Gesichter des MPI: Prof. Dr. Stefanie Molthagen-Schnöring

Eine Frau mit kurzen, lockigen Haaren und einer bunten Jacke steht vor einer Betonwand und lacht.

Prof. Dr. Stefanie Molthagen-Schnöring, Vizepräsidentin für Forschung, Transfer und Wissenschaftskommunikation an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW Berlin), arbeitet an Schnittstellen: zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, Forschung und Anwendung, Hochschule und Gesellschaft. In dieser Rolle bringt sie Unternehmen und Forschende zusammen und sorgt dafür, dass Forschungsergebnisse den Weg in die Anwendung finden.

Molthagen-Schnöring hat Germanistik und Kommunikationswissenschaft studiert und bereits in ihrer Promotion eine ungewöhnliche Brücke geschlagen: Sie forschte zu Unternehmenskommunikation aus linguistischer Perspektive. „Mich hat schon immer interessiert, wie unterschiedliche Systeme miteinander umgehen und voneinander lernen können“, sagt sie. Nach der Promotion arbeitete sie in der Kommunikationsberatung, zunächst mit Schwerpunkt Finanzkommunikation, dann in der politischen Kommunikation in Berlin. Sie publizierte unter anderem zu Corporate Political Responsibility – der Frage, wie Unternehmen politische Verantwortung wahrnehmen.

Eine Frau mit kurzen Haaren und rosa Jacke steht vor einem Backsteinhaus mit blauem Fensterrahmen und lächelt.
Viele KMU profitieren davon, mit Hochschulen zu kooperieren, die niedrigschwelligere Einstiege bieten als große Universitäten.
Prof. Dr. Molthagen-Schnöring, Vizepräsidentin für Forschung, Transfer und Wissenschaftskommunikation an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW Berlin)

Türöffnerin für die Forschung

2011 wechselte sie als Professorin für Wirtschaftskommunikation an die HTW Berlin. 2019 begann ihre erste Amtszeit in der Hochschulleitung mit dem Ressort Forschung und Transfer. Ihre Rolle beschreibt sie als eine Art „Außenministerin der Hochschule“: den Kontakt zu Akteuren aus Wirtschaft, Gesellschaft und Politik pflegen, Kooperationen anbahnen, Kolleginnen und Kollegen bei der Partnersuche unterstützen gehören in ihr Portfolio. Was es dafür braucht? Viel „Moderationsfähigkeit“ und das Gespür dafür, welche Erwartungen die unterschiedlichen Akteure mitbringen. „Man muss gerne mit Menschen zu tun haben, gerne neue Menschen kennenlernen und offen dafür sein.“ Dazu kommt das Handwerk des Hochschulbetriebes: Förderanträge und Berichte schreiben, korrekt abrechnen. „Auch das gehört dazu, damit Projekte, die man angestoßen hat, gut und sauber abgewickelt werden können.“

Als Hochschule für angewandte Wissenschaften arbeitet die HTW Berlin besonders eng mit kleinen und mittelständischen Unternehmen zusammen. „Viele KMU profitieren davon, mit Hochschulen zu kooperieren, die niedrigschwelligere Einstiege bieten als große Universitäten“, erklärt Prof. Dr. Molthagen-Schnöring. Mit dem eigens an der HTW eingerichteten KMU-Büro, gefördert von der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe, hat die Hochschule hierfür einen Anlaufpunkt geschaffen: Er erleichtert Unternehmen den Einstieg in die Zusammenarbeit. „Es geht darum, den Unternehmen die Angst zu nehmen, dass sie gleich schon wer weiß was wissen müssen. Häufig sind es wirklich gemeinsame Entwicklungsprojekte.“ Die Kooperation beginnt oft schon in der Lehre: mit externen Lehrbeauftragten, Praxisvorträgen und Kursen, die an realen Fragestellungen arbeiten.

