Pflegekinder: Bereitschaftskrisenpflege startet im Bezirk Spandau

Pressemitteilung vom 11.09.2026

Anlässlich des 24. Berliner Pflegefamilientages in der Zitadelle Spandau am 6. September hat die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie grünes Licht für den Aufbau einer Bereitschaftskrisenpflege in den Bezirken gegeben. Auch das Jugendamt Spandau plant, zwei Stellen einzurichten und sucht Einzelpersonen oder Familien, die bereit sind, kurzfristig und verbindlich Kinder im Säuglings- und Kleinkindalter aufzunehmen.

Tanja Franzke, Bezirksstadträtin für Jugend, Gesundheit und Ordnung (k): „Allein in Spandau haben wir derzeit rund 230 Pflegekinder. Wenn Kinder und Jugendliche aus ihrer vertrauten Umgebung herausgenommen werden, brauchen sie Menschen, die ihnen Geborgenheit geben. Pflegepersonen leisten dabei jeden Tag einen wichtigen und verantwortungsvollen Beitrag für unsere Gesellschaft und verdienen dafür unsere Anerkennung und Unterstützung. Mit der Bereitschaftskrisenpflege wollen wir in Spandau ein zusätzliches Angebot schaffen, das Kindern in akuten Krisensituationen schnell ein sicheres Zuhause auf Zeit bietet. Allen, die sich vorstellen können, ein Kind kurzfristig als Bereitschaftspflegeperson oder längerfristig als Pflegeperson aufzunehmen, möchte ich ermutigen, sich zu informieren und bei uns zu melden.“

Pflegefamilien nehmen Kinder auf, die vorübergehend oder dauerhaft nicht bei ihren leiblichen Eltern leben können. Sie geben ihnen einen verlässlichen familiären Alltag und begleiten sie in ihrer Entwicklung. Je nach Situation kann ein Pflegeverhältnis für einen begrenzten Zeitraum bestehen oder langfristig angelegt sein. Die Bereitschaftskrisenpflege ist dagegen auf akute Notsituationen ausgerichtet: Hier werden ein bis zwei Kinder im Alter von 0 bis 6 Jahren kurzfristig durch das Jugendamt untergebracht, etwa im Zusammenhang mit einer Inobhutnahme oder einer anderen Krisensituation. Die Pflegefamilie bietet dem Kind zunächst einen sicheren familiären Rahmen und trägt dazu bei, es zu stabilisieren. Die Unterbringung ist von Beginn an zeitlich befristet und dient dazu, gemeinsam mit dem Jugendamt die weitere Perspektive für das Kind zu klären.

Wer sich für die Aufnahme eines Pflegekindes interessiert, findet in Berlin inzwischen vielfältige Unterstützung. Seit 2023 wurde die Pflegekinderhilfe durch das Land Berlin mit einem umfassenden Maßnahmenpaket gestärkt. Dazu gehören eine höhere finanzielle Unterstützung, der seit 2025 geltende Startbonus Pflegekind von bis zu 924 Euro monatlich für bis zu zwölf Monaten bei der Aufnahme eines Kindes bis zum Schuleintritt sowie wohnortnahe Beratung und Unterstützung. Hinzu kommen unter anderem mehr therapeutische Angebote, Ferienreisen für Pflegekinder oder Supervision für Pflegeeltern. Mit PRIO steht zudem eine unabhängige Beratungs- und Ombudsstelle für junge Menschen in Pflegefamilien und stationären Hilfen zur Verfügung.

Darüber hinaus wird auch das gesellschaftliche Engagement von Pflegefamilien in Berlin öffentlich gewürdigt. Neben einem erstmals 2026 veranstalteten berlinweiten Jahresempfang findet bereits seit 24 Jahren jährlich und von Bezirk zu Bezirk rotierend der Pflegefamilientag statt.

Pressekontakt:
Simone Engler
E-Mail: jugendundgesundheit@ba-spandau.berlin.de
Tel.: 030 90279–2293