Alle unter einem Dach: Solarstrom teilen im Mehrfamilienhaus mit virtueller Bilanzierung

Alle unter einem Dach: Solarstrom teilen im Mehrfamilienhaus mit virtueller Bilanzierung

Best-Practice-Beispiel aus Berlin

Kennwerte

  • 14 kW Solaranlage
  • zwei Balkonsolaranlagen
  • virtueller Summenzähler (Ausstattung aller teilnehmenden Anlagen mit intelligenten Messsystemen)
  • Dachsolaranlage ist gemeinsame Investition der Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG)
  • teils Eigentum, teils Vermietung der WEG
  • Aufteilung der Anlage zur Maximierung des Eigenverbrauchs im Haus mit Überlassung gegen Entgelt
  • Freie Wahl des Reststromlieferanten

Zentrale Solar-Assets
Zum ersten Mal wird in Berlin die gemeinschaftliche Gebäudeversorgung nach §42b EnWG in Betrieb genommen. Das heißt, die Erzeugung der Solaranlage wird von Teilnehmenden im Haus genutzt, die Überlassung erfolgt durch die WEG gegenüber ihren Mitgliedern beziehungsweise Mieter:innen.

Zur Energiemengenaufteilung wird eine virtuelle Bilanzierung genutzt. Der virtuelle Summenzähler bildet dabei die Schnittstelle zwischen vorgelagertem Verteilnetz und dem virtuellen Bilanzierungsgebiet. Die Aufteilung der Erzeugung auf teilnehmende Verbrauchsstellen im Haus, die Zuordnung des Netzbezugs zu den jeweiligen Lieferanten und die Bilanzierung der überschüssigen Erzeugung im Rahmen der sonstigen Direktvermarktung wird durch den virtuellen Bilanzierungsverantwortlichen übernommen. Der Datenaustausch erfolgt per Standardmarktkommunikation.

Kontakt
Dr. Arwen Colell
decarbon1ze GmbH
contact@decarbon1ze.com

Mehr Informationen

Mit der gemeinschaftlichen Gebäudeversorgung („gGv“) können sich auch Menschen im Mehrfamilienhaus die Erzeugung ihrer Solaranlage teilen. Anders als beim Mieterstrom bleibt dabei die freie Wahl des Lieferanten für zusätzlich aus dem Verteilnetz bezogene Strommengen erhalten. Komplexe energiewirtschaftliche Datenaustauschprozesse bedeuten aktuell, dass bundesweit bisher erst wenige gGv-Projekte umgesetzt sind. decarbon1ze und Stromnetz Berlin realisieren zusammen mit einer Pankower Hausgemeinschaft nicht nur Berlins erste gemeinschaftliche Gebäudeversorgung. Das Pilotprojekt zeigt auch, wie die aufwändigen Abstimmungsprozesse der Energiewirtschaft vereinfacht werden können. Die besonders leistungsfähige, digitale Infrastruktur des virtuellen Bilanzierungsgebiets passt sich flexibel an die Wünsche der Teilnehmenden an.

Virtuelle Bilanzierung ermöglicht die passgenaue Energiemengenzuordnung auch in komplexen Prosumer-Liegenschaften, setzt den Datenversand für Netzbetreiber und Lieferanten aber gleichzeitig mit Standardmarktkommunikation um. Der virtuelle Summenzähler wird nach dem Vorbild der Netzzugangsregeln Elektromobilität (NZR-Emob) der Bundesnetzagentur die Schnittstelle zwischen physischem Verteilnetz und virtuellem Betriebssystem. Die hier pilotierten Prozesse zur Einspeisung im virtuellen Bilanzierungsgebiet zeigen auch das Potential für andere Energiewendedienstleistungen wie bidirektionales Laden oder Energy Sharing.

Dieser Pilot ist bundesweit das erste Projekt seiner Art. Ziel ist es, mit den hier umgesetzten Betriebsprozessen eine Blaupause für die vereinfachte Umsetzung von Energiewendeanlagen in sogenannten Prosumer-Liegenschaften, das heißt Liegenschaften mit Erzeugung und Verbrauch, zu schaffen.

Die Energiemengenzuordnung mit virtueller Bilanzierung kann auch für künftige Anwendungen im bidirektionalen Laden oder für den Wechsel von Speichern zwischen Eigenverbrauch und systemdienlichem Verbrauch herangezogen werden.

Alle unter einem Dach: Solarstrom teilen im Mehrfamilienhaus mit virtueller Bilanzierung

Einweihung mit Maximilian Weiß (Green Planet Energy), Staatssekretär Dr. Severin Fischer (SenWEB), Dr. Arwen Colell (decarbon1ze), Kerstin Niemeier (Stromnetz Berlin GmbH) und Markus Meyer (Enpal)