„Adlershof ist Gold wert”
Dr. Marek Checinski, Gründer von CreativeQuantum und C1 Green Chemicals, verdeutlichte das Potenzial von Deep-Tech-Skalierung im Bereich Chemie. Mit seinem ersten Unternehmen nutzt er seit fast 20 Jahren quantenmechanische Simulationen zur Optimierung chemischer Prozesse. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse führten zur Entwicklung eines neuartigen Katalysators für die Methanolproduktion, der die Energieeffizienz eines Prozesses – das Katalyseverfahren für grünes Methanol – verbessern soll, der allein für zwei Prozent der globalen CO2-Emissionen verantwortlich ist. C1 Green Chemicals sammelte bereits über 20 Millionen Euro ein und wuchs in vier Jahren von null auf 40 Mitarbeitende.
Checinski unterstrich die Anziehungskraft der Hauptstadtregion: „Berlin ist sehr anziehend. Wenn ich eine Stelle ausgeschrieben habe, gibt es bis zu 80 Bewerbungen dafür.” Das Ökosystem in Adlershof sei „wirklich Gold wert”: „Wenn ich eine Frage hatte, bin ich einfach ein paar Straßen weiter gegangen und konnte das klären. Das klingt banal, ist aber tatsächlich ein wichtiges Gut.” Er plädiert dafür, dass Laborinfrastruktur und -technik öffentlich bereitgestellt werden sollten, damit nicht jedes Startup sie mit viel Aufwand selbst erwerben muss. Zugleich zeigt sein Unternehmen, wie KI die Produktion verändert: Autonome Agenten übernehmen inzwischen Routineaufgaben, sodass bestimmte Stellen gar nicht mehr neu besetzt werden müssen.
Berlins industrielle Substanz als Fundament
Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey ordnete die Konferenzbeiträge in den wirtschaftspolitischen Kontext ein: „Wir haben ein Wachstum, das seit 13 Jahren in Folge über dem Bundesdurchschnitt liegt”, erklärte sie. Rund 114.000 Menschen arbeiteten in 755 Industriebetrieben, die 6,4 Prozent der gesamten Bruttowertschöpfung der Stadt erwirtschafteten. Mit den Kleinstbetrieben umfasse das industrielle Ökosystem rund 3.400 Unternehmen: „Das ist unsere wirtschaftliche Substanz, die wir hier in der Stadt haben.”
Berlin Partner und die Wirtschaftsförderung hätten in der laufenden Legislaturperiode zweimal die Milliardenmarke bei eingeworbenen privaten Investitionsmitteln geknackt – ein Niveau, das es seit dem Mauerfall zuvor nicht gegeben habe. Dass es auch Herausforderungen gebe, verschwieg Giffey nicht. Doch Beispiele wie die Transformation des Mercedes-Werks zur Digital Factory oder das neue Zentrum für Zell- und Gentherapie von Bayer und der Charité zeigten, dass der Standort sich erneuern könne. Als Wachstumsfeld benannte sie zudem die Sicherheits- und Verteidigungswirtschaft mit rund 400 Unternehmen in der Metropolregion, die unter anderem im Dual-Use Bereich tätig sind.
Was Berlin für mehr Skalierung braucht
Im abschließenden Panel diskutierten Dr.-Ing. Mitchel Polte vom Produktionstechnischen Zentrum Berlin (TU Berlin / Fraunhofer IPK), Hannah Boomgaarden von Plug and Play Tech Center, Jan Wilmking von PROJECT EADEN und Patrick Lindstädt von der HypoVereinsbank UniCredit, was Berlin konkret für den Schritt von der Innovation zur Skalierung braucht.
Dr.-Ing. Polte stellte das Produktionstechnische Zentrum als Verbindung zwischen Grundlagenforschung und industrieller Anwendung vor. Besondere Potenziale sieht er in der Gesundheitswirtschaft – etwa bei der Produktion von mRNA-basierten Therapien und der Medizintechnik, in der Raumfahrt sowie in der Quantenkommunikation. Wer die regulatorischen Hürden der Medizintechnik beherrsche, könne dieselben Fertigungstechnologien auch für Space-Anwendungen nutzen: „Wer die Medizintechnik-Hürde schafft, schafft auch die Space-Hürde.” Entscheidend sei technologische Differenzierung: Unternehmen, die in Berlin produzieren wollten, müssten schneller, effizienter und kostengünstiger fertigen als die internationale Konkurrenz.