Prof. Dr. Molthagen-Schnöring treibt der Moment an, in dem Forschung Neues hervorbringt: „Am meisten Freude macht mir, wenn ich Begeisterung für Wissenschaft spüre und neue Dinge entstehen – echte Innovationen“, sagt sie. Die Gründungsförderung verfolgt sie mit besonderem Nachdruck: Sie hat die Startup-Unterstützung an der HTW mit aufgebaut und ist als Science Innovation Officer die Schnittstelle der Wissenschaftseinrichtungen zur Berliner Startup Factory JUNI, einem Public-Private-Partnership-Netzwerk, das Ausgründungen aus der Wissenschaft fördert – gemeinsam mit Industriepartnern wie Tesla oder Bayer. „Junge Leute zu ermutigen, ihre Ideen umzusetzen, und dann zu sehen, wie aus Projekten erfolgreiche Startups werden – das begeistert mich immer sehr.“
Auf der MPI Konferenz 2026 sprach sie über das Zusammenspiel von „Research Push“ und „Industry Pull“: Hochschulen sollten aktiver auf Unternehmen zugehen und ihre Forschung nach außen tragen – gleichzeitig dürften Unternehmen nicht nachlassen, ihre Bedarfe zu artikulieren und neue Lösungen aus der Wissenschaft nachzufragen, auch und gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. „Man weiß häufig doch zu wenig voneinander: was an der einen Stelle erforscht wird und an der anderen Stelle benötigt wird.“ Für erfolgreiche Skalierung brauche es vor allem eines: Zeit. „Wenn ich etwas skalieren will, brauche ich Geduld.“ Häufig entstehe ein Prototyp und dann laufe das Förderprojekt bereits aus. Auf Unternehmensseite seien vor allem personelle Ressourcen entscheidend: Menschen, die Projekte weiterführen und sie ins Unternehmens hineintragen. Und in Kooperationen komme es darauf an, unterschiedliche
Perspektiven früh einzubeziehen, von der Wissenschaft über Investoren bis zur Rechtsexpertise: „Ob etwas am Markt funktioniert oder finanziert werden kann, daran denken viele erst sehr spät. Das früher reinzuholen würde vieles ersparen.“
Zusammenarbeit braucht Formate
Am Masterplan Industriestadt Berlin gefällt Molthagen-Schnöring vor allem, wie anpassungsfähig er ist: „Er bleibt nicht starr, sondern kann über die Zeit immer wieder auf neue Bedarfe reagieren.“ In einer Phase, in der KI neue Möglichkeiten und die globale Weltlage neuen Druck erzeugt, brauche es Formate für Zusammenarbeit und Austausch: „Gerade die Konferenzen des MPI haben da einen großen Wert: Man hört, was in anderen Projekten passiert ist, lernt voneinander und miteinander.“
Besonders wichtig findet sie das Signal, das vom MPI ausgeht: Berlin ist eine Industriestadt. „Berlin hat zwar häufig ein anderes Image, aber hier ist ganz viel Industrie, und die ist ganz wertvoll – gerade auch in der Vernetzung mit der Wissenschaft und der Kultur- und Kreativbranche.“ Auch die verwaltungsübergreifende Zusammenarbeit lobt sie: „Was ich wirklich positiv hervorheben kann, ist die Zusammenarbeit zwischen Wissenschafts- und Wirtschaftsverwaltung. Das hilft uns als Wissenschaftseinrichtungen – und hoffentlich auch den Unternehmen.“ Damit die vielen Welten Berlins zusammenfinden, brauche es Menschen, die genau das zur Aufgabe machen: „Es ist sehr wertvoll, wenn sich diese unterschiedlichen Bereiche gut miteinander vernetzen. Dafür braucht es immer Orchestrierung.“