Unternehmensbeiträge aus der Praxis machten deutlich, wie sich Berlin als moderne Industriestadt weiterentwickelt. Trotz einer insgesamt angespannten Lage der Industrie, geprägt durch wirtschaftliche Unsicherheiten und zunehmenden internationalen Wettbewerbsdruck, zeichneten die Perspektiven der sich präsentierenden Berliner Industrieunternehmen aus Hochtechnologie und Mittelstand ein insgesamt optimistisches Bild eines urbanen Industriestandorts im Wandel. In Berlin wird in neue Geschäftsfelder und Technologien investiert, skaliert und diversifiziert.
Markus Matthes, Standortleiter von ASML Berlin, skizzierte die Rolle des Berliner Standorts innerhalb eines global agierenden Hochtechnologieunternehmens. ASML fertigt in Berlin hochpräzise Glas- und Keramikkomponenten für die Halbleiterindustrie – Bauteile, deren Qualität maßgeblich über die Leistungsfähigkeit moderner Chips entscheidet. Am Standort investiert das Unternehmen kontinuierlich in den Ausbau von Produktionskapazitäten und pflegt enge Kooperationen mit Hochschulen, unter anderem mit der HTW Berlin. ASML profitiert dabei
insbesondere von der Nähe zu Forschungseinrichtungen und einem spezialisierten Fachkräftepool. Zugleich wurde deutlich, dass solche Investitionen langfristige Planungssicherheit erfordern. Flächenverfügbarkeit, Genehmigungsverfahren und Qualifizierung sind zentrale Voraussetzungen, damit industrielle Wertschöpfung nicht nur angesiedelt, sondern auch skaliert und weiterentwickelt werden kann.
Ergänzt wurde diese Perspektive durch Fabian Ahlberg, Geschäftsführer der Ahlberg Metalltechnik GmbH. Das familiengeführte Unternehmen steht exemplarisch für einen industriellen Mittelstand, der Transformation aktiv gestaltet. Ein vollzogener Generationswechsel setzte dabei zusätzliche Impulse für Erneuerung und Weiterentwicklung. Durch die Verbindung klassischer Umform- und Zerspanungstechnik mit Entwicklungsleistungen und Sondermaschinenbau erschließt Ahlberg Metalltechnik neue Anwendungsfelder jenseits traditioneller Automobilzulieferketten. Diversifikation, technologische Weiterentwicklung und eine enge regionale Vernetzung sind zentrale Elemente der Unternehmensstrategie. Der Standort Adlershof erleichtert den Zugang zu Kooperationspartnern, Start-ups und Forschungseinrichtungen und unterstützt die Weiterentwicklung des Geschäftsmodells.
Am Beispiel von Siemens Energy machte Nadia Hädrich, Senior Director Strategy & Public Affairs EnergySphere Berlin, deutlich, welche Rolle urbane Industriestandorte für komplexe Energie- und Systemtechnologien spielen können. Das Unternehmen ist in Berlin mit umfangreichen Entwicklungs- und Fertigungskompetenzen vertreten, die stark wissens- und technologiegetrieben sind und hohe Anforderungen an Qualifikation, Infrastruktur und Vernetzung stellen. Die Expansion am Standort Huttenstraße in Moabit – unter anderem mit dem Ausbau der Elektrolyseur-Fertigung – zeigt, dass industrielle Großproduktion auch mitten in der Stadt möglich ist. Die Einbindung in ein urbanes Umfeld ermöglicht kurze Wege zu Forschungseinrichtungen, spezialisierten Dienstleistern und einem qualifizierten Arbeitsmarkt. Gleichzeitig wurde sichtbar, dass solche
Aktivitäten auf verlässliche Rahmenbedingungen angewiesen sind, insbesondere mit Blick auf Flächen, Genehmigungen und die langfristige Sicherung von Fachkräften. Auch die internationale Anbindung, etwa über den Flughafen BER, spielt für global agierende Industrieunternehmen eine zunehmende Rolle.
Auch Tom Segert, Gründer und Geschäftsführer von Berlin Space Technologies, zeigte auf, dass hochspezialisierte industrielle Wertschöpfung im urbanen Kontext realisierbar ist. Das junge Berliner Raumfahrtunternehmen, ein Spin-off der TU Berlin, agiert in einem hochdynamischen und technologisch anspruchsvollen Umfeld, in dem Entwicklungsarbeit, Präzision und internationale Vernetzung zentrale Voraussetzungen sind. Die Nähe zu wissenschaftlichen Einrichtungen und technologieorientierten Netzwerken wirkt dabei als wichtiger Standortfaktor. Der geplante Aufbau von Produktionskapazitäten für Kleinsatelliten in Tempelhof verdeutlicht zugleich, dass die Skalierung industrieller Aktivitäten in Berlin möglich ist. Gleichzeitig wurde jedoch auch in diesem Beitrag deutlich, dass Genehmigungszeiträume nicht immer im Einklang mit dem hohen Innovations- und
Markttempo der Branche stehen.