer antiken Brunnengruppe mit Steinwanne aus dem Jahr 1828. Den Eingang zum Schloss betonte Persius 1839 mit einem kleinen frei stehenden Portikus. Hinter dem Kavalierflügel liegt die ehemalige Wagenremise, in der sich heute ein Restaurant befindet. Davor steht der Neptunbrunnen aus einer gusseisernen Figur (1838 von Ernst Rietschel) und Marmormuschel.

Innenarchitektur des Schlosses Glienicke

Die Innenräume des Schlosses gestaltete Schinkel klassizistisch schlicht und unterschied sie durch kräftige Farbgebung. Neben dem Roten Saal und Grünen Salon gibt es auch ein türkises Schlafzimmer, eine tiefblaue Bibliothek und ein Marmorzimmer. Wie üblich, entwarf das Multitalent fast die komplette Inneneinrichtung, von der jedoch nur noch Reste erhalten sind. Beim Ausbau des Schlosses zum Sportlerheim 1950–52 wurde die Innengestaltung Schinkels beseitigt. Nach Ende dieser Nutzung 1987 erfolgte die Rekonstruktion der Räume im historischen Stil. Im Grünen Salon befindet sich heute eine Chaiselongue des Prinzenpaares, welches Schinkel 1828 für ihr Palais in Berlin entworfen hatte.

Schlossmuseum

Die Berliner Schlösserverwaltung konnte zudem von der Stiftung des Barons Cerrini di Montevarchi ehemalige Kunstwerke aus dem Besitz des Prinzen Carl zurückerwerben. Seit 1995 zeigt das Schlossmuseum somit ein eindrucksvolles Bild adeliger Wohnkultur aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Gleichzeitig gibt es eine Ausstellung über die preußischen Hofgärtner, die seit dem 18. Jahrhundert die grüne Kulturlandschaft um Potsdam geschaffen und gehegt haben.

Der Klosterhof des Ferdinand von Arnim

Ein aus der heiteren Atmosphäre des Anwesens ausscherendes Gebäude ist der kleine Klosterhof, der sich zwischen Schloss und Casino befindet. Ferdinand von Arnim errichtete 1850 das sakral anmutende Ensemble aus Vorhof und Hof mit Kreuzgang unter Verwendung von Bauteilen eines abgebrochenen mittelalterlichen Klosters bei Venedig. In der Apsis ist die Sarkophagplatte des italienischen Philosophen Pietro d’Abano (1250–1315) aus dem Dom zu Padua aufgestellt. Im kleinen Hof steht ein byzantinischer Brunnen, vermutlich aus dem 11. Jahrhundert. Der Affenkopf am Ausgang des Vorhofes stammt aus Pisa. In diesem einmaligen Bauwerk bewahrte der Prinz einst Teile seiner Kunstsammlung auf. Es soll auch sein Lieblingsplatz für das Frühstück gewesen sein.
Am Klosterhof kann man den engeren Schlossparkbereich verlassen und kommt in den weitläufigeren, zum Teil waldartigen Landschaftspark. In diesem Abschnitt wurde nahe der Havel 1837/38 von Persius das Maschinenhaus mit Wasserreservoir errichtet, welches den Löwenbrunnen speist. Neben dem Wasserturm steht, ebenso im italienischen Stil erbaut, das Haus für den Gärtner.

Rotunde an der Glienicker Brücke

Zurück zum Schlossbezirk: Ein weiterer Höhepunkt der architektonischen Ausgestaltung des Parks ist die Rotunde an der Glienicker Brücke, die auch Große Neugierde genannt wird. Sie wurde 1835 als Aussichtspunkt neben die damals frisch erbaute steinerne Brücke gesetzt. Auf die Rotunde aus 16 korinthischen Säulen setzte Schinkel eine Kopie des Lysikrates-Denkmals in Athen, ein Werk aus dem Jahre 334 v. Chr.
Zwischen den Säulen befinden sich vergoldete Gitter mit den Köpfen des Zeus und der Hera. Das Antlitz der Hera soll die Gesichtszüge der Gemahlin des Prinzen Carl haben. Prinzessin Marie aus dem Hause Sachsen-Weimar (1808–77) war für ihre Schönheit bekannt. Sogar Wolfgang von Goethe war davon überwältigt. Die schöne Prinzessin und der fesche Prinz heirateten übrigens – für damalige Verhältnisse unter Aristokraten noch ungewöhnlich – aus Liebe.
Die Große Neugierde ist leider im Zuge des Ausbaus der Königstraße 1938 um elf Meter in den Park zurückgesetzt worden, wodurch die ehemaligen Sichtbezüge zu den umgebenen Schlossbauten und zur Stadt Potsdam verloren gingen.

Auf dem Rückweg von der Rotunde zum Schloss stößt man im Park auf eine malerische Ruinengruppe. Sie wurde aus dorischen Säulentrommeln und einem römischen Kapitell aus San Paolo fuori le Mura in Rom zusammengestellt.

Für die Gestaltung des Parks hatte Prinz Carl erneut Lenné beauftragt. Auch Hermann Fürst von Pückler-Muskau trug mit geometrischen Blumenbetten an der Ausschmückung bei.

Vom Verfall zum Weltkulturerbe

Der Hauptzugang zum Schlossgelände führt durch das Johanniterportal an der Königstraße, so genannt wegen der Kreuze des Johanniterordens, die das Tor zieren. Sie erinnern an die dem Schlossherren 1854 verliehene Herrenmeisterwürde des Ordens. Das neubarocke Eisengitter trägt die Initialen Carls. Zwei vergoldete Greifen des Bildhauers August Kiß bewachen den Zugang. Nach dem Tod des Prinzen Carl 1883 wurde die Anlage vernachlässigt und verfiel. Die Stadt Berlin erwarb das Glienicker Gelände 1935 und öffnete den Park für die Bevölkerung. Seit 1990 gehört das harmonische Gesamtkunstwerk aus Architektur und Gartengestaltung als Teil der Berlin-Potsdamer Kulturlandschaft zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Informationen

Adresse
Königsstr. 36
14109 Berlin
Internetadresse
www.spsg.de
Öffnungszeiten
Januar und Februar geschlossen,
März: Samstag und Sonntag 10 bis 17 Uhr
April bis Oktober: Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr
November und Dezember: Samstag und Sonntag 10 bis 17 Uhr
Hinweise
Besichtigung nur mit Führung
Eintrittspreise
6 Euro, ermäßigt 5 Euro (mit Führung)
Barrierefrei
Das Schloss und die Ausstellung sind nicht rollstuhlgerecht.
Architekt
K. F. Schinkel, L. Persius, F. von Arnim
Architekt
Klassizismus

Nahverkehr

Bus

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| Aktualisierung: 6. April 2017