Teenager und Sozialarbeiter im Gespräch

Arbeiten in den Hilfen zur Erziehung

Was ist „Hilfe zur Erziehung"?

In Familien können vielfältige Alltagsprobleme und Konflikte auftreten. Manche Eltern brauchen dann für einen gewissen Zeitraum intensivere Unterstützung bei der Erziehung ihrer Kinder, wenn sie allein nicht zurechtkommen oder alles zu herausfordernd ist. Sie werden dann von Fachkräften unterstützt und entlastet. Die Hilfe wird individuell geplant und orientiert sich daran, was die Familie benötigt.

Die Aufgaben als Fachkraft sind vielfältig und hängen davon ab, wo Sie eingesetzt werden. Hilfen zur Erziehung können im direkten Umfeld der Familie (ambulant), in einer Tagesgruppe (teilstationär) oder in Einrichtungen wie Wohngruppen (stationär) erbracht werden.
Je nach Einsatzbereich begleiten und unterstützen Sie Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Alltag, geben Halt und Struktur und sind eine wichtige Vertrauensperson. Sie helfen ihnen dabei, selbstständig zu werden, und begleiten sie auf dem Weg zurück in ihre Familie oder in ein eigenständiges Leben. In der Arbeit mit Familien unterstützen Sie Eltern bei Fragen der Erziehung, beim Umgang mit Verhaltensauffälligkeiten der Kinder und bei der Organisation des Alltags. Auch bei Problemen, zum Beispiel in der Schule oder mit Freundinnen und Freunden, begleiten Sie die Kinder und Jugendlichen. Dabei arbeiten Sie häufig im Team mit Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern zusammen.

Einsatzorte und Angebotsformen in den Hilfen zur Erziehung

Neben den aufgelisteten Angebotsformen gibt es weitere, zum Teil sehr spezifische Angebotsformen, z.B. Intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung, Hilfen zur Erziehung im Ausland sowie spezielle präventive oder therapeutische Angebote. Die Arbeitszeiten, Organisation und Settings in denen Sie in der Hilfe zur Erziehung arbeiten können, unterscheiden sich nach Angebotsform und Einrichtung mitunter sehr.

Stationäre Hilfe zur Erziehung

  • Gruppenangebot/Regelleistung

    Als Fachkraft betreuen Sie Kinder oder Jugendliche, die aus unterschiedlichen Gründen zeitweise oder dauerhaft nicht in Ihrer Familie leben können. Sie gestalten und begleiten den Alltag – vom Arztbesuch und gemeinsamen Mittagessen bis hin zum Ausflug am Wochenende. Sie arbeiten dabei eng mit den Eltern und dem Jugendamt zusammen.

  • Jugendwohngemeinschaften

    Jugendwohngemeinschaften sollen Jugendliche und junge Erwachsene, die nicht bei ihren Eltern oder anderen Bezugspersonen leben können, auf ein selbstständiges Leben vorbereiten. Sie begleiten als Fachkraft den Alltag und unterstützen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen dabei, eine Perspektive für sich zu entwickeln. Dabei spielen auch Fragen der beruflichen oder schulischen Ausbildung eine Rolle.

  • Betreutes Einzelwohnen

    Im betreuten Einzelwohnen können Jugendliche und junge Volljährige in den eigenen vier Wänden wohnen und sich in Selbstständigkeit üben. Als Fachkraft begleiten sie die letzten Schritte in ein eigenverantwortliches Leben, stehen beratend zur Seite und bieten Rückhalt.

  • Therapeutische Wohngruppen/ Intensivleistungen

    Es gibt Kinder und Jugendliche, die aufgrund von psychischen Erkrankungen oder Traumatisierungen herausfordernde Verhaltensweisen mit selbst- und fremdgefährdenden Tendenzen zeigen. Einigen fällt es schwer, sich auf Regeln einzulassen oder sie kommen im Regelschulsystem nicht zurecht. Intensivpädagogische und therapeutische Wohngruppen sollen auf die Bedarfe dieser Kinder und Jugendlichen eingehen, ihnen helfen, ihre Probleme zu bewältigen und ihre Ressourcen zu stärken. Fachkräfte sind hier besonders gefragt, den jungen Menschen Halt zu geben und tragfähige pädagogische Beziehungen anzubieten. Die Einrichtungen können ganz unterschiedliche Konzepte und Schwerpunkte haben (z.B. Sucht, Trauma, Essstörungen…). Als Fachkraft arbeiten Sie hier eng mit therapeutischem Personal und häufig an der Schnittstelle zur Psychiatrie zusammen.

  • Gemeinsame Unterbringung/ Eltern-Kind-Einrichtungen

    In Eltern-Kind-Einrichtungen werden Mütter oder Väter betreut, die allein für ein Kind unter 6 Jahren zu sorgen haben und die eine enge Unterstützung bei der Pflege und Erziehung des Kindes benötigen. Die Gründe können vielfältig sein – Überforderung und fehlende Reife, familiäre und soziale Probleme oder psychische Erkrankungen des Elternteils. Ziel ist es, die Eltern-Kind-Bindung zu stärken und die Eltern zu befähigen, zukünftig eigenverantwortlich Versorgung und Erziehung zu übernehmen.
    Als Fachkraft unterstützen und begleiten Sie Kind und Elternteil bei ganz alltagspraktischen Aufgaben wie Säuglingspflege, Einkauf und Haushaltsführung. Sie unterstützen das Elternteil aber auch darin, neben der reinen Pflege des Kindes eine stabile Eltern-Kind-Beziehung aufzubauen, Kompetenzen zu stärken, Konflikte besser zu lösen und ggf. eine schulische bzw. berufliche Perspektive zu entwickeln.