Eine Frau hält eine Keynote auf einer Bühne vor Publikum, hinter ihr ist eine Leinwand mit ihrem Porträt und Informationen zur Veranstaltung.

Vom Labor zur Firma

Prof. Dr. Molthagen-Schnöring treibt der Moment an, in dem Forschung Neues hervorbringt: „Am meisten Freude macht mir, wenn ich Begeisterung für Wissenschaft spüre und neue Dinge entstehen – echte Innovationen“, sagt sie. Die Gründungsförderung verfolgt sie mit besonderem Nachdruck: Sie hat die Startup-Unterstützung an der HTW mit aufgebaut und ist als Science Innovation Officer die Schnittstelle der Wissenschaftseinrichtungen zur Berliner Startup Factory JUNI, einem Public-Private-Partnership-Netzwerk, das Ausgründungen aus der Wissenschaft fördert – gemeinsam mit Industriepartnern wie Tesla oder Bayer. „Junge Leute zu ermutigen, ihre Ideen umzusetzen, und dann zu sehen, wie aus Projekten erfolgreiche Startups werden – das begeistert mich immer sehr.“

Auf der MPI Konferenz 2026 sprach sie über das Zusammenspiel von „Research Push“ und „Industry Pull“: Hochschulen sollten aktiver auf Unternehmen zugehen und ihre Forschung nach außen tragen – gleichzeitig dürften Unternehmen nicht nachlassen, ihre Bedarfe zu artikulieren und neue Lösungen aus der Wissenschaft nachzufragen, auch und gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. „Man weiß häufig doch zu wenig voneinander: was an der einen Stelle erforscht wird und an der anderen Stelle benötigt wird.“ Für erfolgreiche Skalierung brauche es vor allem eines: Zeit. „Wenn ich etwas skalieren will, brauche ich Geduld.“ Häufig entstehe ein Prototyp und dann laufe das Förderprojekt bereits aus. Auf Unternehmensseite seien vor allem personelle Ressourcen entscheidend: Menschen, die Projekte weiterführen und sie ins Unternehmens hineintragen. Und in Kooperationen komme es darauf an, unterschiedliche Perspektiven früh einzubeziehen, von der Wissenschaft über Investoren bis zur Rechtsexpertise: „Ob etwas am Markt funktioniert oder finanziert werden kann, daran denken viele erst sehr spät. Das früher reinzuholen würde vieles ersparen.“

Zusammenarbeit braucht Formate

Am Masterplan Industriestadt Berlin gefällt Molthagen-Schnöring vor allem, wie anpassungsfähig er ist: „Er bleibt nicht starr, sondern kann über die Zeit immer wieder auf neue Bedarfe reagieren.“ In einer Phase, in der KI neue Möglichkeiten und die globale Weltlage neuen Druck erzeugt, brauche es Formate für Zusammenarbeit und Austausch: „Gerade die Konferenzen des MPI haben da einen großen Wert: Man hört, was in anderen Projekten passiert ist, lernt voneinander und miteinander.“

Besonders wichtig findet sie das Signal, das vom MPI ausgeht: Berlin ist eine Industriestadt. „Berlin hat zwar häufig ein anderes Image, aber hier ist ganz viel Industrie, und die ist ganz wertvoll – gerade auch in der Vernetzung mit der Wissenschaft und der Kultur- und Kreativbranche.“ Auch die verwaltungsübergreifende Zusammenarbeit lobt sie: „Was ich wirklich positiv hervorheben kann, ist die Zusammenarbeit zwischen Wissenschafts- und Wirtschaftsverwaltung. Das hilft uns als Wissenschaftseinrichtungen – und hoffentlich auch den Unternehmen.“ Damit die vielen Welten Berlins zusammenfinden, brauche es Menschen, die genau das zur Aufgabe machen: „Es ist sehr wertvoll, wenn sich diese unterschiedlichen Bereiche gut miteinander vernetzen. Dafür braucht es immer Orchestrierung.“