Teilstationäre Hilfe zur Erziehung

  • Erziehung in einer Tagesgruppe

    Tagesgruppen sind teilstationäre Hilfen. Die Betreuung in einer Tagesgruppe dienst dem Ziel, dass Kinder und Jugendliche für einen Teil des Tages gezielt gefördert werden und trotzdem weiter mit ihren Eltern zusammen leben. Sie richten sich an Kinder und Jugendliche, die aufgrund persönlicher und familiärer Probleme eine intensive pädagogisch-therapeutische Unterstützung brauchen.
    Die jungen Menschen besuchen die Tagesgruppe von Montag bis Freitag, die Wochenenden und Nächte verbringen sie zu Hause – sie verbringen also einen großen Teil des Alltags außerhalb des Elternhauses. Als Fachkraft in der Tagesgruppe bieten Sie den jungen Menschen eine Tagesstruktur, Versorgung und geben Anleitung in persönlichen, sozialen und schulischen Fragen. Mit den Eltern werden regelmäßig Erziehungsfragen und die aktuelle Lebenssituation besprochen. So soll auch eine vollstationäre Unterbringung vermieden werden.

Ambulante Hilfe zur Erziehung

  • Sozialpädagogische Familienhilfe

    Sozialpädagogische Familienhilfe wird ambulant, also im direkten Umfeld der Familie, geleistet. Als Fachkraft treffen Sie sich also mit der Familie in der Wohnung, im direkten Wohnumfeld oder begleiten sie zu Terminen. Bei der sozialpädagogischen Familienhilfe soll die erzieherische Verantwortung der Eltern und das Zusammengehörigkeitsgefühl der Familie gestärkt werden. Als Familienhelfer/-in erarbeiten Sie gemeinsam mit allen Familienmitgliedern Lösungen für Alltagsprobleme und Konflikte.

    Hinweis: In den ambulanten Hilfen sind staatlich anerkannte Sozialpädagog/-innen bzw. Sozialarbeiter/innen tätig.

  • Erziehungsbeistandschaft

    Bei der Erziehungsbeistandschaft steht der junge Mensch im Mittelpunkt. Als Fachkraft stehen Sie dem Kind oder dem/der Jugendlichen bei der Bewältigung von Entwicklungsproblemen zur Seite. Sie helfen bei der Lösung von Konflikten mit den Eltern und unterstützen bei Entwicklungs- und schulischen Problemen bis hin zur Schulverweigerung. Ziel ist es, die sozialen und emotionalen Fähigkeiten zu stärken und Selbstständigkeit zu fördern. Die Familie und das soziale Umfeld, z.B. Freizeitangebote werden in die Hilfe einbezogen.
    Hinweis: In den ambulanten Hilfen sind vor allem staatlich anerkannte Sozialpädagog/-innen bzw. Sozialarbeiter/innen tätig.

  • soziale Gruppenarbeit

    Soziale Gruppenarbeit richtet sich an etwas ältere Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene und setzt sich zum Ziel, das soziale Lernen in der Gruppe fördern. Durch gruppenpädagogische Übungen und Projekte können die Heranwachsenden das eigene Sozialverhalten reflektieren, sich in Kooperationsbereitschaft und Empathie zu üben. So soll Entwicklungsschwierigkeiten und Verhaltensproblemen frühzeitig entgegengewirkt werden.
    Als Fachkraft initiieren und begleiten sie diese gruppendynamischen Prozesse, in regelmäßig stattfindenden Wochenterminen oder als Wochenendangebot, ermöglichen positive Erfahrungen und Erlebnisse, an denen die Jugendlichen wachsen und soziale Kompetenzen entwickeln können. Auch die Beratung und Stärkung der Eltern in ihrer Erziehungskompetenz ist wichtiger Bestandteil der Arbeit.

Einstiegs- und Ausbildungsmöglichkeiten im Bereich Hilfe zur Erziehung

Sie sind staatlich anerkannte/-r Erzieher/-in oder staatliche anerkannte/-r Sozialarbeiter/-in / Sozialpädagog/-in und möchten im Bereich Hilfe zur Erziehung arbeiten?

Hilfe zur Erziehung wird in den meisten Fällen von freien Trägern der Jugendhilfe angeboten, bei denen Sie sich direkt bewerben können.
Aktuelle Stellenausschreibungen finden Sie auf den folgenden Portalen der LIGA der freien Wohlfahrtsverbände oder direkt bei freien Trägern der Jugendhilfe:

Sie möchten im Bereich Hilfe zur Erziehung arbeiten, verfügen aber über einen anderen Berufs- oder Studienabschluss?

Informieren Sie sich, ob ein Quereinstieg für Sie möglich ist:
Quereinstieg in die Kinder- und Jugendhilfe

Sie möchten in den Bereich Hilfe zur Erziehung einsteigen, verfügen aber noch nicht über einen entsprechenden Berufs- oder Studienabschluss?

Hier finden Sie weitere Informationen zu den sozialpädagogischen Berufs- und Studienabschlüssen. Die Ausbildung zur Erzieherin und zum Erzieher können Sie sowohl in Vollzeit als auch in berufsbegleitender Form absolvieren. Dabei gibt es auch Schwerpunktklassen zum Thema „Hilfe zur Erziehung“. Bei den sozialpädagogischen Studiengängen stehen Ihnen neben klassischen Präsenzstudiengängen auch berufsbegleitende und duale Formate zur Auswahl!

Lernen Sie potentielle Arbeitgeber und Praxispartner aus dem Bereich "Hilfe zur Erziehung" kennen!

Besuchen Sie den Berlin-Tag, Deutschlands größte Berufs- und Informationsmesse im Bildungsbereich. Der Besuch ist für Sie kostenfrei!